Band 
Fünfter Band. H bis Jod.
Seite
643
JPEG-Download
 

-Italienische Poesie

843

nd ungefälligsten. Überdies waren die Genueser und Denetianer zu sehr mit ihremWandel beschäftigt, die Florentiner bei innern Parteiungen und Fehden zu unbe-mit dem Geiste des RitterthumS, die Päpste aber, versenkt in Theologiend Kanonistik, überhaupt der Poesie zu fremd und ungeneigt, als daß sie hier«""-st als ein einheimisches Gewächs hätte aufsprossen können,Nur bei den Sftmauern konnte sich ital. Poesie entwickeln. Denn sie, ein poetisches Völk seit dem"""hume, sprachen einen Dialekt, der sanft genug war, um darin mit Anmuthdichte». Weder Gewinnsucht noch scholastische Fehden stumpften ihren Sinn fürSchöne ab. Nicht so leicht als den Lombarden war es ihnen, proverwalischränger in ihre Mitte zu ziehen oder selbst in jenes Land der Liebe und Dichtkunst° Wallfahrten; aber es schallten genug der Lieder zu ihnen herüber, welche sie er-bitterten, in eigner Mundart ähnliche Versuche zu wagen". Zudem war ein Hoff"ch an Mustern ritterlicher und fürstlicher Tugend, ihnen nahe. Friedrich II ,"lebte einen Theil seiner Iugendjahre in Palermo (11881212), er, der mit. Hand einen Dichter krönte, an dessen Hof, wie der alte Novellist von ihmlee allen Gegenden Troubadours, Saitenspieler, schöne Redner, Künst-

' Turnieren, Fechter, Leute von aller Art von Geschicklichkeit strömten, weilgern gab und so freundlich war, und dessen adelige Sinnesart der ernste Dante>t noch schönern Lobsprüchen erhebt. Aber nicht sich begnügend mit dem Anhöreneinher Verse, gefielen Friedrich und sein Hof sich in eignen poetischen Versuchen/

. ^eichen von ihm, seinem natürlichen Sohne Enzio und seinem berühmten Kanz»spietro delleVigne (Petrus de Dineis) noch übrig sind. Von den aufSicilieNpij ^nen Dichtern jener Zeit war einer der vorzüglichsten Ciüllo d'Alcümo, von demms ""en jn Form und Charakter ganz der provemMschen Poesie angehangenö eAselgefang besitzen; ferner finden sich die Namen und Überbleibsel eines Zacopoy, "nrino, il Notajo genannt, eines Guido und Oddo delle Colonne, eines Ra-eines Ruggieri und Znghilftedi von Palermo, eines Arrigo Testa, eines^wfano, Protonotars von Messing, und einer MonNa Nina, welche bis an dasWalter Dante'S reichen und Ursache waren, daß man Alles, was damals in ital.gen gedichtet wurde, sicilianisch nannte. Nach 1300 gab Sieilien dem übri-gnü ^Ealien keine Muster mehr. Statt dessen sehen wir in Bologna , Florenz unda ,"n Städten Toscanas die eigentlichen Begründer der altitalien. Dichterschule Der älteste uns bekannte derselben ist vielleicht Folcachiero de' Folca-^"<abcr der bei weitem wichtigste Guido GUiNicelli aus Bologna . Eine MengtZib, '^kern traten in Toscana auf, von denen Crescimbeni Namen Und Probenihnen verdienen aus dem 13. Jahrh, genannt zu werden: Guittone^atin/^ (ein Buch Gedichte und 40 Briefe in Prosa Mit Versen gemischt), Brünett»sxi^^ .srvei poetische Werke:II tesoretlo" undIl p^mkli»"), Guido Cavalcantii ""erufimte CanzoNe u. a. Gedichte), Ugolino Ubalditti (eine treffliche Idylls^gelnufiiger CanzoneNform) und Dante von Majano (ein Buch Gedichte):^ Zegen finde» wir in den übrigen Provinzen kaum einen und den andern Dichter.

Sängu-n der irdischen Liebe sieht allein da ZacopoNe da Tödi als Dich-te una ^ Lieder. Betrachten wir die Formen der ältestem ital, Poesie, so sind"ber ^m Armand Daniel und andern Provenralen nachgeahmt, meistens"^silben, in welchen sich die spätere ital, Dichtkunst, Nur mit größerer Voll»sind» ^nheit, bewegte, nämlich Canzonen, Sonette, Balladen und Sestinen; auch^tri» den Sieilianern schon die Oktave. Was ihren innern Charakterist dieser schon in jener frühesten Periode höchst bestimmt ausgesprochen,heg ist das Höchste in allem menschlichen Sein und Wirken. Besonders gilt8eiin,..^ Poesie, welche ja eben auch das Verhältniß verkündigt, worin ein ganzeslfthhg ^ i" Gott und der Natur steht. Wie nun die sinnliche Religion Griechen-nothwendig zur Objeetivität und auf das Plastische in der Kunst dringe»

44 *