Band 
Neunter Band. R bis Schu.
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759
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Schiller 752

fein philosophisch-historischen UntersuchungSgeiste ein« lebendige Darstellung undglänzende Schreibart. In diese Zeit der historischen Forschungen gehört auch seincomplicirteS Werk:Geschichte der merkwürdigsten Revolutionen und Verschwörrunqen", wovon ebenfalls nur ein Bd. erschien. Seine bekannteFreigeistern der Lei-denschaft" (welche aber, wie so manche s. andern Gedichte, durch später« Änderumgen und Abkürzungen sehr an ihrem ursprünglichen Charakter verlor) schrieb er umdieselbe Zeit. Wie jeder mit reicher Fülle des Geistes und Gemüthes begabte Mensch,der früher den G'.nuß des Lebens hat entbehren müssen, oder dem er durch Zwangvergällt worden, sehte auch S., da ihm die Freiheit zuTheil worden, den Becherder Freude an die empfänglichen Lippen und leerte ihn oft und gern in glühendenZügen. Aber seine Freuden waren genialisch und edel wie er selbst. Gern mochte ersein allem Großen und Schönen geweihtes Herz dem Gleichgesinnten öffnen und imAustausch der verwandten Gefühle s. Dasein vervielfachen. Das Erhabene, da-schauerlich und würdig Begeisternde sprach ihn nrächtig an. Seinen Studien undkleinen Arbeiten waren die Nächte vorzüglich gewidmet. Wenn das verworrene undverwirrende Treiben der Außenwelt schwieg, dann sprach der Genius vernehmlicherund klarer zu ihm. Mit der verlöschenden Fackel des Tages entzündete sich dieFlannnrs. Begeisterung, und oft brach die Morgenröthe an, ohne daß noch 2. des Schlafs ge-nassen hatte. In Dresden und in dem nahgelegenen Dorfe Loschwitz , in dem Wein»bergShaicke s. Freundes, des damaligen AppellationSrathes Körner, vollendete S.feinenDon Carlos" (1. A-, Lpz. 1787), welcher, obgleich immer ein Werk, dasschon allein den Namen des Vers. bei der Nachwelt verherrlichen würde, doch nichtden Grad von Vollendung erhielt, welchen er erlangt hätte, wenn S. seinenuriprüng-lichen Ideen gefolgt wäre. Er selbst sagt in dieser Hinsicht (in s.Briefen über DonCarlos"):Es kann mir begegnet sein, daß ich in den ersten Acten dieses Stück-andre Erwartungen erregt habe, als ich in den letzten erfüllte. St. Real'« Novelle,vielleicht auch meine eignen Äußerungen darüber im 1. Stücke derThalia", mögendem Leser einen Standpunkt angewiesen haben, aus dem es jetzt nicht mehr betrach-tet werden kann. Während der Zeit nämlich, daß ich es ausarbeitete, welches mehrrer Unterbrechungen wegen eine ziemlich lange Zeit war, hat sich in mir selbstVieles verändert. An den verschiedenen Schicksalen, die während dieser Zeit übermeine Art zu denken und zu empfinden ergangen sind, mußte nothwendig auch die-ses Werk Theil nehmen. Was mich zu Anfange vorzüglich in demselben gefesselthatte, that diese Wirkung in der Folge schon schwächer, und am Ende nur kaumnoch. Neue Ideen, die indeß bei mir aufkamen, verdrängten die frühern; Carlosselbst war in meiner Gunst gefallen, vielleicht aus keinem andern Grunde, als weilich ihm in Jahren zu weit vorauSgesprungen war, und aus der entgegengesetztenUrsache hatte Marquis Posa seinen Platz eingenommen. Der Hauptfehler war:ich hatte mich zu lange mit dem Stücke herumgetragen; ein dramatisches Werk aberkann und soll nur die Blüthe eines einzigen Sommers sein. Auch der Plan war fürdi« Grenzen und Regeln eines dramatischen Werks zu weitläufig angelegt. DieserPlan foderte z. B., daß Marquis Pola das uneingeschränkte Vertrauen PhilipPLdavontrug; aber zu dieser außerordentlichen Wirkung erlaubte mir die Ökonom»«dcS.Stücks nur eine Scene." Schiller wollte daher auch dieses Stück nicht für ein,Theaterstück gehalten wissen, obgleich cS mit dem größten Beifall auf der Bühneaufgenommen wurde und immer eine Z,erke derselben bleiben wird, wie vielfach,und oft ganz sinnlos es auch verstümmelt,worden ist. Er selbst nennt es in s. Brie»fe,rz an Dalberg ein.Familiengenialde aus einem königl. Hause. Wieland, der sehrscharf darüber urtheilt, fand in den Personen dieses Stücks nur idealische Phanta-siegeschöpfe, bei denen man doch die psychologische Wahrheit vermisse. Und in derThat sind in,diesem Stücke der Drang nach Anwendung philosophischer Ideen von.Freiheit und Kosmopolitismus, jsowie das Streben der Phantasie, den zeschicht»