Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
Seite
583
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Anhang.

Türkei undGriechenland. Beide Worte haken seit 4 Jahrhunder-ten in der Geschichte des europäischen Staaten- und Völkerlebens eine traurigeMerkwürdigkeit erlangt, die mit jedem Jahre für die spätere Nachwelt unerklärba-rer wird. In dem Ursihe der europäischen Civilisation hat aus dem wilden Sturm«asiatischer Eroberer, mitten unter den edelsten Trümmern der alten Welt, ein Volksein Dasein gerettet, das wie der Unglückliche im Schiffbruch mit den Wogen desTodes, so mit den Feinden des Christenthums und der Civilisation um Leben undFreiheit kämpft, während das christliche Europa , sonst überall für Ruhe und Sicher«heit verbündet, dem letzten Todeskampfe der Hellenen 7 Jahre lang zuschaute, ohneeinen. Beschluß zu fassen, wie ihn die Nachwelt von unserm Zeitalter zu erwartendos Recht hat. Seit 1821 wußte Europa , daß die Griechen als Volk noch vor-handen waren; indem es aber dies zuerst aus dem Naturkampfe der Verzweiflungerfuhr, glaubte es, von Tag zu Tag den letzten Funken des hellenischen Lebens ver-löschen zu sehen. Zeder neue Feldzug, den die Barbaren aus Asiens Steppen«wüste — Fremdlinge, welche einst der Dölkersturm aus Hochasten gleich einemHeuschreckenheere auf die schönen Fluren griechisch-christlicher Bildung geworfenhatte — gegen die Urbewohner des alten Landes unternahmen, sollte, dies glaub-ten oder hofften Manche, der letzt« sein, der die Vertilgung derUnglücklichen vollen-dete. Darum stieß Europa die Arme des um Hülfe Flehenden Jahre lang zurück.Aber immer rang er sich wieder empor und vertheidigte mit blutenden Händen dieGräber seiner Däter. Gleichwol erkannte Europa in dem Dränger jenes Volksnichts weniger als eine auf festen Grundlagen ruhende Staatsmacht; vielmehr er-wartete eS von Tag zu Tag das Zusammensinken dieser hohlen Masse von Serail-sklaven- und Zanüscharenpöbed. Bisher hatte jedoch den morschen Staat dir eifer-süchtige Staatskunst naher und entfernter Mächte gestützt., darum verlängerte sichvor unsern Augen der ebenso sonderbare als schreckliche Kampf zwischen einemStaate und eigem Volke, die beide, jener als Staat, dieses als Volk, dem Unter-gänge gleich nahe standen. Die hohe Pforte schien so wenig im Stande-z« fein,das Griechenvolk zu bezwingen, daß es den kühnsten, den mächtigsten und denschlausten seiner Satrapen aus Afrika herbeirief, damit er die letzten Griechen er-würgte, ihre Frauen und Kinder als Sklaven an den Nil schleppte und Afrikanerauf Hellas classischen Boden schleuderte. Solche Schande halte Europa noch nichterlebt. Za es boten selbst einzelne Franzosen die Hand dazu, Morea zu unterjochenund Europäer als Sklaven nach Afrika zu liefern!') Wäre es mit Hülse dieserRenegaten dem mächtigen Vicekdnig von Ägypten gelungen, was tm Mittelakterso vielen kühnen Dpnastenssfkern in Asien und Afrika gelang, das ägäische Meerund den Peloponnes nebst Kreta mit dem Nillande zu Einem Staate zusammenzu-ketten, so würde diese ägyptische Dynastie, ähnlich den alten Fatimiden, allein imStande gewesen sein, zumal wenn sie alle talentvolle Abenteurer aus Europa ansich gezogen Hütte, das Mittelmeer zu beherrsch, n, die Dardanellen zu verschließen,

*) „Die franz. Regierung", sagte der Finanzminister Villele in der Depukirtenkam-mer am 2 Z. März t826, „habe großes Interesse, den Pascha von Aeqvpten mit Wohlwollen zu behandeln". AuS einem ediern Bcweqgrunde zeigte der britische MinisterCanning'mebr Wohlwollen für die Griechen. Auch konnte schwerlich eine sacttsch sou-verainc Macht des Dicekönigs von Aegypten im Mittelmeere und der Levante der eng.-lischen StaatSkunst willkommen sein.