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Tausend und eine Nacht
Haftes Geschick verloren gegangen war, 1823 — 24 ln einer deutschen von Zin-ftrling besorgten Übers. erschienen. Größer war die Ausbeute, die eine tunesischeHandschrift, im Besitze des Pros. Habicht zu BreSlau , ergab, mit deren Hülfe dasnoch Fehlende ergänzt und, unter Zuziehung zweier andern Gelehrten, eine anReichhaltigkeit jede frühere Bearbeitung weit überbietende Verdeutschung zu Stan-de gebracht werden konnte. („Tausend und eine Nacht ", vollständig übers. vonMax. Habicht, v. d.Hagen undK.Schall, 15 Bündchen, Breslau 1825, 2. verm.A. 1821; die arabische Urschrift von l). Habicht herausg. mit Glossar., Bd. 1,Breslau 1825.) ') Neben diesen Bemühungen, eins der merkwürdigsten Denk-mäler orientalischer Sitte und Lebensweise nach seinem ganzen Umfange wiederher-zustellen, wurden auch die Untersuchungen über den Ursprung desselben mit glückli-chem Erfolge fortgesetzt. Daß Caussin's Behauptung, der dasselbe zu einem Er-zeugnisse des 18. Jahrh, macht, auf unhaltbaren Gründen beruhe, daß überhauptan eine gleichzeitige Entstehung des Ganzen nicht zu denken sei, war leicht z» er-weisen. Nach v. Hammer ist der Hauptstamm dieser Märchen auf indischem Bo-den gewachsen, später nach Persicn verpflanzt und unter den, Khalife» Manßur, alsogegen 30 I. vor Harun al Raschid , dem Zeitgenossen Karls d. Gr., durch Übers.arabisches Eigenthum geworden. Daß auf diesen Stamm in der Folge ein- und aus-heimische Zweige gepfropft wurden, die bald wieder in neue Sprossen auSschlugen,könnte Den nur wundern, der es nicht wüßte, daß die das Ganze wie mit einem Rah-men umschlingende geschichtliche Einfassung jede verwandte Zuthat und Erweite-rung zuließ, wie denn in der That bei vielen dieser Märchen ihr späterer Ursprungund die nicht-arabische Heimatb leicht nachzuweisen ist. (Nach Ion. Scott stimmennicht 2 Handschriften aus verschiedenen Gegenden ganz überein, sondern jede ist mitden Dolkserzäklungen ihrer Heimath versetzt.) Nach Silv. de Sacy'S Vorlesungin der Akad. 1829 stammen diese Märchen nicht aus Indien , sondern sind arabischenUrsprungs und später als der Islam . Das Ereignis;, das nach der ursprünglichenAnlage der Sammlung den Hintergrund bildet, und an das alle jene Erzählungenohne weitere künstliche Verbindung, außer dem innern Zusammenhange einzelner,sich anknüpfen, ist folgendes: „Der Sultan Schachriar, entrüstet über die Un-treue seiner Gemahlin, gibt das Gesetz, jede seiner künftigen Gattinnen am erstenMorgen nach der Vermählung zu todten. Einer derselben endlich, Scheherasaden,der großherzigen Tochter des Vesiers, gelingt eS, dem blutigen Jammer ein Zielzusetzen, indem sie durch den Zauber ihrer Märchen den Sultan bestimmt, dieHinrichtung der schönen Erzählerin von einem Tage zum andern zu verschieben,So verfließen tausend und eine Nacht, also 2 Jahre und 9 Monate, in deren Ver-laufe Scheherasade Mutter von 3 Kindern geworden ist. Vertrauensvoll führt siejetzt die Kleinen dem Gemahl vor, der durch ihr Flehen erweicht, Gattin undKinder in seine Arme schließt, Scheherasaden das Leben schenkt und nichts von ihrbegehrt, als daß sie auch ferner von Zeit zu Zeit ihm einige der Geschichten erzähle,die ihn so oft an ihrer Seite ergötzt haben". Nur ein Theil dieser histor. Grundlagewar dem ersten franz. Übers. bekannt; der Schluß blieb verborgen, bis Herr v.Hammer denselben, wie er hier gegeben ist, entdeckte und zu öffentlicher Kundebrachte. — Die Freude Schachriar's ist von Tausenden seiner Stamm- und Glau-bensgenossen nachempfunden worden, und wird es noch jetzt in einem großen Theileder asiatischen Welt, in Ägypten und längs der afrikanischen Küsten des Mittel-meeres. Ebenso wird aber auch die Theilnahme, die jene Erzählungen seit ihrerersten Bekanntwerdung in dem christlichen Europa gefunden, ihnen so lange bleiben,
*) Eine dänische übers. des arabischen in Calcutta 1814 gedruckten Textes der „Tau-send und einen Nacht" hat der Orientalist Rasmussen, Pros. zu Kopenhagen li.Bd.,Ävpenb. 1824), kerausqegcbcn. Englisch haben wir diese pkantastereicheErzählung inder schonen Ausg. der „Arabian nißkt- ew."(i.Bd., Lond-1827; Leipz., bei L. Fleischer).