Band 
Neunter Band. R bis Schu.
Seite
774
JPEG-Download
 

174

Schiacht, Schlachtordnung

Lebensart, der man für ,m Zeichen der Unschädlichkeit nehmen mochte. In einemschlechten Zimmer, das er nie verschloß und selten verließ, unter geringer Umgebung,<n zerrissener Kleidung und ohne Bedienung nahm er die zahlreichen Besuche an,die ihm täglich von Menschen aller Art und jedes Standes zukamen; sein ganzesWesen und Betragen zeigte gleich den Mann, der offen und gerade seinen rechtschaf-fenen Wandel verfolgt, nichts für sich will. nichts auf Nebenwegen herbeizuführensucht, der, ohne Ehrgeiz und sogar der Eitelk-it unzugänglich, keinerlei Einflüste-rungen anhören oder Ränke anzetteln kann. Weil er seine Gesinnungen und Mei-nungen nicht verhehlte, selbst den obg schickten Kundschaftern nicht, so konnten sienicht gefährlich dünken, un^ die Polizei, die mit dringendern Sachen beschäftigtwar, ließ ihn in Ruhe. Zehn Iabre lang verließ er sein Zimmer nicht, stets mitIde.-N bsschäfligl, .z. B. mit einer Sprachmaschine, welche die Laute einer Sprachetreu angeben sollte. Über s. Verbindung mit Reichardt und über die ihm beigeleg-ten Schriften s. in. dieAllgem. Zeitung", 1826, außerord. Beil. 5 Zu Nr. 252.Seine Einkünfte verwendete er, da er für sich fast gar nichts brauchte, meist ganzim Stillen zu wohlthätigen Zwecken, besonders für Landsleute, denn in fast 30jäh-rig-r Abwesenheit blieb er em Teutscher, Preuße und Schlesier; auch wußte undkannte er Alles genau, was dort gemeint und gethan wurde. An die preuß. Kriegs-gefangenen in Frankreich ließ er mehrmals die größten Summen insgeheim verthei-len, und zwar in Zeiten, wo ihm der größte Theil seines Vermögens in Preußen,wegen feiner langen Abwesenheit, mit Beschlag belegt worden war, der ei st spä-ter wieder aufgehoben wurde. 1813 wollte er an der seinen heißesten Wünschenentsprechenden Begeisterung des preuß. Volks thätigen Theil rühmen und nachPreußen zurückkehren, allein böse Ränke wußten dies zu hintertreiben und er mußtein Pari« die Ereignisse abwarten. Aber auch von hür aus wußte sein vaterländi-scher Eifer so herrlich auf die Heimath zu wirken, daß der König steh bewogen sich,ihm das eiserne Kreuz zu verleihen. Die Wiederkehr Napoleons im folg. Jahrehinderte ihn abermals, Paris zu verlassen. Er starb daselbst den 22. Aug. 1824.Man gab ihm die von ihm selbst verfaßte Grabschrift:(Avis aivitatcin genieren-ein olüil nelo^enini»»".

Schlacht, Schlachtordnung. Der Kriegszweck kann im Felde aufzweifache Art erreicht werden. Entweder die eine Partei nöthigt den Gegner durchstrategische Operationen, Märsche, Stellungen, Demonstrationen, das Feld zu räu-men undaufsine Vortheile zu verzichten, oder die gcgeneinanderwogenden Lttreit-niassen nähern sich so, daß (beabsichtigt oder zufällig) ein Anstoß unvermeidlich wird.Nun muß durch Kampf sich entscheiden, wer im Vortheil, wer im Nachtheil blei-ben soll, und den Moment der Entscheidung führt die Schla cht herbei. DerAusdruck: Offensiv- oder Defensi vschla ch t, ist relativ und erklärt sich vonselbst. Man wog sonst häufiger die Worte und suchte den Unterschied zwischenSchlacht, Gesicht, Treffen, Scharmützel u. dgl. bald nach der Anzahl der in Thä-tigkeit gesetzten Kräfte, bald nach dem Zwecke, nach dem Resultate oder sonstigenZufälligkeiten zu bestimmen; allein diese Begriffe lassen sich ihrer Natur noch nichtstreng sondern. Wo nicht ein zufälliges Begegnen oder Aufeinandertreffen derStreitkräfte (Renccntre) stattfindet, pflegen beide Theile ihr Schlachtfeld inihre Berechnungen zuziehen, suchen einander die vortheihaftere Aufstellung abzu-gewinnen und alle zur Verwendung möglichen Mittel in diese Gegend zusammen-zuziehen. Es lassen sich dann 3 Momente jedesmal unterscheiden: Vorbereitung,Plan, Anordnung; der Kamps selbst, und die Entscheidung. 1. Mo-ment. Der Feldherr faßt seinen Gegner schärfer ins Auge, er recognoscirt, umdessen Stärke, Stellung, Absicht, die Ortlichkeiten des Schlachtfeldes zu erkennen,was oft, wenn Jener sein Spiel zu verstecken für gut findet, zu Scharmützeln undkleinen Gefechten führt, um ihn aufzuscheuchen, hervorzulocken, Gefangene zu ma-