VII
„Der Zweck eines solchen Wörterbuches kann auf keinen Fall der sein,vollständige Kenntnisse zu gewähren; es wird vielmehr dieses Werk — welcheseine Art von Schlüssel sein soll, um sich den Eingang in gebildete Cirkel undin den Sinn guter Schriftsteller zu öffnen — aus dem weitschichtigen Gebieteder Geographie, Geschichte, Mythologie, Philosophie, Nakurlehre, der schönenKünste und andern Wissenschaften bloß diejenigen Kenntnisse enthalten, welcheein Jeder als gebildeter Mensch haben muß, wenn er an einer guten Con-versauon Theil nehmen und ein Buch lesen will, wiefern gewisse Wissenschaft!liche Begriffe unter den Begriffen des gemeinen Lebens das Bürgerrecht er-langt haben".
Kaum hatte aber II. Löbel die Ausführung unternommen und einigeBände der ersten Auslage dem Drucke übergeben, als ihn der Tod übereilte,und die Fortsetzung in weniger geübte Hände kam. Überdies wirkte sehrnachkheilig auf das Ganze, daß dem damaligen Verleger hinlängliche Geld-kräfte fehlten, um die Vollendung zu beschleunigen. Es waren daher nach11 Jahren, als das Werk im Jahre 1807 durch Ankauf des Verlagsrechtsin die Hände des Buchhändlers Friedrich Arnold BrockhauS kam, erst siBände, jeder 36 — 40 Bogen stark, fertig. Der nunmehrige Eigenthümerließ es vor allen Dingen seine Sorge sein, die erste Austage zu vollenden,was auch in 2 Jahren geschah, während welcher der sechste (und letzte) Bandund 2 Supplementbände erschienen.
. Wie unvollkommen unter so störenden Umständen das Eonv.-Ley. auchin seiner ersten Gestalt erscheinen mußte, so bewies doch der Beifall, welchenihm dessenungeachtet das Publicum schenkte, deutlich genug, daß das Bedürf-niß eines Hülfsmittels, wie es hier dargeboten worden, vorhanden sei.
Im I. 1812 ward eine neue Ausgabe nöthig. Damit beginnt die gänz-liche Umbildung und die höhere Bedeutung des Eonversations-Lexikons, dessenSeele und Lebenskraft der Herausgeber, F. A. BrockhauS , II Jahre lang,bis zu seinem Tode geblieben ist. Weil sich nämlich nicht sogleich ein Redac-teur, wie ein Werk dieser Art ihn erheischt, für die Leitung desselben findenwollte, so stellte sich der Verleger, seine Kraft und sein Unheil dabei versu-chend, selbst und allein an die Spitze der neuen Unternehmung. Ihm schwebtedabei die Idee vor, ein Werk zu liefern, das nicht für einzelne Personen derGesellschaft, sondern für Alle und Jeden auf einer gewissen Stufe der Bil-dung passend und anziehend sein, das sich zwar allenthalben vorn Gemeinenentfernen, aber sich auch ebenso sehr durch einfache, klare und zweckmäßigeBekandlunz empfehlen sollte. Schon war unter seiner alleinigen Leitung dererste Band dieser zweiten Austage erschienen, und der zweite bis zur HälfteVollender, als er Herrn II. Ludwig Hain zum Mitredacteur annahm. Seitdiesem Zeitpunkte haben Beide der Unternehmung bis zur Vollendung des er-sten Drucks der fünften Auflage, im April 1820, vereint vorgestanden.
So leicht es einzusehen war, dak die Grundsätze der ersten Redactionunter dem 1). Lobel, welche sich auf den Standpunkt des gemeinen Lebensgestellt hatte, nicht mehr befolgt werden konnten, da die Ansprüche desjenigenPublicums, für welches das Buch zunächst bestimmt war, seit 1 >96 in einemhohen Grade sich gesteigert hatten: so schwer war die Aufgabe, nach welchenGrundsätze» die neue Redaction verfahren sollte, praktisch zu lösen. Die vo-rige Redaction hatte sich darauf beschränkt, aus dem Gebiete der Geographie,Geschichte, Mvrkologie, Nakurlehre und der schönen Künste diejenigen Ge-genstände auszuwählen, von welchen sie annahm, daß sie für den Kreis ihrerLeser, den sie aber sehr niedrig gezogen hatte, paßten. Die neue Redactionfand dieses Ausgewählte durchaus unzureichend, und auf dem jetzigen Stand-