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Richter (Jean Paul Friedrich)
hänglichkeit an die Charte, obgleich er den realistischen Ansichten derselben geneig-ter sein mußte als denen der Liberalen. Er war der königl. Ordonnanz vom 5.Sept. 1818 (wodurch die Ullraroyalisten-Kammer von 1815 aufgelöst wurde)und dem Wahlgesetze, das den Triumph der Liberalen begründet hat, wenigstensnicht entgegen. Um den Rückzug der verbündeten Heere aus Frankreich zu beschleu-nigen, sowie die rückständigen Zahlungen Frankreichs zu reguliren, begab ersich auf den Congreß zu Aachen (1818), erlangte Nachlaß und Stundung in An-sehung der letztem, und unterzeichnete daselbst de» Zutrity Frankreichs zu dem gro-ßen Bunde der europäischen Hauptmächte, sowie die feierliche Erklärung dieseraachner Oumtupleallianz vom 15. Nov. 1818, daß forthin nur das Völkerrechtder leüende Grundsatz der Staaiskunst in der Erfüllung der Pflichten der Regentengegen ihre Volker sein solle. Dessenungeachtet gewann er daselbst andre An-sichten von der innern Verwaltung Frankreichs und trat nach seiner Rückkehr ganzentschieden aufdie Seite der Ultras, für welche sich auch der Minister des Innern,Lainö, und der Minister Mole erklärten. Sie beabsichtigten eine Abänderung desWahlgesetzes durch '2 Wahlzrade, sowie in der Zahl und dem Alter der Abgeordne-ten; mit Einem Worte: ein die Aristokratie begünstigendes Wahlgesetz, im (Ni-ste der Ordonnanz vom 13. Juli 1815. Allein DecazeS und Gouvion St.-Cyrwidersetzten sich im Mmisterrathe jenen Vorschlagen, und der Erstere erklärte, daßer nicht für die öffentliche Ruhe stehen könne, wen» man sich im Geringsten von derCharte entferne. In Folge des darüber entstandenen SireitS verließe» Beide nebstPaSquier das Ministerium. Die Ultras schienen gesiegt zu haben, und R. dachtean die Bildung eines neuen ganz ultraroyalistischen Ministeriums. Darüber ent-stand eine allgemeine Bestürzung. Die meisten Staatsräthe und Directvren dereinzelnen Verwaltungsziveige gaben ihre Entlassung. Die Mehrzahl der Abgeord-neten mißbilligte Richelieu'S Plane. Das Zutrauen verschwand, und die Rentenfielen. Dies öffnete dem Könige die Augen. DecazeS wurde eingeladen, das Por-tefeuille wieder zu übernehmen. Er that dies, und sogleich stiegen die Renten.Als hieraufDecazeS und Richelieu sich über die Bildung eines neuen Ministeriumsnicht vereinigen konnten, gab R. seine Entlassung, und nach langem Schwankenentschied sich der König den 20. Dec. 1818 für die von DecazeS vorgeschlageneBildung eines neuen Ministeriums, das im (Niste der Constitutionellen zusam-mengesetzt war, und wodurch der Sieg der Liberalen über die Ultras entschiedenschien. Der König entließ den Herzog v. Richelieu mit den Zeichen der höchstenAchtung, und in der Pairskammer machte der Graf de Lallv-Tolendal den Vor-schlag, dem Herzoge als eine Nationalbelohnung ein Majorat von 50,000 Fr.jährl.Eink. aus den Domainen der Krone zu bewilligen. Auch in der Kammer der Ab-geordneten ging dieser Vorschlag mit einigen ermäßigenden Zusätzen durch. R.. deranfangs nicht wünschte, daß seinetwegen Etwas zu den Lasten der Nation hinzu-gefügtm'ürde, war zwar genöthigt, das Geschenk anzunehmen, bestimmte aber denganzen Betrag milden Stiftungen zu Bordeaux : eine Handlung der Uneigennützig-keit, welche die rühmlichste Auszeichnung verdient. — Er machte hierauf eine Reiseund erhielt vom Konig das Oberjägermeistcramt mit 20,000 Fr. Gehalt. Dochschon den 20. Febr. 1820 trat er wieder a -die spitze des Ministeriums, an Deca-zeg's Stelle, übernahm aber kein besonderes Departement. Als solcher berief erVillöle und Corbiöre ins Ministerium und unterstützte die Ausnahmegesetze sowiedas neue Wahlgesetz. Im Dec. 1821 nahm er seine Entlassung und starb d. 17.Mai 1822 zu Paris . R. war bescheiden, loyal, uneigennützig. Er hinterließ nur13.000 Fr. Renten. Als Pair und Herzog von Richelieu folgte ihm s. SchwesterSohn Odet de Iumilhac, dem der Konig ein Majorat gab. Vgl. „Zeitgen.", H.XlX, und des Cardinals Beauffet „chlore Iiiiitur. ,Io dl. cle Ilicchelieu".
Richter (Jean Paul Friedrich). Dieser geniale deutsche Humorist war am