27S
Tischbein (Heinrich Wilhelm)
schicbts- und mythologischer Maler haben ihm s. 4 Bilder aus den Begebenheitendes Rinaldo und der Armida, nach Tasso, auf dem Schlosse Weißenstein befind-lich, s. zürnender Achill und die auf Agamenmon'S Befehl hinweggebrachte Bri-seis, s. Elektra, die den vermeinten Tod ihres Bruders an dessen Urne beweint, s.sterbende Alcesie u. s. f., einen großen Ruhni erworben. Unter den GesellschaftS-stücken und Bildnissen von ihm gehören zu den vorzüglichsten: s. eignes Bildniß,auf der Kunstakademie zu Kassel ; ein Familiengemälde; die Bildnisse von Rein-hard, Förster, Herme, Glenn, Philippine Engelhard , geb.Gatterer u. v.A. Einezahlreiche Sammlung von Frauenzimn-erbildiussen befindet sich aus dem SchlosseWilhelmsthal bei Kassel . Es sind fürstliche und andre, vorzüglich ihrer Schönheitwegen gewählte Personen, welche die Verewigung ihrer Reize T.'S Pinsel verdan-ke» und hier theils in ganzer Gestalt, theils in Brustbildern die Wände zieren.Nach Rußland kam insEabmet der Kaiserin s. Sophonisbe , im Begriff den Gift-becher zu trinken, lebensgroß, und Äneas , der auf den Wolken vor den Thron derDito tritt. Seine Scenen aus Klopstock'S „Hermannsschlacht" sind ebenfalls vor-trefflich. T.'s Eompositioncn — mehr überdacht als durch den Schlag einer Zau-berruthe entstanden — zeigen durch ihre Rundung und Einheit, daß sie nie Zusam-menstellungen einzelner, in der Natur aufgefaßter Züge, sondern Schöpfungeneitler ordnenden Einbildungskraft waren. Seine Zeichnung ist iin Ganzen richtigund bedeutungsvoll. Das Nackte seiner Figuren verräth Studium der Antike;die Gewänder sind in einem großen Geschmack entworfen und lassen die Bewegun-gen der Glieder ungezwungen durchscheinen. Die Kopfwentungen sind fast immervoll Geist und Leben; allein in manchen Fälle» geht auch dadurch die ruhige Grazieverloren, welche Kenner in den Werken der römischen Schule überhaupt bewun-dern. Durch stete Übung hatte T. eine sichere Hand erlangt; daher sind seine Um-risse keck, bestimmt und durch kräftige Drucker belebt. Dies ist aber nur von s.Skizzen und Entwürfen zu verstehen, denn in s. ausgeführten Malereien sind dieUmrisse sowol als die Tinten zum Bewundern fast verschmolzen. Nach T.'S Todekaufte der Kurfürst von den Erben s. hinterlassenen Arbeiten und räumte ihnen ei-nen Saal in dem Schlosse zu Wilhelmshöhe ein. Nach ihm gestochen haben be-sonders I. H. Tischbein ll. oder Jüngere, sein Bruderssohn (geb. 1742 zuHenna, gest. als Inspcetor der Galerie zu Kassel 1808 und bekannt als Schrift-steller durch s. „Kurzgefaßte Abhautl. über die Ätzkunst", Kassel 1790); fernerRosaspina, Banse, W. E. Mayr u. A.
Der andre Künstler dieser Familie, Johann Heinrich Wilhelm T.,gewöhnlich Heinrich Wilhelm genannt, war der Sohn eines Schreiners undK irchenältesten zu Heyna, (wo er 1771 geb. ward), und ebenfalls ein Bruderssohndes Vorhergehenden. Sein Vater gab ihm einigen Unterricht im Zeichnen undMalen, mehr noch seine beiden Oheime, der vorgedachte Zoh. Heinr. undHoh.Zak. (geb. zu Henna 172-7, gest. zu Lübeck 1791), ein vorzüglicher Bildniß-,Thier- und Landschaftsmaler. Zoh. Heinr. unterrichtete ihn in der GeschichtS-malerei. Zu Hamburg copirte er darauf 8 Zähre lang eine Menge Kunstwerke,vorzüglich Bildnisse. 1770 besuchte er Amsterdam und andre Städte der Nieder-lande und kehrte 1772 nach Kassel zurück, verfertigte dorr Landschaften und Bild-nisse, besuchte zuweilen Hanover und ging auf Empfehlung der Landgrüfin nachBerlin , wo er viele Personen des Hofes mit Beifall malte und endlich 1779 mitlandgräfiicher Unterstützung durch die Schweiz nach Rom reiste. Zn Zürich , woman noch mehre von ihm gemalte, aber merklich nachgetunkelte Bildnisse findet,hielt er sich geraume Zeit bei dem Diakonus Pfenninger auf. Schon in diesen frü-hern Zeiten hatte er einen vorherrschenden Hang zu dem Höher» der Kunst, der Ge-schichtSmalerei, und eben in Zürich entwarf er s. nachher so berühmt gewordenesBild, welches den unglücklichen Konradin von Schwaben darstellt, wie er nachConversarivns-Lepicon. Bd- XI. 18