Lawrence 483
zog die meisten Städte Italiens , wo er sich durch wohlberechnete Wetten Meld zuverschaffen wußte, und legte zu Turin dem Herzoge von^avoven seinFinanzlystemvor, ohne jedoch Eingang zu finden. Ein gleiches Schicksal hatte er bei den Mini-stern Ludwigs X I V. Als aber unter der Regentschaft des Herzogs von OrleanS dieFinanzen Frankreichs sich in großer Bedrängniß befanden, gelang es ihm, sich Ge-hör zu verschaffen, ungeachtet sich alle Finanzmänner und das Parlament zu Paris gegen seine Entwürfe erklärten. Sein Plan hatte zwei Gegenstände: die Errich-tung einer DiScontobank und einer Handelsgesellschaft, welche ein für goldreichausgegebenes Land (Louisiana ) benutzen sollte. Die Bank wurde 1116 unter demNamen Law und Cvmp. mit einem Capital von 6 Mill. Franken, die in 12.000Actien, jede zu 500 Fr., getheilt waren, gestiftet. Man bezahlte für eine Actienur 1 des Betrags baar und das Übrige in Siaatspapieren. Das blinde Vertrauendes Publicums stieg 5» sehe, daß man die Papiere der Bank baarem Gelde vorzog.Sie wurde das Bureau aller Staatseinnahmen. Bald verband L. mit dieserBank eine Missisippicompagnie, der in Louisiana Länder zugetheilt wurden, vonderen Anbau und Handelsverkehr man ungeheuern Gewinn erwartete; ferner denSenegalhandel, das Privilegium der ehemaligen ostindischen Compagnie und dieGeneralpachte, und ließ sie 1118 sür eine königl. Bank erklären. Durch eineMenge ihr willkürlich verliehener Begünstigungen gewann sie einen solchen Umfangund zugleich ein solches Vertrauen, daß ih>-e Actien bei dem iLchwindelgeiste, derdas Publicum ergr ffen hatte, auf 20,000 Fr. stiegen. Aus ganz Frankreich strömtedas baare Geld, oder was Geldcswerth halte, in die Bank; Jedermann schätztesich glücklich, damit einen Amheil an dem eing>bildeten Reichthume derselben zu er-kaufen. L. galt für den Plurus des Königreichs, stand in unbegrenztem Ansehenund ward, nachdem er 1120 zur katholischen Religion übergetreten war, zumGe-neralconkroleur der Finanzen ernannt. Indeß begann die Täuschung allmälig zuschwinden; die Bankscheine fielen von Tag zu Tag, und bald zeigte sich der Unter-gang des ganzen Svstems als unvermeidlich. Vergebens verbanme der Regent dasParlament von Paris, welches sich hatte einmischen wollen; L.'s Credit war nichtzu retten. Nach ein»r fünfmonatlichen Verwaltung mußte er sein Amt niederlegenund endlich seiner Sicherheit wegen das Königreich verlassen. Er lebte seitdem inder Dunkelheit von den geringen Überresten seines einst ungeheuern Vermögens,besuchte mehre Lander und starb 1129 zu Venedig , immer noch mit großerfPlanenbeschäftigt und vollkommen von der Richtigkeit seines Systems überzeugt, dessenMißlmcen in Frankreich er bloß den Gegenwirkungen seiner Feinde zuschrieb. Auchhat es ihm nicht an geistreichen Vertheidigern gefehlt, wiewol die allgemeine Mei-nung dahin geht, daß jenes System auf durchaus unstatthaften Grundsätzen be-ruhte. Die gründlichste Darstellung desselben, hat Ganilh in seinem „bX?ai zu, Isr<n>-„u j>ul>lw" gegeben. S. I. Ph. Wood 8 „älemoirr ol lbc lilo ot ck. I.avr"(Edinb. utid Lond. 1826).
Lawrence (Sir Thomas), Portraitmaler, Präsident der königl. Kunst-akademie in London , geb. zu Bath um 1168, bildete sich anfänglich >n seiner Va-terstadt aus, bis er später nach London ging, wo Reynolds(s.d.) sein Musterward. Die von ihm gemalten Bildniße der Familie Kemble, besonders sein Bild-niß der großen Sitdons, machten Aufsehen. Die Akademiker verfolgten ihn an-fänglich- wie man aus Peter Pindar's Satyren sieht; aber sein Ruf stieg bald sosehr, daß man in allen Ausstellungen seine Bilder suchte. Seit 1800 machte ersich besonders bekannt durch seine Bildnisse des Lords Thurlow, Erskine's, Mackin-tosh's und der verstorb. Königin Karoline als Prinzessin v. Wales nebst ihrer Toch-ter. Eine Scene aus Shaklpeare'S „Sturm", ein großes Bild, dem man gute Er-findung und gelungenes Colorit nachrühmt, ist gleichfalls aus jener Zeit, doch hatsich L. in diesem Fache, da die Historienmalerei in England bis in die neueste Zeit