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Neunter Band. R bis Schu.
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Scholastiker

die Aufseher über Lyceen und Gymnasien. Gewöhnlich wird diese Würde vonden obersten Magistratspersonen und den ersten Geistlichen bekleidet. (Dgl.Schulen.) L.

Scholastiker hießen bei den Römern die Lehrer derBeredtsamkeit. ImMittelalter entstand eine eigne Gattung von Philosophen u. d. N. Scholastiker undeine eigne scholastische Philosophie oder Schulweisheit, deren Wesen in der Anwen-dung einer auö der alten Zeit stammenden Dialektik auf die Theologie und der inni-gen Verbindung beider bestand. Da diese Anwendung mehre Verschiedenheiten dar-bietet, welche periodisch zum Vorschein kamen, so stimmen die Geschichtschreiberüber den Anfang der scholastischen Philosophie nicht überein. Diejenigen, welcheden theologischen Gehalt derselben vorzüglich berücksichtigen, machen den Augustinuszum Urheber derselben, Andre finden ihren Anfang in den monopbysitischen Strei-tigkeiten im 5. und 6. Jahrh. Gewöhnlich nennt man als ersten Scholastiker Zoh.Scotus Erigena (s. d.) im 9. Jahrh., ohne diesen zum eigentlichen Urheber derScholastik zu machen. Er war Philosoph s. Jahrhunderts, der neuplatonischenWeise sich anschließend. Die scholastische Philosophie erhielt ihren Namen dadurch,daß sie aus den von und seit Karl d. Gr. gestifteten Schulen zur Bildung der Geist-lichen hervorging. (L>. Schulen.) Die hier vorgetragene Philosophie bestand ineiner aus den latein. Erklärern des Aristoteles, besonders dem Pseudo-Augustinusund DoithiuS, sowie aus des PorphyriuS Einleitung zu den Aristotelischen Schrif-ten gezogenen Zusammenstellung logischer Regeln und ontologischer Begriffe, dieu. d. N. Dialektik die theoretische Philosophie überhaupt ausmachten und mit derspätern alexandrinischen DorstellungSart von Gort, s.Eigmscbaften und Verhältnis-sen zur Welt verbunden oder darauf angewendet wurden. Zhre ursprüngliche Ten-denz war keine andre, als das dogmatische Religionssystem der Kirche zu befestigenund zu vertheidigen. Buhle setzt 3 Perioden fest: Die erste bis aufRoecellinuS(1089), oder bis auf den Streit der Realisten und Nominalisten (s. d.); diezweite bis aufAlbertuS Magnus (st. 1280), wo die metaphysischen Werke des Ari-stoteles allgemeiner bekannt und erläutert wurden; die drille bis auf die Wiederher-stellung der alten Literatur in der Mitte d. 15. Jahrh. und die dadurch bewirkte Ver-besserung der Philosophie. Nach Tiedemann, der den Scholasticismus als die-jenige Behandlungsart der Gegenstände» priori erklärt, wo, nach Aufstellung dermeisten für und wider aufzureibenden Gründe in syllogistischer Form, die Entschei-dung aus Aristoteles , den Kirchenvätern und dem herrschenden kirchlichen Systemegenommen wird, fängt die Geschichte desselben mit dem Franciscaner Alexander vonHales (st. 1245), einem Kloster in Gloucestershire , an, welcher von den Aristoteli-schen Schriften zuerst einen bedeutenden Gebrauch machte. Der genannte AlexanderHalesiuS war der erste ausführliche Commentalor der Sentenzen Peters des Lom-barden und erwarb sich als Lehrer zu Paris den Beinamen l)uot»r irrelra^slnlir.Auch erläuterte er die Psychologie des Aristoteles . Ohne eignes Denken entscheidetund urtheilt er allenthalben nach andern Kirchenschriftstellern u. Philosophen. Daszweite Zeitalter der Scholastiker beginntTiedemann mit Albertus Ma g nus (s. d.),welcher sowol die physikalischen als philosophischen Schriften des Aristoteles, mehrebibl. Bücher :c. erläuterte. Noch großem Ruhm erwarb sein Schüler, Thonias vonAguino (s. d.), der Vater der Moral und strenger Anhänger des Aristoteles, überden er 52 Commentarc hinterließ. Diesem stellte sich der Franciscaner Zoh. Duns(s. d.) Scotus , der mit dem zuvor genannten Zoh. Scot. Erigena nicht zu verwech-seln ist, entgegen, einer der dur,k>!sten, spitzfindigsten Dialektiker, der durch sein scho-lastisches oder barbarisches Latein bekannt ist. Da er als Gegner des Thomas auf-trat, bildeten sich die Thoniisten und Scotisten (s. d.), deren Zwistigkeitenbesonders lebhaft wurden, als Lcotus sich gegen die durch Thomas vertheidigtestrenge Augustinische Lehre von der Gnade erklärte, und welche Jahrhunderte lang

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