Band 
Neunter Band. R bis Schu.
Seite
803
JPEG-Download
 

803

Schlosser (Friedrich Christoph)

die höhere Welt beobachten lernte und für sich Philosophie aus Plato und Kant stu-dirte; dabei setzte er das Studium der Reisebeschreibung fort. 1798 gab S. diesesVerhältnis; auf, um in s. Daterlande ein Pfarramt zu erlangen, und «ei sah einst-weilen die Stelle eines Predigers auf dem Lande. Als nach 6 Monaten kein Amtsich zeigte, wollte er s. Glück in Rußland suchen. Allein der russische Gesandte inHamburg (damals in Altona ) verweigerte ihm den Paß; er nahm daher in Orh-marschen bei Altona eine kleine HauSlehr'erstelle an, in welcher er Kant, Fichte,Schelling, d'en Thucydides, den EuripideS und die Metrik zu studiren Muße fand.1800 erhielt er eine HauSlehrcrstclle bei einem reichen Kaufmann in Frankfurt a.M.Hier setzte er s. classischen und historischen >Ltudien fort, las den Aristoteles und dieScholastiker, beschäftigte sich viel mit Chemie und Botanik, benutzte die Stadt-bibliothek zur Abfassung eines aus den Quellen unmittelbar geschöpftenLeitfadensder Geschichte" und hatte vielfache Gelegenheit, in den Kriegsjahren das Getreideder Wellbegebenheiten anschaulich kennen zu lernen, sowie durch den vertrautenUmgang mit interessanten Menschen sein todtes Wissen zu beleben. Er gab jetzt(1806) den Gedanken an ein Pfarramt auf und wollte sich durch eine Übersetzungund Erläuterung der entstellten Lchrift des Aristoteles!)e >>!iinii>i" in die Gelehr-tenrepublik einführen. Gurlitt und S chneider riechen zur Herausgabe; allein siegenügte ihm nicht. Nun arbeitete er die SchriftAbälard und Dulcin" aus(Goiha 1807); hieraufDas Leben Bezas und Peter Martyr " (Heidelb. 1809),wozu ihm Loffler aus der herzogl. Bibliochekzu Gocha die handschriftlichen Briefeder schweizer und franz. Reformatoren mittheilte. Unterdessen war er Ostern 1808als Conrecior an die Schule zu Iever berufen worden. Dieses Amt unterbrachs. historischen Studien. Er legte es daher nieder und ging 1809 nach Frankfurt zurück. Hier übernahm er einige Lehrsiiinden am Gymnasium, entwarf s.Ge-schichte der bilderstürmenden Kaiser des ostrbmischen Reichs" (Franks, a. M. 1812),studirte zugleich die Geschichte und Literatur des 18. Jahrh, und schrieb Recens. fürdieJen..-Zeit." (;. B. von NeanderSJulian") und für dieHeidelb. Iahrb."(z. B. von Grimm'sLurrespeni-Iane,", und seitdem mehre von bleibendemWerthe). MicaußerordentlichemFleißelaSeralleSchriften, dieihn indasInnereder Welt und Zeit einführen konnten. Dabei setzte er den Unterricht in der Families. Freundes fort, dessen älteste Kinder er früher (seit 1800) erzogen hatte. Der edleDalberg ernannte ihn 1812 zum Pros. der Geschichte und der Geschichte der Philo-sophie bei dem neuerrichteten Lyceum in Frankfurt ; er lehnte daher einen Ruf nachHeidelberg an Neanter'S Stelle ab. Für s. Vorlesungen gab er jetzt den 1. und2. Theil sWeltgeschichte in zusammenhängender Erzählung" heraus, ein aus demSchacht der Beweise selbst zu Tage gefordertes Werk, das, obwol in seiner Form< was die beiden ersten Theile betrifft minder anziehend, dennoch durch seinenInhalt gründlich belehrt. Des Z.DdS. 2.Thl., 2. Abtheil., geht bis auf die Zeitender Entstehung des Schweizerbundes (Franks, a. M. 181524). Eine 2. Aufl.der ersten Theile wird erwartet. Seitdem erschien der I.Bd. von s.Universalhistor.Übersicht der Geschichte der alten Welt und ihrer Cultur" in 3 Abtheil. (Frankfurt a.M. 1826fg.); der 2. Bd. in 2Abkh. und die 1. Abth. des 3. BdS. (bis aufAn-toninuS Pins) 1830. Nach der Auslösung des Fürst-Primatischen StaatS, 1814,ging das Lyceum ein. Senat und Bürgerschaft ernannten nun S. zum Stadt-bibliothekar; diese stelle begünstigte sein Quellenstudium, und der mit der altenund im Mittelpunkte des europäisch-deutschen Weltverkehrs auch mit der neuen Zeitinnig vertraut gewordene Mann erhielt dadurch die rechte Weihe zu einem Priesterder Geschichte.. wurde 1817 in Heidelberq Wilken'S Nachfolger. Vor Kurzemhat er die außerdem noch von ihm geführte Biblioihekdirection niedergelegt. Zurlebendigen Ausführung s. -Lkizie der Geschichte des 18. Jahrh, und der franz. Re-volution machte er auf eigne Kosten 1822 eine Reise nach Paris , wo er diebereit-

51 *