187
dargeslellt; Unger bat bei Primula chincnsis (Taf. 55. B, F. 1‘2, 13) sogareine Umgestaltung der Ovula in fruchtblattartige Gebilde beobachtet und dieaus den Nähten fruchtblattartig verwachsener Kelchblätter von ChciranihusC-heiri hervorwachsenden Blumenblätter, welche C. Schimper beschriebenhat, lassen sich gleichfalls als eine den üvulis entsprechende Bildung be-trachten. Allein Blätter setzen eine Achse voraus und, da die Annahme derAchsennatur der Placenten für die Mehrzahl der Pflanzen entschieden wider-legt ist, so fällt auch die Annahme, dafs die Ovula Blätter, nämlich ganzeBlätter seien, für die Mehrzahl der Pflanzen weg. Nur für diejenigen Fällekönnte sie aufrecht erhalten werden, in welchen die Anwesenheit einer vonder Blüthenaehse gebildeten Placenta nicht geläugnet werden kann, alsonamentlich für die Primulaceen, von denen zur Unterstützung dieser Auf-fassung noch angeführt werden kann, dafs die Ovula, wie schon Gaudi-cliaud bemerkt hat, an der centralen Placenta nicht in Reihen geordnet sind,deren Zahl in bestimmtem Verhältnifs zur Zahl der Fruchtblätter steht(*),sondern bei gleicher Zahl der Fruchtblätter quirlige und spiralige Anordnun-gen zeigen, welche, nach bekannten Blattstellungsregeln variirend, eine ver-schiedene Zahl der Zeilen hervorbringen( 2 ).
Mit der Feststellung der Thatsache, dafs die Placenten bei der Mehr-zahl der Pflanzen dem Fruchtblatt selbst angehören, mufs also auch die zu-erst angeführte Deutung der Ovula dahin abgeändert werden, dafs dieselbenin der Mehrzahl der Fälle nicht als ganze Blätter, sondern als Theile einesBlattes, und zwar als Randgebilde, als eigenthümlich veränderte Zähne,Lappen oder Fiederblättchen des Fruchtblatts aufgefafst werden, wiedies schon von Roeper in der Note über Dclphinium crassicaulc angedeu-tet( 3 ), von Brongniart auf Grund der an Dclphinium clatum beobachte-ten Übergänge ausgesprochen wurde, zugleich jedoch mit der Anerkennung,dafs dem Ovulum noch ein weiterer, nicht als blofse Fortsetzung des Frucht-
(') So 111 der lainilie der Caryophyltaceae.
(2) So fand ich Z. 1> hei dnagallis arvemis, deren Pericarpium ans 5 Fruchtblättern ge-
bildet ist die Ovula in S bis 14 senkrechten Zeilen, hervorgebracht durch die abwechselndquirligen 'und spiraligen Anordnungen 4, 4, 8 — 4, ß, <J — ß, ß, 10 — ß, 6 , 11 — 6 , 6 , 12_ ß 7 _ 7 ^ 7 ^ i 4 ? oder in anderer Ausdrucksweise
(’) „Scrraturae sensim abierant in ovula”. Roeper 1. c.
dnrrli l t t $- 2- 2- «
uiucu 6 , „ , 0 , j^,
L 2