Band 
Elfter Band. T bis V.
Seite
278
JPEG-Download
 

218

Tkurell TituS Vespa>»<uruS

Wahrheit und Kraft der Darstellung. Das erste graste Ölgemälde, mit welchemer als Jüngling hervortrat, war die Himmelfahrt der Maria in derMinoritenkirchein Venedig , jetzt in der großen Akademie aufgestellt. Man hat viele sogenannteDenusbilder von ihm, die aber alle Portraits von Maitressen und Freudenmädchensind; die in Florenz ist eine der schönsten. T. gilt allgemein als einer der größ-ten Meister im Colorit, und wird besonders im Portrait und in der LandschaftS-nialerei als unerreicht bewundert. Er ist der Vater der Portraitmalerei, sagtFüßli , in Hinsicht auf Ähnlichkeit der Bildung, würdevollen Charakter, einfacheAnmuth und geschmackvolles Costuni. Dagegen ist geschmackvolle Zeichnung einweniger scheinbarer Theil seines Verdienstes. T.'S vorzüglichster Aufenthalt warVenedig , lind nur gelegentlich besuchte er, auf Einladungen, fürsil. Höfe. Alssein Ruf sich verbreitete, ward er zu dem Herzoge von Ferrara gerufen, um in sei-nem Palaste einige von Bellini angefangene Werke zu vollenden. Diesen fugteer einige Stücke von seiner eignen Erfindung hinzu, und malte die Portraits desHerzogs, der Herzogin und Ariosto'S, der damals sich am Hofe von Ferrara be-fand. Hu Rom, wohin ihn während Pauls III. Regierung der Cardinal Far-nese berief, malte er jenen Papst in Lebensgröße. Als Kaiser Karl V. nach Italien kam, um sich krönen zu lassen, ließ er T, von Bologna zu sich berufen, undwar über das Portrait, welches dieser von ihm malte, so erfreut, daß er ihnzum Ritter ernannte und ihm einen Iahrgehalk aussetzte, der nachmals von Phi-lipp II. noch vermehrt wurde. Viele Fürsten und (Troste jener Zeit schätzten es sichzum Ruhme, von T, gemalt zu werden, und seine Portraits sind nicht bloß alsKunstwerke, sondern auch darum von hohem Werth, weil sie uns die Gesichtszügeder ausgezeichnetsten Personen jenes Zeitalters treu überliefert haben. Auf einerKunstreise nach Spanien und Deutschland verweilte er in letzkerm 5 Jahre ; alleinVenedig blieb sein Wohnort, wo er auf einem glänzende» Fuße lebte. Noch imhohen Alter behielt er die Geistes- und Körperkraft seiner Jugend. Er starb 1516,96 I. alt. In einem so langen Zeiträume brachte er eine große Menge von Kunst-werken hervor, womit Kirchen, Paläste und Bildergalerien in allen Theilen Euro-pas geschmückt sind. Von seinen histor. Gemälden werden besonders ein Abend-mahl in dem Refektorium des Escurials, und ein Christus, der mit Dornen ge-krönt ist, in einer Kirche zu Mailand befindlich, gerühmt. Gestalt und Haltungdes Heilandes in dem letztem Stücke sind himmlisch. Man hat über 600 Kupfer-stiche nach T.'S Gemälden , mit Einschluß der Landschaften und der Holzschnitte.Kürzlich hat von ihm Anderloni Christus und die Ehebrecherin gestochen. Das Le-ben T.'S von Ticozzi beschrieben, ist sehr fehlerhaft. Empsehlenswerth ist Andr.Majer, ,,l1<'!I' i>iiili>ri»>><> pitt»no.i, st«!!' o»:<-t-!1enr,i « stelln ciz>e>a sti kiriaiio"(Vened. 1818), wogegen CaSpari geschrieben hat:Del bello iste.nle e stelle o^erssti'l i/i-ino" (2. Allst., Padua 1820).

Titurell, ein altes ausländisches Rittergedicht i» siebenzeiligen Strophen,welches wir in der Bearbeitung Wolframs von Eschenbach (s. d.) haben. VonHammer glaubte, es sei eine Allegorie der Gesellschaft und Lehre der Templer ; esstellt aber ein Ideal des Ritterthums dar.

Titus VespasianliS, römischer Kaiser, der älteste Sohn des Kai-sers Vespasian, geb. 4 0 n. Chr. Er wurde am Hofe des Nero mit dem Britamücuserzogen, und schloß mit diesem unglücklichen Fürsten eine innige Freundschaft. Donfrüher Jugend an beschäftigte er sich mit der Rede- und Dichtkunst, und zeichnetesich in beiden vorzüglich aus. Als Tribun bei dem Kriege in Germanien und nach-her in Britannien, erwarb er sich durch sein anständiges und einnehmendes Betra-gen, du,..- 'Wen Muth, seine kriegerischen Fertigkeiten und durch seine persönlicheAnn d -.. gemeinen Beifall. Nach seiner Rückkehr beschäftigte er sich zu

Rom i r cgen Gegenständen, und führte mehre Wtreltsachen mit großer