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Neunter Band. R bis Schu.
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Refonnirte Kirche

wickelt ward, verhärtete er sich in seiner Meinung immer mehr, und übersah, daßer zugleich ein« Erklärungsart geltendmachte, die, auf andre Stellen der heiligenSchrift folgerecht angewendet, auch andre Glaubenslehren, selbst wesentlicheGrundlehren des Evangeliums, in ein falsches List > stellen oder gänzlich vernichtenmeiste, daß er ein Allegorischen einführte, welches der einfachen Schriftlehreganz entgegen war und den Glaube» in seinen Grundfesten erschütterte. SeineAbentmahlslehre, die sich Vielen empfahl und scharfsinnig vertheidigt wurde, er-hob noch weit mehr, als im Lutherischen Lehrbegriffe der Fall war, das Erkennenüber den Glauben, und machte in der rcsormirten Kirche diese Richtung, die imFortgang« der Zeit das demüthige Leben im Glauben immer mehr beengte undtrübte, recht eigentlich vorherrschend. Auf gleiche Weise, wie Zwingst folgert,daß, weil er den Nutzen der leiblichen Gegenwart Nicht begreife, diese Lehre über-haupt unstatthaft sei; so ward nun überhaupt aus diesem Standpunkt über dieGlaubenswahrheiten entschieden und die Überzeugung von denselben vornehmlichan das Erkennen gebunden. Wie nun selbst das Wesen des SacramentS unter«inen Gesichtspunkt gestellt war, der dasselbe fast auflöste, so mußten überhauptauch alle heilige Gebräuche an ihrer Bedeutung verlieren. Der ganze Gottesdienst,am meisten nur auf die religiöse Erkenntniß, viel weniger auf die Belebung des reli-giösen Gefühls, auf die Erhebung über die Schranken der Erkenntniß, auf eigent-liche Erbauung gerichtet, ward daher auf eine Weise vereinfacht, die der stillenBetrakdtung am meisten Raum zu geben schien, ohne die tiefern Ansprüche desGemüths zu berücksichtigen. Eben durch die Verwandlung des:das ist meinLeib!" in ein:das bedeutet" ward die tiefste, innerste Bedeutsamkeit des Sa-kraments und der religiösen Gebräuche überhaupt entkräftet und jeder Willkürder Deutung unbeschränkter Raum gegeben. So stellte dem Geiste des ursprüng-lichen Protestantismus, deni Geiste gesetzlicher Freibeit, in der Schweizerlehre sichschon früh der Geist der Willkür zur Seite, vorbcteuiend die Verirrungen desspätern Protestantismus . Zwingli sprach seine Abendmahlslehre (achtem ersie bereits in einem wider seinen Willen bekanntgewordenen Briefe vom 16. Nov. l1524 mitgetheilt hatte) öffentlich zuerst in seinem Werke von der wahren undfalschen Religion (Lonimeiitainui ile veiii et üilsi, liüiginiw") 1526 aus,worin er auch schon seine Überzeugung von andern Lehren aus ähnlichen Grund-sätzen entwickelte, und darauf in mehren Streitschriften, die er mit Luther und A.wechselte. Ost sah er sich veranlaßt, seine Lehre weiter zu begründen und zu be-festigen, und mit seinem nie rastenden Weiterforschen, mit dem ihm eignen Scharf-sinn und einer eindringenden Beredtsamkcit gelang es ihm, seine Ansicht zu einemdogmatischen Ansehen in seiner Gemeinde zu erheben. Dasselbe Dogma fand aberauch außerhalb der Schweiz so vielen Beifall, daß in mehren Ländern, die von demPapstthum sich abwendeten, die Schweizerlehre die herrschende ivard. Doch wares zunächst nur die Übereinstimmung in der Abendmahlslehre, und überhaupt inder den evangel. Schweizergemeinden eigenthümlichen Richtung auf eine Derstan-deSreliaion, was die sogenannten reforniirten Gemeinden andrer Länder unter ein-ander und mit den Schweizern zu einer Gemeinschaft verband, die man die refor-Niirte Kirche genannt hat. Denn eine wahrhafte Übereinstimmung in der Lehr«und in den kirchlichen Verhältnissen, eine innigere Verbindung in einem Genre desGlaubens, auch durch gemeinsame, von Allen anerkannte Bekenntnißschriften ver-mittelt, ward in diesen Gemeinden nie so bewirkt wie in der römischen und derevangelisch-lutherischen Kirche, weßhalb auch der Ausdruckrcformirte Kirche^ nursehr nneigentlich Gültigkeit haben, und eigentlich nur von reforniirten Gemeindendie Rede sein kann. Denn früh schon spalteten sich die evangel. Gemeinden, diesich zu Zwingli'S Lehre neigten, auf mannigfache Weise, und eine vollkommeneEinigung ist nie bewirkt weiden. Zwingli selbst lebte zu kurze Zeit, als daß er