Band 
Elfter Band. T bis V.
Seite
229
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Thränen und Thränenorgane Thrasybulus 222

Thränen und Thränenorgane. Die Thränen sind eine feröS -schlei-miqe Feuchtigkeit, die wenig schwerer als Wasser isi und viel Soda in reinem, koch-salssaurem, kohlensaurem und phosphorsaurem Zustande, sowie phoephorsaureKalk-erde enthalt. Die Thränenorgane werden in 3 Partien getheilt, nämlich: in dieThränen bereitenden, zuführenden und abführenden Organe. Bereitet werden dieThränen in den sogen. Thränendrüsen. Diese sind in jedem Auge vorhanden, undman unterscheidet eine obere und eine untere. Die obere liegt an dem obern und äu-ßern Winkel der Augenhöhle; die untere aufdem Knorpel des obern Augenlides, zumTheil von der obern bedeckt. Sie gehören zu den conglomerirten (geballten) Drüsen,und ihre Ausführungsgänae vereinigen sich mit einander und endigen sich in k 7Stämmen an der hinter» Oberfläche des obern Augenlides, jeder in einer eignen,kleinen, kaum sichtbaren Mündung. Aus diesen Mündungen ergießen sich dieThränen ununterbrochen und verbreiten sich über den ganzen Raum, der sich zwi-schen den Augenlider» und dem Augapfel befindet, vorzüglich unterstützt durch dieBewegung der Augenlider. Die Thränen schützen das Auge gegen die Rauhigkeitder Luft und erhallen die Oberfläche desselben feucht. Die Thränen von dem Augeabzuleiten, dient folgender Bau. In dem innern Augenwinkel erblickt man anbeiden Augenlidern die sogen. Thränenpunkte, welche breit und rund mit einemwulstigen, erhöhten Rande umgeben sind. Dies sind die Mündungen der Thrä-ncnröhrchen, welche kleine, enge Röhrchen darstellen und sich einzeln in den Thrä-nensack öffnen. Dies ist ein rundlicher, nach oben vollkommen geschlossener Behäl-ter, welcher in der Thränengrube der Augenhöhle von der äußern Haut bedeckt liegtund sich nach unten in den Thränencanal verlängert. Der Thräoencanal liegt indem knöchernen Thränencanal, hat wie dieser eine gekrümmte Richtung und gehtan seinem Ausgange unter der untern Nasenmuschel in die Schleimhaut der Naseüber. Doch ist die Mündung mit einer halbmondförmigen Klappe bedeckt. Die-ser Bau zeigt den Weg sehr deutlich, den die Thränen nehmen; sie werden nämlich,wenn sie nicht in so großerMenge abgesondert werden, daß sie über die Augenlider sichergießen und die Wangen Herabrinnen, von den Thränenpunkte» aufgesaugt, durchdie Röhrchen in den Thränensack geleitet, ergießen sich durch den Thränencanal tudie Nase, die sie feucht erhalten, und werden bann endlich mit An übrigen Nasen-feuchügkelten theils ausgeworfen, theils verschluckt. Wird ober ihr Übergang ausdem Auge in die Nase gestört und verhindert (z. B. durch Verstopfung oder Ver-wachsung des Thränencanals), so fließe» sie zuerst anhaltend über die Wangen her-ab, sammeln sich in dem Thränensäcke an und dehnen diesen aus, werden hier zu-gleich in ihrer Qualität verändert und verursachen dadurch eine Entzündung dessel-ben, die gewöhnlich in Eiterung übergeht und, wenn sie vernachlässigt wird, sogardie Knochen endlich angreift. Dieß ist die u. d. N. der Thränenfistel bekannteKrankheit, die, wenn sie weit vorgeschritten ist, eine Operation nöthig macht,durch welche ein neuer, künstlicher Canal gebildet wird, damit die Thränen in dieNase gelangen können. ll. t'.

Thrasybulus , ein edler Athenienser, der sich um seine Vaterstadt ver-dientmochte, nicht allein als Feldherr in> peloponnesiscken Kriege, wo er mehrmalsdie Spartaner besiegte, sondern ganz vorzüglich auch a's Befreier von der Gewalt-herrschaft der sogenannten 30 Tyrannen, die nach Beendigung des peloponnesischenKrieges unter spartanischer Hoheit über Athen waren gesetzt worden (-l<>4 v. Ehr.).T. verließ mit noch 30 Bürgern, die, wte er, d'e Freiheil liebten, d e unglückliche-Ltadi, blieb aber kein unthätiger Zeuge des Unwesens, sondern entschlossen, womöglich, der Retter Athens tu werden, besetzte er einen festen Platz an der Grenzevon Altika und sammelte ein kleines Heer, womit er den Angriffen der TyrannenTrotz bot, und sogar den wichtigen Hasen PiräeuS eroberte. Dadurch ernuithigt,standen endlich die Bürger Athens nach achtmonatlicher Sklaverei auf, verjagten