Band 
Sechster Band. K bis L.
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Livia Drusilla

trn, indem er die Talente dieses großen Staatsmannes und Redners im Cabinetund im Unterhause für unentbehrlich erklärte. Seitdem leiteten Beide einstimmigdie britische Politik» und zwar weniger abhängig, als Lord Lvndonderry gewesenwar, von der Politik des Continents. Man sah dies aus mehren Reden des LordsL. im Oberhause. So sprach er sich (im Jan. 1824) sehr freimüthig gegen das Sy-stem der bewaffneten Dazwischenkunft in deni spanischen Feldzuge 1823, und fürdas Princip der Nationalutiabhängigkeit aus; jedoch bemerkte er, daß es unter denvorwaltenden Umständen die Obliegenheit der spanischen Gewalkhabergewesen wäre,wasauch England ihnen gerathen habe, durch Abänderungen in der Verfassung dieHand zur Ausgleichung zu bieten. In Ansehung der neuen Regierungen im spa-nischen Amerika behauptete Lord L. Englands Recht, seinem eignen Interesse ge-mäß, die Unabhängigkeit jener Staaten anzuerkennen und sich jedem Beistande,den dieEonkinentalmächte der spanischen Regierung zur Unterwerfung derColonienleisten mochten, zu widersetzen. Übrigens äußerte er (den 15. März 1824), daßer den Gedanken an eine Wiedereroberung der Eoloinen durch Spanien für eitelhalte, und daß Großbritannien an einem Congreß der europäischen Mächte, wennje einer wegen der amerikanischenColonieu gehalten werden sollte, nichtAntheilneh-men werde. Auch in den neuesten Beschlüssen der britischen Regierung wegenmenschlicher Behandlung der Sklaven und wegen Verbesserung des ZustandeSvonIrland hat L. seinen gerechten und menschenfreundlichen Charakter bewährt. ImFebr. 1821 machte ihn ein Schlagfluß zu fernerer Geschäftsführung unfähig.Hieraus übertrug der König Herrn Canning, den er zum ersten Lord der Schatz-kammer, an L.'s Stelle, erhob, die Bildung des neuen Ministeriums. Sämmt-liche Tories gaben ihre stellen im bisherigen Ministerium auf, und Canning ver-einigte sich mit den Häuptern der Whigs, woraus am 12. April und im Mai 1821die Bildung eines Whigministeriums zu Stande kam. L. starb den 4. Dec. 1828aufs. Landsitze Combewood. Er hinterließ 30,000 Pf. erworbenes und 90.000Pf. ererbtes Vermögen. Sein Erbe ist der jetzige Graf v> Liverpool . 20.

Livia Drusilla , Gemahlin desKaiscrS Augustus, Tochter des LiviuSDrusuS ClaudianuS, der in der Schlacht bei Philippi, an der Seite des Brutus und Cassius, sein Leben verlor. Sie war zuerst an Tiberius Claudius Nero ver-heirathet, von dem sie 2 Söhne, Drusus und Tiberius , hakte. Als sie mit ih-rem Gemahle vor demTriumvir Octavian nach Stellten floh, wäre sie beinahe indie Gefangenschaft ihres nachherigen Gemahls gerathen. Von da begab sie sichmit ihrem Sohne nach Achaia zum Antonius und zog, als ihr Gemahl mit Au-gustus ausgesöhnt war, wieder nach Rom . Hier wußte sie durch die Reize ihresKörpers und ihresGeisteSden Triumvirdergestalt zu fesseln daß er leidenschaftlichin sie verliebt wurde, sich von seiner Gemahlin Scribonia scheiden ließ, um sie zuheirathen, und sie ihrem Gemahle im I. Roms 115 schwanger entriß. Livia wußte die Herrschaft über das Herz ihres neuen Gemahls zur Erreichung ihrer ehr-geizigen Absichten vollkommen zu benutzen. Zu diesen gehörte die Erhebung einesihrer Söhne zum Nachfolger im Reiche. Daher wurde auf ihr Anstiften Julia,die einzige Tochter des Augustus, verbannt. Auch schreiben ihr die alten Schrift-steller fast durchgängig den Tod des jungen Marccllns, des Lucius Cäsar und dieVerbannung des Agnppa PosthumuS zu Da AugustuS jetzt keinen nähern An-verwandten mehr hatte, so gab er ihren Bitten zu Gunsten des Tiberius nach.ImTestamente des Kaisers wurde Livia zur ersten Erbin eingesetzt, in das julischeGeschlechtaufgenommen und mit dem Namen Augusta beehrt; auch ward sie zurOberpriesterin in deut Tempel des vergötterten Augustus erwählt, und ihr zu Eh-ren vieleMünzen geschlagen. Tiberius aber bewies sich sehr undankbar gegen seineMutter, der er Alles zu verdanken hatte, und wollte nicht gestatten, daß der Se-nat ihr noch mehre Ehrenbezeigungen zuerkannte. Indessen setzte er öffentlich die