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die ausgedehnteste Geltung in der organischen Natur zukommt, und das durchalte und neue Erfahrung festgestellt, ja seihst durch das Experiment vielfacherprobt ist, plötzlich durch einige nicht hinreichend erklärte Fälle beeinträch-tigt zu sehen. In solcher Stimmung mag es Vielen als Pflicht erscheinen denvermeintlichen Ausnahmen die Anerkennung so lange als möglich zu versa-gen. Aber man kann solchen paradoxen Erscheinungen auch mit anderen, gün-stiger stimmenden Erwägungen entgegentreten, die nicht minder auf die Ge-schichte wissenschaftlicher Errungenschaft sich stützen. Sind es denn nichtgerade die Ausnahmen, die Abweichungen vom Gewöhnlichen, welche unsden Schlüssel zur richtigen Beurtheilung der meisten Erscheinungen des orga-nischen Lebens gegeben haben? Gewifs! sie sind es hauptsächlich, die unsvon zu eng begrenzten Auffassungen zu erweitertem Verständnifs den Wegbahnen, die uns den Blick in die gröfseren Kreise der Möglichkeiteneröfinen, welchen die Normalfälle angehören, die uns den wesentlichen Zu-sammenhang anscheinend unvereinbarer Verhältnisse offenbaren. Wievielverdankt die Morphologie, insbesondere die Metamorphosenlehre, der Unter-suchung der Monstrositäten; die Blattstellungslehre dem Studium der Ab-weichungen von den normalen Verhältnissen! Auch auf die Systematik desPflanzenreichs \md bis ins Einzelne der Familien, Gattungen und Arten er-streckt sich dieser Einllufs. Wie wichtig für das richtige Verständnifs deswahren Charakters der Dicotylen sind die Ausnahmsfälle in der Zahl der Co-tyledonen bei Cyclamen, Corydalis (Bulbocapnos ); ebenso für die Be-urtheilung des Bliithenbaus der Monocotylen das ausnahmsweise zweizähligeNajanthemum und die vierzählige Paris . Wie bedeutsam ist das fünfmän-nige Verbascum unter den didynamisehen Scrophularineen, das zweimännigeCypripcdium unter den Orchideen, das sechsweibige Triglochin maritimurnunter den dreiweibigen Gattungsgenossen, das Vorkommen einer Varietasbracteosa lür die normal bracteenlose Farsctia clypeata und die übrigenhierin ähnlichen Cruciferen. Man darf nicht übersehen, dafs die Gesetzedes organischen Lebens, so weit sich dieselben nicht auf die untergeordnetenphysikalischen Prozesse beziehen, nicht dieselbe durchaus bindende Kraltbesitzen, wie die Gesetze der unorganischen Natur. Wenn auch der Organis-mus in seiner Verwirklichung physikalischen Bedingungen unterworfen ist,so liegen doch die eigentlichen Ursachen seiner morphologischen und biolo-gischen Eigenthümlichkeit nicht in diesen Bedingungen; seine Gesetze ge-