Band 
Neunter Band. R bis Schu.
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Recepisse Receptirkunst 55

die noch bestehendenGoltinger gelehrten Zsnzeigen"; ferner dieAllgemeine Lite-raturzeilung", dieLeipz. Literaturzeitung", die HeidelbergerJahrbücher", diewienerJahrbücher" und derHermes". Ein neueres kritisches Institut ist dasberliner, von Cotta seit 1827 verlegteJahrbuch für wissenschaftliche Kritik".Die neueste» Erscheinungen der Literatur des In- und Auslandes umfassen, mit vor-züglicher Rücksicht auf Leser von allgemeiner Bildung, die von dem verst. BrockhauSgegründetenBlätter für literarische Unterhaltung". Im Allgemeinen zeichnensich die gelehrten Blätter der Briten durch ein bestimmtes, tiefeindringendes Urtheilaus, wiewol man dabei, um es richtig zu würdigen, den Einfluß des auch hier oftnur zu thätigen politischen PartetgeisteS auszuscheiden suchen muß; die kritischenZeitschriften der Franzosen empfehlen sich durch treffende und klare Würdigung desZweckmäßigen; und die der Italiener durch schaiffsinnige Zergliederung; doch klebtallen eine gewisse Einseitigkeit an, von der fast nur der Deutsche bei seiner Universali-tät unk Gründlichkeit frei ist/ wenn ihnnichtetwa ein herrschendes System einnimmt.Man hat bäufig die Frage aufgeworfen: Soll der Recensent sich nennen? Wirglauben: Nein; denn nur die Sache soll ihm gelten, wie dem Leser. Das Urtheilmuß sich selbst rechtfertigen. Nennt er sich, so ist sein Urtheil, auch wenn er es nichtwill noch glaubt, befangen; dem Leser aber ist manchmal mit dem gelehrten Unmuthdes ungenannte» Recensenten mehr gedient als mit dem höflichen Berichte eines sichnennenden Lobpretsers. Nur müssen dann die Redactionen kritischer Journale sichvorsehen, daß nicht ihr Recensent in mehren Journalen dasselbe liter. Product beur-theilt, wodurch seine liter. Stimme bei dem großen Publicum ein zu großes Über-gewicht aus ungerecbtem Wege erhalten kann. Als eine Ausartung des Recensions-wesens ist die Vermischung desselben mit den Untei Haltungsblättern zu betrachten,obgleich einige derselben oft sehr geistreiche Recensionen liefern. X.

Recepisse, Enipsangschein, eine kurze schriftliche Bescheinigung, wel-che der Empfänger dem Überbringer wegen richtiger Abgabe einer Sache von Wich-tigkeit auszustellen pflegt. Insbesondere werden auch die Scheine, welche dieamsterdamer Bank für eingelegte Gelder oder Effecten ausstellt, Recepisse» ge-nannt. >Se führen den Namen der Geldsorten, auf welche sie lauten, können anJedermann, jedoch nur nach gewissen Formen veräußert werden, und da sie baarGeld vorstellen und der rechtmäßige Besitzer dieses stets dafür beider Bank (gegen4 oder j Proc. Abzug für die Aufbewahrung ' erhalten kann, so ist ihr Preis auchallen Veränderungen der Geldsorten unterworfen, aufweiche sie lauten. Werdensie tz Monare nach ihrer Ausstellung nicht erneuert, so werden die eingezahltenSummen nicht mehr in »-ttiirs zurückgegeben, sondern es wird der Werth nachBankgeld berechnet und baar bezahlt.

Receptirkunst. Die Kunst, Recepte (von m>> kee., IZeoipe, nimm,das den lat. Recepten vorausgesetzt wird) zu schreiben, ist ein Theil der PraktischenMedicin. Es wird in derselben jedoch weder die Wirkungsart der Mittel, nochdie Krankheit, in der sie nützlich sind, sondern bloß die Art und Weise, dieselbenzu verschreiben, gelehrt, und alle jene Kenntnisse werden als bekannt vorausge-setzt. In ältern Zeiten umfaßte sie die Pharmacie mit, weil ein jeder Arzt selbstdispensirte; daher denn auch die Bereitung der zusammengesetzten Arzneimittel,die ;etzt in den Apotheken schon vorrätlug sind, hier vorgetragen wurde., Die Re-cepte, 'Arzneiformeln (daker die Receptirkunst auch wolFormulare genannt wird)oder Arzneivorschriften, werden bei uns gewöhnlich in lat. Sprache abgefaßt, weildiese Sprache allgemeiner verbreitet ist als irgend eine andre, und lateinisch ge-schriebene Recepte daher in Rußland sowol als in Italien und Portugal bereitetwerden können ; weil die Terminologie derselben viel bestimmter ist als in irgendeine: andern Sprache (in der deutschen z. B. wird manches Kraut in jeder Provinzandtrs benannt); ferner weil sie viel kürzer als andre, und endlich es in vielen Fällen