Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
Seite
47
JPEG-Download
 

41

Wullensiein

damals berühmten Universität Padua Mathematik und Politik, vorzüglich aberAstrologie. Sein Lehrer in derselben, Argoli, scheint ihn durch Dorhersagungcmes glänzenden Glücks besonders für diese Wissenschaft gewonnen und zu seinknspätern Einwürfen angeregt zu haben. 1606 machte W. bei dem kaiserl. Heereeinen Felduig gegen die Türken in Ungarn mit, bewies viel persönliche Tapferkeitundwui deHauprmann. Der Friede (II. fflSv.1606) endigte tiefen Feldzug, undW. ging ohne Anstellung nach Böhmen zurück. Hier heirothele er eine sehr reiche,aber schon bejahrte Witwe, die ihm »ach einer kurzen kinderlosen Ehe ein großesVermögen hinterließ, welches ihn in den Stand setzte, an dem Hofe des KaisersMatthias zu Wien eine glänzende Rolle zuspielen. In einem unbedeutenden Kriege,der161ä zwischen dem Erzherzog Ferdinand vonSteiermarkund der Republik Ve-nedig in Friaul ausbrach, warb er auf eigne Kosten 200 Reiter und führte sie demErzherzoge, nachmaligem Kaiser Ferdinand l l., zu, bei dem er sich dadurch in großeGunst setzte. Er zeichnete sich durch Tapferkeit und Klugheit bei dem Einsätze vonGratiSca aus, und erwarb sich die Anhänglichkeit der Ossiciere und Soldaten durchaußerordentliche Freigebigkeit und durch die Sorgfalt, die er für die Befriedigungihrer Bedürfnisse bewies. Nach geendigtem Kriege ernannte ihn Ferdinand zumObersten der Miliz in Mähren zu Olmütz . Damals heirathete er in zweiter EheZsabelle, die Tochter des Grafen Harrach, eines GünstlmgsFerdinandS, und wardvon Ferdinand in den Grafenstand erhoben. — Bei dem Ausbruche der Unruhen inBöhmen ergriffW. (1619) die ösireich. Partei gegen die Protestant. Böhmen . Dondiesen gedrängt, mußte er Olmüh verlassen, rettete jedoch die ansehnliche Landes-casse nach Wien . Er hatte davon 12,000 Thlr. behalten; mit diesem und feinemeignen Gelde warb er 1000 Kürassiere an, die er dem östreicb. General Boucquoinach Böhmen zuführte. Hier zeichnete er sich als Oberster in verschiedenen Gefech-ten aus. Daß er, wie Hormavr sagt, bei der Schlacht auf dem weißen Berge vorPrag (8. Nov. 1620) zugegen gewesen, ist nicht erwiesen. Damals entspann sichauch zwischen ihm und T illy die späterhin so folgereicbe Abneigung. W. hatte näm-lich die von Tillv gewählte Schlachtordnung getadelt. Nach jenem Siege ging erMit dem öss eich. Heere unter Boueguoi »ach Mähren , dessen feste Plätze sich denSiegern bald öffneten. W. wurde jetzt Miluairgouverneur in Mähren , erhieltseine von den protest. Böhmen eingezogenen Güter zurück, und commandirte, z-mGeneralmajor ernannt, nachdem Boucguoi geblieben war, gegen den Fürsten vonSiebenbürgen , Beiklen Gabor, mit Glück. 1622 belehnte ihn der Kaiser mit derHerrschaft Friedland in Böhmen und erhob ihn 1623 zum Fürsten v. Friedland . —Als hierauf der Krieg auch das nördliche Deutschland ergriff, wo der König vonDänemark (1625) an die Spitze des niedersächsiscben Kreises gegen die Ligue trat,befand sich der Kaiser in großer Verlegenheit, weil es ihm an Geld und Trupvenfehlte. W. erbot sich, auf eigne Kosten und ohne den geringsten Beistand von Sei-len des Kaisers ein Heer von 50,000 M. aufzustellen, mit der Bedingung, deroberste Befehlshaber desselben zu sein und die in den eroberten Ländern eingetriebe-nen Drantschatzungen für sich behalten zu dürfen. Es war in jenen Zeiten nichtungewöhnlich, daß ein General ein Truppencorps auf eigne Kosten warb und sichdann in Feindes und Freundes Land für seinen Aufwand entschädigte. Aber daßW. ein so zahlreiches Heer aufstellen wollte, mußte als ein abenkeuerlicherPlan er-scheinen. Der Kaiser nahm jedoch W.'S Antrag aufjede Bedingung an und erhobihn bald nacbber zum Herzog. W.'S Name und dr- thätige Mitwirkung vieler ihmergebenen Ofsiciere machten, daß sich bald ein Heer von 25,000 M. unter seinenFahnen bei Eger versammelte. Unverzüglich zog er mit demselben (1625) nachFranken, wo das Land sie eine Zeit lang unterhalten mußte, dann durch Schwa-ben und den oberrheinischen Kreis nach Niedersachsen, wo er den Winter in Hai -