Zeitungen, deutsche 477
nicht viel mehr als den Kostenaufwand decken. 1817 betrug er gegen 2000 Exem-plare; jetzt geben einige denselbenZ» 5000,Andre zu 1500—2000 an. SeitOstern1824 wird sie mit einer Dampfmaschine gedruckt. Noch gibt Cotta in München seit 1828 „Das Ausland", ein Tageblatt für die Kunde des geistigen und sittlichenLebens der Völker außerhalb Deutschland , und nach ähnlichem Plane „Das In-land" seit 182 > heraus. Das letztere umfaßt bloß Deutschland und nimmt vorzüg-liche Rücksicht auf Bauern. Im 1.1829 verlegte Cotla 21 Zeisichr. und Tagbl.
Während der franz. Unterjochung konnte sich das deutsche Zeitungsw-sen nir-gends ausbilden, denn jedes Blatt hütete sich, eine polit. Neuigkeit zu erzählen, solang? sie nicht im „Moniteur" oder in den halbosuciellen pariser Blättern gestan-den hatte. Der „Westfälische Moniteur" in Kassel wurde von Murhard u. A. ins. Art zweckmäßig besorgt und von manchem trefflichen Mitarbeiter, z. B, von Vil-lers, mit anziehenden Beiträgen ausgesteuert. Die Freiwerdung Deutschlands 1813gab einer Menge politischer Blätter ihr Entstehen. Kotzebue wurde von dem russ.General Witgensteln zur Heransg. einer Zeitung, um auf das Volk zu wirken, ein-geladen; so entstand in Berlin dessen „Russisch-deutsches Dolksblatt". Ebendabegann Niebnhr „Den preuß, Correspondenten". Beide gingen bald unter. Nachder Überschreitung der Eibe durch die vereinigten Heere unternahm F.A, BrockhauS(damals in Altenburg) ein, polnisches Blatt u. d. Tit.: „Deutsche Blätter ", diein der ersten Z--it mit einem außerordentlichen Beifall gelesen wurden. Zu den be-rühmtesten Zeitungen dieser Periode gehörte der „Rheinische Merkur" von Nör-res (s. d.). Am 23. Jan. 1814 erschien da« erste, und am 10. Jan. 1816 da«letzte Stück. Die durch einen CabinetSbefehk bewirkte Unterdrückung desselben kamdem Vf. vielleicht nicht ungelegen; denn der Ton des „R hei nische n Merkur" ließsich unmöglich in einer ruhigen Zeit, und am wenigsten in einem rein monarchischenStaat ohne constitwionnelle Formen, fortführen.— Der „Deutsche Beobachter"ward 1813 nach der Einnahme Hamburgs von einem Hrn. Dävel, Secretair Tet-tenbom's, unternommen und späterhin eine Zeit lang von Cotta, dem Unternehmerder „Allg meinen Zeitung", fortgeführt. Allein er harke bei dieser Unternehmungin kurzer Zeit gegen 25,000 Mark Banco Einbuße. Sie kam jetzt in Dävel's Hän-de zurück und fand an Rödinq und Benzenberg Stützen, welcher Letztere durch siebesonders s. staatswirchschaftlichen Ideen in Umlauf sitzte. Mit Anfange 1819hörte Denzenberg's Theilnahme auf, und nach den frankfurter Dundestagsbeschlüs-sen vom 20. Srpk. 1819 schloß der Unternehmer s. Blatt. Nach einem umfassender»Plane erscheinen in Hamburg seit dem Nov, 1829 die „Deutschen AllgemeinenBerichte siw Politik, Cultur und histor. Überlieferung" von C. F. E. Richter.
Im Östreichischen, das bis dahin außer der osficiellen wiener, keine Zei-tung von irgendeiner literar. oder polit. Bedeutung hervorgebracht hakte, war in-zwischen der „Östreichische Beobachter" entstanden, der bald als halboffi-ciell betrachtet und in ganz Deutschland mit Aufmerksamkeit gelesen wurde, da erdas einzige Blatt war, das sich erlaubte, von Zeit zu Zeit einige Lichtstrahlen überSpanien und die polit. Stellung der europ. Mächte in die Nacht der Zeit von1809 — 12 zu werfen. Der Eigenthümer und Herausgeber dieses Blattes warund ist noch Hr. v. Pikat, ein g b. Hanoveraner, der in Wien zur rdm. Kircheüberg-gangen und als Privatsecretair beim Fürsten Metternich angestellt war, des-sen Stellung daher besonderkrs V rtrauen einflößen mußte. Der Absah desselbenstieg 1813 enie Zeit lang bis auf 8000 Exemplare. In Ungarn und den damitverbundenen Ländern nebst Siebenbürgen erschienen 1829 nur 7 polit. Zeitungen,theils in ungar., theils in deutscher Sprache, und 9 nicht polit. Zeit., davon 4 inUngar. Sprache. Nach dem „Hcsperus" verhielt sich 1824 die bstreich. Zeikungs-literatur mit Einschluß der bbhm>, ungar., italien. , zur preußischen, wie 27 zu47. — Die Preußische Staatszeitung stand zuerst unter der Leitung desStaatsraihs Stägemann; verschiedene Einwirkungen aber verleideten demselben