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Thier, Thierreich
thierische; jene sind aus Haut gebildet, welche, wie die Grundmaffe der Pflanzen,aus einen! zelligcn Gewebe besteht. Dahin gehört also nicht nur die äußere Haut,sondern auch die innere, woraus die Gefäße (Adern, Saug-, Lymphgefäße) beste-hen, und die aus Gefäßen gebildeten Eingeweide des Unterleibes. In diesen Or-ganen ist die Pflanzennäkur vorherrschend, denn ihre Verrichtungen bestehen imVerdauen, Ernähren, Absondern und Ausscheiden. Nerve» und Muskeln da-gegen sind vorzugsweise thierischeOrgane, denn ihreFimctionen sind die dem Thiereeigenthümlichen: Empfindung und selbständige Bewegung. In allen wesentlichenTheilen des thierischen Organismus ist das Pflanzliche und Thierische untrennbarverbunden, aber das Vorherrschen (Überwiegen) des Einen oder des Andern bestimmt(im Wesentlichen) die verschiedenen stufen der Thiere, den größer» oder geringernGrad ihrer organischen Vollkommenheit. (sn den niedersten Thieren ist noch diePflanzennatur vorherrschend, und bekanntlich hat man lange die auffallende Repro-ductionskraft dieser Thiere, kraft welcher abgeschnittene Glieder wieder ersetzt wer-den , bewundert, bevor man das erwähnte Verhältniß erkannt hakte. Bei denThieren der mittlern Stufen oder Classen, z. B. bei den Insekten und Amphibien,ist die Irritabilität herrschend, während die Sensibilität zurückgedrängt ist, dennbei überwiegender MuSkelthätigkeit ist die Nerventhätigkeit vorzugsweise nach Au-ßen gerichtet, welches der Richtung nach Innen, mithin der Empfindung, noth-wendig Abbruch thut. Bei den höher» und böchsten Thieren endlich (den Vögelnund Säugethieren)hat die S ensibilität das Übergewicht erlangt, welche die höchstethierische Funktion ist. Die Vollkommenheit der Thiere beruht daher vorzüglichauf der Vollkommenheit des Nervensystems, denn mit der Ausbildung dieses höch-ste» Systems ist zugleich die harmonische Ausbildung des ganzen Organismus ge-geben, da die Nerven das belebende und ordnende Princip teS Ganzen sind. Diegrößere oder geringere Vollkommenheit des Nervensystems offenbart sich vorzüglichdurch die Beschaffenheit der Sinne, welche unter sich wieder ein System, d. h. einGanzes von verschiedenen Stufen bilden. Die Sinne, von organischer Seite be-trachtet (Linnorgane), sind nämlich nichts Andres als Verbindungen des Nerven-systems mit andern, pflanzlichen und thierischen Theilen oder Systemen des thieri-schen Organismus, und zwar so, daß diese Theile oder Systeme indem Sinn-organe dem Nerve,isvstem untergeordnet und ihm dienstbar sind. Je edler nun dieTheile sind, mit welchen sich das Nervensystem zu einem Siunorgan verbunden hat,desto höher oder edler ist der Sinn, und umgekehrt. In dem Gefühlsinn z. B. hatsich das Nervensystem die äußere Haut dienstbar gemacht, und die Haut ist dadurchnervös geworden und zu einem Sinnorgan erhoben; aber die Haut ist die niederstepflanzliche Bildung im thierischen Körper, und darum ist auch der Gefühlsinn derniederste im ganzen System der Sinne. Ein höherer Sinn ist schon der Geschmack,den man mit Recht den Darmsinn (s. Sinne) genannt hat. Der Darm, beson-ders der Magen, besteht aus einer höher», thierischen (muskulös) gewordenenHaut. Der thierische Antheil des Darms hat sich im obern Ende desselben, d. h.in der Zunge, vorzugsweise ausgebildet; die Zunge ist der zu Muskel und Nerv ge-wordeneDarm, daher ein Sinnorgan, welches die für den Darm bestimmten Spei-sen empfindet, indem es deren chemische Beschaffenheit wahrnimmt. In den hö-her» Sinnen erscheint das Nervensystem in Verbindung mitnoch edler» Theilen desOrganismus, und das Auge ist vorzugsweise das Nervensinnorgan, weil dasSehen die höchste, eigenthümlichste Funktion der Nerven ist, weil das Sehen eineLichtentwickelung, das Licht ei» Sehen und gleichsam die höchste Nervensunctiander allgemeine» Natur ist. — Im Thierreiche ist daher die Stufenverschiekenheitunter den Thieren vorzüglich auch durch die Sinne angedeutet. In den niederstenThieren, z. B. den Polypen, bemerkt man noch keinen andern Sinn- als den nie-dersten, das Gefühl, in welchem' alle andern Sinne noch gleichsam verschlossen