Wältig (Johann) 55
wurde nun zu den zugewandten Orten der Schweiz gerechnet, und hakte eine theilsaristokratische, theils demokratische Verfassung. Als 1802 Unruhe» m deiScdweizauödrachen, sondertesichWallis, unter franz. Einflüsse, von der Eidgenossenschaft ab,bildete eine sür sich bestehende Republik und nahm cme demokratische Verfassung an.Frankreich übte eine gewisse Schutzherrschafl über Wallis aus, ließ die Republik im'Auslande durch seine Gesandten vertreten, und hnltj die Pässe des Landes, dieihm wegen der Verbindung mit Italien wichtig waren, behüt. Auf Napoleons Befehl wurde die berühmte, 1800 rollendere Strafe über den Simplen (s. d.)angelegt. Da die Walliser die bei Anlegung diesti Slraße üben ommen,» Venbindlichkeiten nicht erfüllt hatten, und die innern Streitigkeiten zwischen Oben undUnterwallis nicht aufborten, so erklärte Napoleon am 12. Neu. 1810 die längstbeabsichtigte Einverleibung des ganzen Landes, unter dem Namen des Depcnt. desSimplen, mit Frankreich . Die Ereignisse von 1814 ändeiten auch das Schicksaldieses Landes. Durch die Acte des wiener CongresseS vcm 9. Juni 1815 wurdedas walliser Land als ein neuer Conto» mit der Sc! weiz vereinigt und in die Eid-,geiiossenschafl aufgenommen. Der ganze Canion ist in 13 Zehnten abgetheilt, de-ren jeder aus einigen Gemeinden behebt. Jeder Zehnte und jede Gemeinde hateinen aus verschiedenen Mitgliedern b,sichtenden Rath. Die cesitzgebente Gemalthat der Lankrath, zu welchem jeder Zehnte und der Bischof 4 Abgeordnete schicken;die vollziehende Gcwelr steht bei dein Staatsralhe und dem obersten Ge> ichie. DieSkaatSeinnahme belief sich 1824 auf 859,124 Fr., die StaaiSai saabe auf809,463 Fr. In geistlicher Hinsicht bildet der Canton ein eignes Bisihi in; dervom Lantraih gewählte Bischof hat seinen Sitz in der Hauptstadt Sion (Sitten )(2350 Einwohner mit einem Iesuitensiminar). Der Canton stellt zum Buntes-.Heere 1280 Miaun und gibt zu den allgemeinen Staatsbcdürfnissen des Bundes9600 schweizer Flanken.
Wallis (Johann), in Ashford 1616 geb., ein ausgezeichneter Mathema-tiker, war mehre Jahre Prediger. In dem bürgerlichen Kriege 1640 machte ersich in der Kunst, den Schlüssel zu den verborgensten Chiffem zu finden, bemeik-lich, hierauf durch mathematische Arbeiten und theologisch-polemische, während erzugleich ernst und feurig für Karl 1. sprach. 1649 ward er m Oxford Professor derGeometrie. Von der Zeit an blieb kein wichtiger Zweig der Mathematik von ihmunerforscht. Was s. Zeitgenossen in und außer England darin leisteten, ward vonihm beachtet, verbessert, bereichert, und wahrend er 1654 in Oxford auch l>. derTheologie wurde, berechnete er Sonnenfinsternisse, die Quadratur cesCükelS,entzifferte Geheimschriften und schrieb über die Berechnung der unendlichenGrößen („ Iritlnnotica inlinitorunO, Oxford 1655, 4.), die Kegelschnitte, oderstritt darüber mit andern Mathematikern, namentlich mik HobbeS, mu Fienikle inParis, mit Fermat in Toulouse . Die Zahl seiner Arbeiten in jedem Zweige derMathematik ist bedeutend, und da er bei Lösung der schwierigsten Aufgaben auchnoch Archivar und öffentlicherLehrer in Oxford war, bleibt es fast unbegreiflich, wieihm Zsst und Muße dazu wurde. Als Karl II. 1660 den Thron bestiegen hatte,ernannte er ihn zu seinem Kaplan. W. hatte in einer lateinisch geschriebenen Gram-matik der engl. Sprache (1653) s. Beobachtungen über die Sprache und über dieArt, wie Töne gebildet werden, mitgetheilt und seitdem fortgesetzt. Diese brachtenihn 1661 aus den Gedanken, zu versuchen, wie ein Taubstummer unterrichtetwerden könne. Es gb-ckte ihm. Sein Zögling lernte jedes Wort genau ausspre-chen. 1663 ward die so berühmt gewordene lieival 8ocwlv gebildet, und er einsihrer ersten Mitglieder. Seine mathematischen Arbeiten und die Beurihcilung derbei diesem Institute eingehenden fremden Abhandlungen gründeten mit den Rufder Anstalt. Von dieser Zeit an mit Problemen, mit Herausgabe alter in seinen,Fache bekannter Schriftsteller und mit Commentaren dazu beschäftigt, schien 2b.