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Reformation (Folgen der)
legt« , und der Ablaß oder die Indulgenzen, wodurch man sie ihnen für gute DerZahlung wieder abnahm; die Wallfahrten, zu denen Schare» trosibcdürstiger Laiensich verbanden, um diesen Erlaß bei Gnadenbildern zu suchen und sich gemein-schaftlichen Ausschweifungen zu ergeben. Indem die Reformatoren diese Miß-brauche, die die Sündenvergebung in den Augen des Volks für Gelt feil machten,gänzlich abstellten, entrissen sie der Unsiltlichkeit den Schuh gesetzlicher Duldung,und leiteten die Bußfertigen an , dasHeil ihrer Versöhnung mit Gott allein durchGlauben und neuen Gehoi sam zu suchen. Und da sie nun auch jene finstere Ascetik— die unmenschlichen Selbstpeinigungen, abstumpfende Einsamkeit, Armuth,Blöße, Schmutz, Hunger und Elend, ja selbst privüegiite Bettelei und Müßig-gang für gottgefällige Dienste und Stufen zur höchsten Vollkommenheit ausgab —in ihrer Schädlichkeit darstellten; da sie die Klöster öffneten, Mönche und Nonnenihrer Gelübde entließen und den Lehrern der Religion die Ehe erlaubten: wurdenmit einem Schlage dre Werkstätten des Aberglaubens, die Hauptsitze sininmerSünden und verborgener Gräuel, zerstört, eine Menge verkümmerter Geschöpfe be-freit und der Menschheit wiedergegeben, und die einhelligen Flammen einer Brunst,die tausend reichbegabte Naturen schmählich verzehrt, oder sich durch Verführungder Unschuld gesättigt hatte, in die Schianken rechtmäßiger Neigung zurnckg,führtund in Beförderungsmittel des Fanulienglücks verwandelt. So haben die Refor-matoren durch Aufhebung des EölibatS und der Klöster die Natur wieder in dreRechte eingesetzt, die sie zu einer Pflegerin der Sittlichkeit machen. Daß sie derEhe (s. d.) die ihr aufgedrungene sacramentalische Unauflörlici kcit nahmen undfür gewisse Fälle Scheidung gestatteten, war nur eine Maßregel zur Sicherstellungpersönlicher Rechte, die der Würde des Ehestandes nie nachtheilig werden konnte,hätte nicht der Leichtsinn des gegenwärtigen Geschlechts jene ursprünglich sehr ein-geschränkte Erlaubniß gemißbraucht. —Was aber, nächst der Beseitigung solcher inder alten Kirche gehegten Hindernisse der Moralität, das Verdienst der Reforma-tion um die Sitten in das hellste Licht gestellt, ist die Thatsache, daß sie den genauenZusammenhang der Religion mit dem täglichen Leben znr Anerkennung gebracht,reinere Beweggründe des Handelns gegeben, imd bas sittliche Gefühl, dessen Werksie selbst war, bei den protestantischen Völkern — ohnehin den ernsihaftern undgediegenern — zu einer Begeisterung angefacht hat, die in allen Zweige» des öffent-lichen und häuslichen Lebens herrliche Früchte trug. Nicht nur gingen die Refor-matoren selbst mit den edelsten Beispielen moralischer Würde und Pflichttreuevoran, auch unter ihren Anhänge! » erzeugte die Kraft des Evangeliums und dieKenntniß, die jeder Stand von seinen Pflichten erhielt, jene Rechtlichkeit, Zuchtund Selbstbeherrschung, die überall, wo der Proiestaniiemus obsiegte, dem gesell-schaftlichen Leben eine bessere Gestalt gab. Aus Gott und den Richter im eignenInnern zurückgewiesen, erhoben sich die von, Zwange menschlichen'Ansehens befrei-ten Gemüther zu der Gewissenhaftigkeit, welche der Grundcharakter des wahrenProtestantismus ist. Die Redlichkeit und der Edelsinn der evangel. Fürst-n be-schämte dir Arglist der römischen Politik. Ein Heldenmuts), der für die Sache derWakrheit alles Irdische aufzuopfern wußte, eine Standhaftigkeit im Bekenntnissedes Glaubens, eine Freudigkeit unter' den härtesten Drangsalen, eine Zuversicht undFass'ng im Tode, deren Beispiele die Welk mir Bewunderung sah, zeigte sich unterHohen und Niedern. Im ersten Schwünge dieses Heldensinns wurden Thaten ge-than und Tugenden ausgeübt, die an den Geist der Apostel und ersten christlichenMärryrer erinnerten. Die spanischen InguisitionSgerichte, die in den Niederlan-den gegen die Evangelischen wütheten , sahe» sich bewogen, von öffentlichen zu ge-heimen Hinrichtungen überzugehen, um dem Volke den Anblick der Seelengrößeihrer Schlachtopfer zu entziehen. — Auf dieser Höhe konnte nun freilich die sittlicheStimmung der Protestanten nicht lange bleiben, schon manche der ersten harren