Band 
Elfter Band. T bis V.
Seite
271
JPEG-Download
 

Tirol

271

ben, wodurch Tirol grhßtentheils die Mittel erhält, seinen Bedarf an ausländi-schen Artikeln sich zu verschaffen. Den Verlust der größer» Einfuhr als Ausfuhrersetzt der (Gewinn des überaus wichtigen Zwischenhandels und WaarcndurchzuzeS.Die Lage Tirols zwischen Deutschland und Italien und die Vortheile eines beque-mern StraßenzugeS über die Alpen (der Brenner, über welchen die 4 Stundenlauge und 4376 Fuß hohe Hauptstraße führt, ist der niedrigste Alpcnpaß) nebstden gut unterhaltene» Kunststraßen begünstigen dieses Land, wenigstens vor allenwestlichen Läutern, in dieser Hinsicht. Auch benutzt der Tiroler anscheinende Klei-nigkeiten zu Handelsgegenständen. So ist z. B. die Zucht und der Handel mitCanarienvögeln, ferner der Handel mit Bilder» und Kupferstiche», der besonderszu La Pieve seinen Sitz hat, und von wo die Bilderhändler in die meisten Haupt-städte von Europa wandern, nicht unbedeutend. Überhaupt durchziehen jährlichan 80 40,000 Tiroler andre Länder, wo sie entweder als Bilder-, Decken-und Holzwaarenhäntler oder als Handwerker sich ein kleines Vermögen zu erwerbensuchen, das sie jährlich in ihre Heimakh entweder zurückbringe» oder zurückschicken. Der größere Theil der Tiroler ist deutscher Abstammung, nur in der südlichenSpitze, in den sogenannten wälschen Consilien, leben Italiener, deren Zahl sichauf 150160,000 Köpfe belaufen mag. Die herrschende Religion ist die katho-lische. Der Tiroler ist fröhlich, aufgeweckten, muntern Sinnes. In seinem Ge-sichke ist Treue, Redlichkeit und Geradfinn ausgedrückt. Der edelste Zug in demCharakter des Tirolers ist seine unerschütterliche feste Anhänglichkeit an sein Vater-land und an seinen Regenten. Der Charakter der südlichen ist verschieden von demder nördlichen Einw. Der südliche Tiroler ist nüchterner, weniger abergläubischfromm und weniger aufrichtig als der nördliche. Jagdlich ist unter allen Ständendie allgemein herrschende Leidenschaft. Schon als Knabe weiß der Tiroler mit demStutzen (Iagdbüchse) umzugehen und mit bewundernswürdiger Genauigkeit dasweit entfernte Ziel zu treffen. Tirol hat 1816 die Bestätigung seiner alten Rechteund Freiheiten durch eine neue Verfassung erhalten, wo noch die Lantstänke aus4 Classen, nämlich dem Prälaten-, dem Ritter-, dem Bürger-und dem Bauer-stante, bestehen. Weder die Militairpfiichtigkeit noch das Maurhsvstem ist einge-führt. Vorarlberg , obgleich in der Verwaltung mit Tirol verbunden, hat seinebesondern Freiheiten, Landstande und Landtage. Die Einkünfte schätzt man auf24 Mtll. Gulden. Für den östreichischen Staat zpird übrigens.Tirol wegen seinerGebirgspässe und kriegerischen Einw. als eine.Kpfinguer angesehen. Die Huupc-festung des Landes ist Kufstein; zu Innsbruck hgs d-L Gubernium des ganzen Lan-des, -welches jetzt in 7 Kreise (mit Vorarlberg ) .»getheilt ist, feinen Sitz. Ti-rol wurde anfangs von celtifchen und gallischen Stammen bewohn;, wovon dieRhätier die bekanntesten sind. Ilnter des ersten römischen Kaisers August Regie-rung wurde die Eroberung des Landes nach vielen Schwierigkeiten vollendet, unddie Rönier machten sich zugleich um den ersten Anbau desselben verdient. Wie di§,rönüsche Größe hinsank, so ging auch der Wohlstand des Landes unter, welchesdann über ein Jahrhundert hindurch der Tummelplatz der Völker war, die RomsHerrschaft vertheidigten und bekämpften. Marcomannen, Alemannen, Gokhen,besonders die Hunnen unter Attila , verheerten es zvechselsweise. Nach dem gänz-lichen Sturze des abendländischen KaiserthuniS gerieth es unter die Herrschaft derGothen. Als diese zertrümmert wurde, käm der südliche Theil Tirols in die Ge-walt der Langobarden, der nördliche ward von den Bojen oder Bojoaren (Baier n)besetzt. Hierauf wurde Tirol den Franken unterworfen, welche es, gleich andernfränkischen Landen, in Gaue theilten und von Grafen verwalten ließen. Nach demErlöschen des carolingischen Hauses und nach der Wiedereinsetzung bairischerHerzogenahmen diese auch wieder den größten Theil von Tirol in Besitz, und unterwarfensich die Grafen als Vasallen, welche sich, während der Unordnungen im fränkischen