Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
438
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438 Landwirthschuft

Gebrauch machen, denn er kann die neuern Ideen nicht ordnen und in das Ganzeverweben. Für ihn sind nur diejenigen Schriften, welche auf die besondern Ver-hältnisse, worin er sich befindet, wahren Bezug haben. Seine Bildung besieht inder handwerksmäßigen Erlernung. Die Landwirthschaft zerfällt in Pflanzenbauund Viehzucht. In der Regel pflegen beide mit einander verbunden zu sein, es kannaber wech jede für sich betrieben werden. Der Pflanzenbau, als Theil der Land-wirthschaft, zerfall: in mehre Abtheilungen, wovon jede auch als ein für sich be-stehendes Ganzes, als ei» geordneter Wirlhschaftszweig betrieben werden kann, alsGetreidebau; Wiesenpflanzenbau, Wiesenwirthschaft; Obstbau, d. i. Obstbaum-zucht, mit Einschluß des Weinbaues; Holzbau , Forstwirthschaft. Der Garten-fruchtbau oder die Gärtnerei ist nur insofern als besonderer Theil anzusehen, als derGärtner mehr oder weniger Kunst anwendet, gewisse Pflanzen hervorzubringen.Nicht selten werden in einer und derselben Wirthschaft die hier genannten Zweigeaber auch als ein Ganzes vereinigt betrieben. Jeder kann eine bedeutende Ausdeh-nung erhalten und dadurch den einen oder den andern beschränken oder gänzltch ver-drängen, z. B. der Getreidebau den Anbau der Holzpflanzen; die Gärtnerei in derNähe großer, volkreicher Etädte den Getreidebau. Obwaltende örtliche Verhält-nisse bestimmen jedes Mal, welchem Zweige vor dem andern der Vorzug einzuräu-men ist. Indeß blieb im Allgemeine» der Getreidebau der hauptsächlichste Zweigund schließt den Anbau mehrer andrer Pflanzen keineswegs aus. (S. Ackerbau.)Die Viehzucht, als der zweite Theil der Landwirthschaft, begreift die Anzucht, d. t.Vermehrung, und zugleich die Pflege der Thiere in sich. Ihre Abtheilungen sind:Rindviehzucht, Schafzucht, d. i. Schäferei, Schweinezucht, Federviehzucht. Inder Betreibung ist jeder Zweig wesentlich verschieden und pflegt daher auch mehren-theils von den andern abgesondert zu werden. Noch verdient die Fischzucht oderdie Fischerei einer Erwähnung, da die Teiche einen Theil des Landguts ausmachen,und die Fischzucht mit dem Betriebe der Landwirthschaft unmittelbar ih' e Verbin-dung hat. Außer dem Pflanzenbau und der Viehzucht zählt man noch andre Ge-werbszweige zur Landwirthschaft, wohin sie aber eigentlich nicht gehören. Wirdürfen sie darum auch nur als landwirihschaftliche Nebengcwerbe betrachten. Siesind technisch und bezwecken die weitere Nutzung landwirlbschaftlicher Erzeugnisse.Hierher gehören die Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Ölschlägerei, Stärke- undZuckcrfabrication. Mit der kleinern Landwinhschaft verbindet man die Ziegel.,Kalk- und Gypsbrcnnerei, Torfstecherei. Die landwirihschaftliche Arbeit ist alsvollendet anzusehen, wenn das beabsichtigte rohe Erzeugniß gewonnen ist, z. B. daserbaute Getreide gedroschen, der Hanf und der Flachs gezogen, die Milch gemolkenist. Bei mehren Erzeugnissen ist jedoch der Landwirth genöthigt, sich einer weiter»Verarbeitung zu unterziehen; Flachs und Hanf verkaufen sich nur gebrochen; dieMilch muß in Butt-r oder Käse verwandelt werden. Ist nun der Lantwn'lh in demFalle, daß er seine Erzeugnisse weiter zurichtet oder verwerthet, so vereinigt er andreGewerbe mit teni seimgen. Wenn die auf die Landwirlhschaft genau berechnetenArbeitskräfte derselben eigentlich nicht entzogen, sondern nur beiläufig aussNeben-gewerbe gerichtet werten, so stört dies das landwirthschaftliche G,werbe nicht, undder Gewinn im Nebcngewei be kann um so größer werken, als auf dieses wedereigne Gebäude noch Arbeiter zu rechnen sind. Wer Zeit und Verhältnisse gut zubenutzen weiß, um die beste Verbindung der vorkommenden Geschäfte herzustellenund zu erhalten, kann die Rente seines AnlagecapiialS ziemlich hoch bringen. Esgibt mehre Gewerbe, die sich mit der Landwirkhschaft zum Gewinn für die Besitzerverbinden lassen, z. B. am sugsichsten Bronntweinbrennen, Bierbrauerei,,, Zucker-fabrication aus Runkelrüben und Kartoffeln, Tabackszubercirung, Öpressen,Handel mit Getreide, Holz, F'achS, Hanf. Einige Nebengewerbe verschaffen derWirthschaft nutzbare Abgänge, wie z. B. die Branntweinbrennerei, die Bin braue-