Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Wolf (Friedrich August)

Priorität. Die Streitigkeiten, welche ihm daraus mit einigen solchen nachträumen-den Propheten erwuchsen, sind bekannt; unter Letztem suchte Heyne sich auch nochunter der Hand das Ansehen zu verschaffen, als sei Er, zu dessen Füßen W. gesessen,die Quelle, aus welcher dieser geschöpft habe. Dies veranlaßte die geistreichenBriefe an Heyne", von denen die drei ersten als treffliche Muster gelehrter Pole-mik und feiner Ironie betrachtet werden. 1801 legte W. das kritische Messeran mehre Reden Cicero'S, beweisend, daß sie unecht, als bloße Declamirübun-gen anzusehen und des großen Redners unwürdig seien. 1802 erschien seine AuSg.des Sueto.i. Nachdem W. 179K einen Ruf nach Leyden, 1198 nach Kopenha-gen, als Oberdirector aller höhern Schulen, und 1805 nach München abge-lehnt hatte, ward er, mit bedeutender Gehaltsvermehrung, zum königl. preuß.Gcheimenraihe ernannt. Während er mit seiner neuen Recension der HomerischenWerke beschäftigt war (1801 1), ward die Hochschule zu Halle aufgehoben. W.,seines Einkommens und, was ihn tiefer schmerzte, seines in jeder Rücksicht gesegne-ten Lehrstuhls beraubt, ohne Vermögen und zum Erwerb durch Büchermachenebenso schwierig als unlustig, sah sich in einer sehr drückenden Lage. 1807 ginger zum Besuch nach Berlin , wo er zu bleiben veranlaßt ward, um kort in der unge-störten Akademie der Wissenschaften thätig zu sein. Mehr als einen in dieser Zeitan ihn gelangten auswärtigen Ruf lehnte er ab, da sein Monarch ihm aus der Fernedie Versicherung zugehen ließ, daß alle mögliche Sorge für ihn getragen werdensolle, um ihn dem Vaterlande zu erhalten. An der Stiftung und Einrichtung derHochschule zu Berlin nahm W. mit Rath und That den lebhaftesten Antheil. Fürsich selbst wünschte er die Oberaufsicht der sämmtlichen berlinischen Schulen und diespecielle Direckion eines neuen von ihm einzurichtenden philologischen Semina-riums, in organischer Verbindung mit den Gymnasien und der Hochschule derResidenz, wozu er vortreffliche Vorschläge und Ansichten eingereicht hat. SeinHauptwunsch jedoch war: von allem Geschäftthum, was ihm Zeit undKraft zumLehren schmälern könnte, möglichst befreit zu bleiben. Da ihm dies nicht genügendgewährt wurde, blieb er nur kurze Zeit im eigentlichen Staatsdienste, als Tireciorder wissenschaftlichen Deputation und als Mitglied der Section für den öffentlichenUnterricht, im Ministerium des Innern. Er trat bald ganz aus dem Geschäfts-leben heraus, sich lossagend auch von den regelmäßigen Arbeiten eines ordentlichenMitgliedes der Akademie und eines ordentlichen Professors der Universität, nur dasRecht sich vorbehaltend zu freien Vorlesungen auf der Universität, als Ehrenmit-glied der Akademie. Der ihm seil 1807 gewordenen leidigen Muße verdanken wirunter Anderm die unvergleichlicheDarstellung der Alterihumswissenschaft" unddie ebenso geist - als kunstreichen Übersetzungen aus Horaz, Homer und Aristopha-neg. DieAnalekten", eine der gehaltvollsten Zeitschriften, brach er p ötzlich abund ließ seitdem nichts mehr drucken, um nicht auch dem herkingebrochen.n Censur-unwesen zu verfallen. Eine in den letztem Jahren oft wiederkehrende Kränklichkeit,deren Heilung sein Arzt nur vom wärmern Himmel des südlichen Frankreichs er-wartete, gab ihm den Entschluß ein, dorthin zu reisen. Er verließ im April 182 tBerlin und kam, höchst erschöpft durch die nur zu ungeduldig beeilte Rufe, imJuli zu Marseille an, worin heftiger, nicht ganz unverschuldeter Lungenkatarrhden Faden seines Lebens am 8. Aug. zerriß. Der classische Boden dir ural.enMossalia birgt nun die Reste des deutschen Mannes, der die Philologie zuerst zurWissenschaft und Kunst eihob. W. hinterläßt außer s. latein. und deutschenSchriften, in denen er sich als schöpferischen Meister in fast allen philologischenDisciplinen erweist, zah.reiche Lchü'er, welche die von ihm gestiftete preiswürdigeSchule des freien, von keinem Meister abhängigen Selbststudiums fortsitzen wer-den, streng darauf bedacht, daß sie nimmer in eine Schule für auer ausarte,wie die seines Namensvetters, des Hallischen Philosophen. Die treue Anhang-