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Neunter Band. R bis Schu.
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Rochefoucauld (Familie) 343

nmg der Marseille von Frankreich (1679), ü» die Taschen des Königs, um dieListe zu sehen, und als sie den Namen des Herzogs de Niconne, ihres Bruders, nichtdarauf fand, brach sie in Vorwürfe aus und ließ nicht eher ab, bis ihm der Königden Marschallstab verlieh. Sie liebte den König nach Launen, aber noch mehr dasGeld. Ihre Phantasien veranlaßten ihn zu großen und unnützen Ausgaben. Aberallmälig entfernten ihn ihre Herrschsucht und ihr Eigensinn von ihr. „Sie hatte",sagt Madame de Genlis , „Falschheit im Charakter und Natürlichkeit im Verstände.Frei von Empfindsamkeit, aber der Begeisterung unterworfen, liebte sie mit Leiden-schaft, oder sie liebte gar nicht; Alles, was glänzte, schien ihr groß; Ehrenbezei-gungen nahm sie für Ruhm; sie hatte tiefe Entwürfe und kindische Beweggründe;zugleich unersättlich und leichtsinnig in ihren Wünschen, wollte sie herrschen, nicht,um wirklich zu leiten und zu regieren, sondern nur um sich sehen zu lassen". DieMontespan hatte die La Dalli re verdrängt und erfuhr durch die Herzogin de Fon-tanges und dann durch die Marquise de Maintenon dasselbe Schicksal. Ludwig XIV. befahl ihr 1880, den Hof zu verlassen; sie starb 1107, 66 I. alt, zu Bourbon,wo sie die Bäder gebrauchen wollte. In den letzten Jahren ihres Lebens sah sieaufden Verlust ihrer Gunst standhaft hin. Die Religion flößte ihr Empfindungender Reue und selbst der Demuth ein. Der Marquis de Montespan , an welchen sieoufVerlange» ihres Beichtvaters, des Paters de la Tour, schrieb, wollte nichts vonihr wissen; indeß trauerte sie dennoch um seinen Tod wie eine Witwe. Nach undnach widmete sie sich ganz den Armen, arbeitete für sie mehre Stunden des Tagesund ließ ihre weibliche Dienerschaft für sie arbeiten. Ihre mit Überfluß verseheneTafel ward einfacher; sie vermehrte ihre Fasten und Gebete. Ihre Büßungcnwaren anhaltend; doch konnte sie das Äußere einer Königin nicht verläugnen. Siehatte i» ihrem Zunmer einen einzigen Armstuhl, wo sie die Huldigungen der Gro-ßen, der Prinzen und Prinzessinnen empfing, ohne ihnen das Geleite zu geben.Reize, die ihr eigen waren, erhöht durch seine Höflichkeit und treffende Spüle desWitzes, milderte», was ihr Hocbmuth Hartes haben konnte. Sie erhielt ihre Schön-heit und Gesundheit bis zu den letzten Tagen; indeß glaubte sie immer, sie sei krank.Diese Unruhe unterhielt in ihr den Geschmack am Reisen. Das letzte Mal, als sienach Bourbon ging, bezahlte sie auf 2 Jahre die Pensionen ihrer Mildthätigkeit,weil sie überzeugt war, daß sie nicht zurückkommen würde. Sie hatte von ihren»Gemahl einen Sohn, der u. d. N. Herzog von Antin bekannt ist, und dessen Nach-kommenschaft 1757 in seinem Enkel endigte. ,chlem. de iU-ck. la blarg. cke lUon-teszx,»" (Paris 1829, 2 Bde.). ölx.

Rochefoucauld . Diese Familie zählt seit dem II. Jahrh, in Kriegs-und Staatsdiensten, sowie im gelehrten und. im geistlichen Stande ausgezeichneteMitglieder. 1)Franeois VI., Herzog v. La Rochefoucauld , Prinz v.Marsillac,geb. 1603, war durch Geist und Tapferkeit eine Zierde des franz. Hofs. SeineVerbindung mit der berühmten Herzogin v. Longueville bewog ihn, sich in die -Strei-tigkeiten der Fronde zu mischen, wobei er in einem Gefechte beinahe für immer dasGesicht verloren bätke. Nach diesen Unruhen gab er sich ganz den Freuden der Lite-ratur und der Gesellschaft hin. Sein Haus wurde der Vereinigungspunkt der aus-gezeichnetsten Köpfe jener Zeit; hier fanden sich Racine, Boileau, Mad. de se-vignä, Mad.de la Fayette zusammen. Er starb 1680. Man hat von ihm: „älü-»uiiiez N !u rc-iwncc ck ,Iiii><- ü'.lutricbe", und die in alle Sprachen (ins Deut-sche von Friedr. Schulz und Baron v. Maltiz) übers. „Uellexioiui nu 5c,>tc,wes etn,->Gi „>5 l<-,G. Der Hauptgedanke, daß Eigenliebe dieTriebfederaller mensch-

lichen Handlungen sei, ist auf eine höchst geist - und sinnreiche Art so mannigfaltiggewendet und dargestellt, und das Ganze wie alles Einzelne zeugt von einer so feinenMenschcnbeobachtung, daß man diese Sammlung immer gern lesen wird, wennman auch den Grundsatz derselben als allgemeinem Satz nicht annehmen kann. —