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Klinger
gewöhnlichen. Da es wirkliche Kraft war, die ihn hob und drängte, so d'urfts erDas schon wagen, und seine Kühnheit wurde vvm glücklichsten Erfolge gekrönt. Sohatte noch kein deutscher Dichter alle Leidenschaften in Bewegung gesetzt, als er ins. „Zwillingen"! Die größere Bewunderung verdient, daß er durch sein Feuersich nicht lange auf Abwege leiten ließ. Übung und Umgang, sagt er selbst, hättenihn von überspannte» Idealen zurückgebracht: das bürgerliche Leben müsse Jedenlehren, daß Einfachheit, Ordnung und Wahrheit die Zauberruthen seien, mit denenman an das Herz anschlagen müsse, wenn es ertönen solle. Wie sehr macht unsein solches Geständnis bedauern, nicht mehr von dem Leben dieses Mannes zuwissen. Göthe , sein Landsmann und Jugendfreund, sagt uns: „Klinger's Äu-ßeres war sehr Vortheilhaft. Die Natur hatte ihm eine große, schlanke, wohlge-baute Gestalt und eine regelmäßige Gesichtsbildung gegeben; er hielt auf seinePerson, trug sich nett. Sein Betragen war weder zuvorkommend noch abstoßend,und, wenn es nicht innerlich stürmte, gemäßigt. Er empfahl sich durch eine reineGemüthlichkeit, und ein unverkennbar entschiedener Charakter erwarb ihm Zu-trauen. Auf ein ernstes Wesen war er von Jugend auf hingewiesen; er, nebsteiner ebenso schönen und wackern Schwester, hatte für eine Mutter zu sorgen, die,als Witwe, solcher Kinder bedurfte, um sich aufrecht zu erhalten. Alles, wasanihm war, hatte er sich selbst verschafft und geschaffen, sodaß man ihm einen Zugvon stolzer Unabhängigkeit, der durch sein Betragen durchging, nicht verargte. Ent.schiedene natürlicheAnlagen, leichte Fassungskraft, vortreffliches Gedächtniß, Spra-chengabe besaß er in hohem Grade; aber Alles schien er weniger zu achten als dieFestigkeit und Beharrlichkeit, die sich ihm, gleichfalls angeboren, durch Umständevöllig bestätigt hatten. Einem solchen Jünglinge mußten Rousseau's Werke vor-züglich zusagen. Emil war sein Haupt - und Grundbuch, und jene Gesinnungenfruchteten um so mehr bei ihm, als sie über die ganze gebildete Welt allgemeineWirkung ausübten, ja bei ihm mehr als bei Andern. Denn auch er worein Kindder Natur, auch er hatte von unten auf angefangen; Das, was Andre wegwerfensollten, hatteer nie besessen; Verhältnisse, aus welchen sie sich retten sollten, hattenihn nie beengt; und so konnte er für einender reinsten Jünger jenes stjaturevange-liums angesehen werden, und in Betracht seines ernsten Bestrebens, seines Betra-gens als Mensch und Sohn, recht wohl ausrufen : Alles ist gut, wie es aus denHänden der Natur kommt! Aber auch den Nachsatz: Alles verschlimmert sichunter den Händen der Menschen! drängte ihm eine widerwärtige Erfahrung auf.Er hatte n:cht mit sich selbst, aber außer sich mit der Welt des Herkommens zu käm-pfen, von deren Fesseln der Bürger von Genf uns zu erlösen gedachte. Weil nunin des Jünglings Lage dieser Kampf oft schwer und sauer ward, so fühlte er sichgewaltsamer in sich zurückgetrieben, als daß er durchaus zu einer frohen und freu-digen Ausbildung hätte gelangen können: vielmehr mußte er sich durchch'irmen,durchdrängen; daher sich ein bitterer Zug in sein Wesen schlich, den er in der Folgezum Theil gehegt und genährt, mehr aber bekämpft und besiegt hat. In seinenProductionen zeigt sich ei» strenger Verstand, ein biederer Sinn, eine reg« Einbil-dungskraft, eine glücklicheBeobachtung der menschlichen Mannigfaltigkeit und einecharakteristische Nachbildung der genetischen Unterschiede. Seine Mädchen undKnaben sind frei und lieblich, seine Jünglinge glühend, seine Männer schlichtund verständig; die Figuren, die er ungünstig darstellt, nicht zu sehr übertrieben;ihm fehlt es nicht an Heiterkeit und guter Laune, Witz und glücklichen Einfällen;Allegorien und Symbole stehen ihm zu Gebot; er weiß uns zu unterhalten und zuvergnügen, und der Genuß würde noch reiner sein, wenn er sich und uns den hei-tern bedeutenden Scherz nicht durch ein bitteres Mißwollen verkümmerte. Dochdies macht ihn eben zu Dem, was er ist, und dadurch wird ja die Gattung der Lesen-den und Schreibenden so mamiigfaltig, daß ein Jeder, theoretisch, zwischen Erken-