Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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467
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Zeichnungskunsk, Zeichnungsschulen 461!

dratDa« zu zeichnen, was im Original darin st.ht. Soll eS ganz in derselbenGröße sein, so zeichnet man oft den Umriß durch einen ausgespannten schwarzenFlor, von welchem man ibn hernach abdrückt; dies gibt zwar keine bestimmte Form,aber es deutet genau die Plätze an, wo jede Partie hinkommen muß, und erspartdadurch dem Künstler ricl Zeit. Will man die scharf bestimmte Form ober nach-zeichnen, so muß man eine Ealque wachen, d. h. man nimmt mir Firniß ge-tränktes. ganz durchsichtiges Papier, und legt es cuf das Gemälde; der Umrißwird nun mit einem feinen St st umschrieben, dann auf der andern Seite des Pa-pieres mir geschabter Kreide bestrichen und ni n abgedrückt, indem man den Umrißmit dem Stifte nochmals übergeht; dies nennt man calkiren.

Die Hand-cichnungen großer Meister werden sehr geschätzt, da sich in ihnendas erste Feuer, womit sie e-'ne Idee soffen, am deutlichsten und genialsten auSspricht.Es wird eben daher, weil hier Alles auf die flüchtige Leichtigkeit ankommt, womitdie Idee ausgesprochen ist, weil schwerer, eme täuschend ähnliche Copie von einerHandze chnung zu machen, als von eimm ausgeführt,,: Gemälde. Die großenMa-lerschulen unterscheiden sich ebenso sehr in derAeichnung als in derMolerei, und eingeübtes Auge wird die Meister ebenso le chl in ihren Zeichnungen unterscheiden kön-nen wie m ihren Gemälden. Der Styl der Zeichnung ist bei der ganz altitalienischenSchule ebenso hark, trocken und mager, wie bei der altdeutschen, nur daß dort edlereund schönere Formen durchblicken und richtigere Verhältnisse, bei der altdeutschenoft aber noch bctcukunge vollerer Tiessinn, der sich mehr zur Poesie als zur bildendenKunst hinneigt. Lpäier wurde in Italien die römische Schule, durchRafael'S rei-nen Sinn für schöne und charaktervolle Formen und durch sein Studium der Antike,die echte Lehrerin und Bemahl erin schöner Zeichnung; die florenlin. Schule wolltesie gerade hierin übertreffen und verlor durch Übertreibung, was sie anGebhrsamkeitund streng anatomischem Studium wol voraus gehabt hätte. Die Meister dieserschule wählen oft kühn verkürzte Stellungen, nur um ihre Muskelkenntniß zu zei-gen. Bei den Römern ist jeder Pinselstrich zugleich gemalt und gezeichnet. Die Flo-rentiner brauchen den Pinsel bisweilen, als ober nur ein trockenerZcichenstist wäre.In der lombarkischen Schule schimmert zartcmpfundene Zei, .nung durch den zau-berischen Farbenschmeli, doch ist sie mehr der Natur und dein Gefühl abgelauscht alsnach streng wissenschaftlichen Regeln gebildet. Bei der venetianischen Schule ver-schwimmt tie Z.ichnung oft in dcrFulle derFarbenelut, und wenn sie bei einigenMeister» kühn und kräftig hervortritt, so sind es mehr die Formen gemeiner Natu-ren ohne tiefern Sinn, ohne Adel und Würde, nur imponirend durch ihre keckeWah' heit und üppige Fülle. Die Denetianer sind die italien . Niederländer, dennan dieser und ihrer Schule bemerkt man gleiche Vorzüge, nur mit noch weit unedle-rer Gemeinheit gepaart. Die stanz. Schule war zu Povssin's Zeiten sehr correct inder Zeichnung, und mit Recht nannte man diesen Meister den fronz. Rasael; spä-ter wurde derStrl äußerst manierirt; erst David führte richtige und reine Zeichnungund streng,g Studium der Antike wieder ein; durch letzteres sowie durch sehr festeZeichnung unterscheidet sich die neuere franz. Schul». Die jetzt lebenden deutschenMeister haben zwar verschiedenen Styl, um so mehr aber ist er aus eignen» Gemüthund eignem Studium der Natur und der großen Meister entsprossen, und diese Ei-genthümlichkeit geiadc sehr löblich; möchte nur nichteine so großeAnzokl deutscherKunstjünger durch die blinde Verehrung der altdeutschen Schule vorn rechten Wegeverlockt werden! Die Zeichnung in der Malerei bestimmt stets den Geist einesKunstwerks, während die Farbengebung w ehr den Körper und Ausdi uck desselbenbildet, und die letzte Ausführung (l oiouulie) die Seele hineinhaucht. S.dlonu-rnens cles :«i tr rlu üe«8in elicx Irr. peuples tont onuiens gue nincksrne», reaueil-lis z>r,r le Ilse. Virsut Uri-on. p. ?ri>. ö I'birk. clc« »rtr, lilbopropliio!, »onr sesreux, clecrils et e^^liizur, pur ^muui> l^ursl (PariS 1829, 4 Bde., Fvl.).

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