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Zwölfter Band. W bis Z.
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464 Zeichen Zeichnungskunst

welche den höhern Ertrag veranlaßt haben, nichts beigetragen, so muß der Zehnt -.Pflichtige von dergleichen Verbesserungen gänzlich abgeschreckt werden. Auch hältder Zehnlein vielen Fällen den Grundbesitzer ab, te» Anbau minder einträglicherFrüchte mit dem Anbau ergiebigerer zu vertauschen, weil diese nicht so leicht gezehn-tet oder nicht so gut vom Zehntherrn benutzt werten könne». So konnte man nachAdam Smith s Versicherung in England erst versuchen, den Krappban emporzu-bringen, nachdem eine Parlamentsacte verordnet hatte, daß von jedem mit Krappbestellten Acker Feld statt des Zehnten 6 Schillinge entrichtet werden sollten; undder so nützlichen Verbreitung des Futterkräutewnbaus und der Obstcultur steht inmancher Gegend von Deutschland nichts mehr im Wege als die Furcht, den Haupt-ertrag dieser Benutzungsweise der Felder dem Zehntherrn überlassen zu müssen, derärnken will, wo er nicht gesäet hat".' Mit Recht ist daher den Regierungen dieAbschaffung der Naturalzehnten als eine der weisesten Maßregeln anzuempfehlen;eine solche Abschaffung aber ohne Entschädigung des Zebntherrn wäre Ungerechtig-keit. Gehört der Zehnte dem Staate, so ist er zur Bestreitung des Slaatsauf-wandeS bestimmt, und die Lücke in der Staatscasse, welche durch die unbedingteAufhebung des Zehnten entstehen würde, inüßle durch Abgaben der übrigen Bür-ger ergänzt werden; sind aber Privatpersonen die Zehntherren, so darf die Regie-rung noch weniger den Zehnten unbedingt und ohne Ersatz abschaffen, vhne einesEingriffs in wohlerworbene Rechte sich schuldig zu machen. Alles kommt demnachhierbei darauf an, mit dem Zehnten eine so wohlthätige Veränderung vorzunehmen,daß weder der Zehntderechtigte etwas verliert, noch der Zehnkpflichtige etwas zumNachtheil Jenes gewinnt; dies kann aber nur dadurch geschehen, daß man dieGrundstücke nach einem Durchschniklsertrage von mehren Jahren abschätzt unddanach den Theil, welcher dem Zehntherrn jährlich gibührt, bestimmt. Immerhinmag dann dieser Theil in Natur, d. h. in Körnern, abgeliefert, oder nach dem Markt-preise in Münze bezahlt werden l auf jeden Fall wird auf solche Weise der Zweck er-reicht, daß der Landmann fernerhin von der Verbesserung der Bodencultur nichtabgeschreckt, und nicht gehindert wird, seine Grundstücke nach freier Willkür zubenutzen. X. äl.

Zeichen, astronomische, mathematische, arithmetische, chemische und geo-metrische, s. Charaktere.

Zeichenlehre, in der Medicin, s. Semiotik.

ZeichnendeKüNste nennt man alle Künste, bei welchen Zeichnung vonsichtbaren Formen die Grundlage ist, also auch die Malerei, Bildhauerkunst (diebildende Kunst) und die Architektur; ferner die Kupftrstecherei -c.

Zeichnungskunst, als selbständige Kunst bewachtet, ist die ältere Schwe-ster der Malerei und tritt später mit der Geometrie in Verbindung. Sie ist dieKunst, sichtbare Formen und Verhältnisse zu einander durch Licht und Schatten aufFlächen darzustellen, dlmschreibungen durch Linien, und Versuche, durch dieseauf einer Fläche Dasjenige nachzubilden, was wir in der Natur in gerundeten For-men erblicken, dies ist der Anfang alles Zeichnens. Skiagraphie nannte manbei den Griechen solche Linearversuche, einen Schatten auf einer Fläche zu umschrei-ben. (Vgl.Silhouettirkunst.) Der altgriech. Sage nach wurden Zeichnungund Plastik bei derselben Gelegenheit erfunden; denn die Tochter des Dibuiades,welche den Schatten des Profils ihres scheidenden Geliebten an der Wand umschrieb,den der Vater dann ausschnilt und in Thon modellirte, wird uns als erste Zeichne-rin genannt. Zeichnung ist eine Kunst der Täuschung, sie will uns Erscheinungenvorzaubern, die nicht wirklich da sind; nur durch den geistigen Sinn, nur durchdas Auge, spricht sie zu uns, sie läßt sich nicht begreifen, dem tastenden Gefühlebleibt sie fremd. Sie bestimmt die Formen durch Linearumrisse und Schatten,die Nähe und Ferne der darzustellenden Gegenstände durch Hülfe der Perspektive.