236
Aufgabe des Keiinlebens, welche nicht anders als mit der ersten Bildungdes Keims anheben und nur successiv erfüllt werden kann.
Ich glaube genug gesagt zu haben, um die durchgreifenden Unter-schiede, welche zwischen Radlkofer’s und meinen eigenen Ansichten vomAnfang des individuellen Lebenscyclus bestehen, zur Deutlichkeit zu bringen,so wie den Sinn, den ich in meinen Darstellungen mit dem Worte Keimverbunden habe, in soweit klar zu machen, als es nöthig war, um den Vor-wurf einer Selbstmystilication mit diesem Worte (Radi. S. 25) von mir ab-zuwenden. Wenn ich in den vorstehenden Ausführungen vorzugsweise andas thierisehe Ei angeknüpft habe, so geschah es, um die Frage nicht durchHereinziehung der bei den Pflanzen auftretenden complicirteren Verhältnissezu verwirren; allein, nachdem einmal fest steht, dafs für den Anfang desindividuellen Lebenscyclus der Befruchtungsmoment nicht maafsgebend ist,und dafs es eine Keimentwicklung ohne Befruchtung giebt, ist auch für Be-handlung der weiteren Frage, ob bei denjenigen Pflanzen, welchen eine dop-pelte Keimbildung zukommt, der ganze Lebenscyclus mit der Keimzelle,welche befruchtet wird, oder mit der Keimzelle, welche nicht befruchtetwird, beginnt, ein freierer Ausgangspunkt gewonnen, ln welcher Weiseich versucht habe, von diesem Grunde aus die Fortpflanzungsverhältnisse derPhanerogamen und Cryptogamen im Zusammenhänge mit der verschieden-artig abgestuften Lebensgeschichte derselben in Übersicht zu bringen,brauche ich hier um so weniger zu wiederholen, als Radlkofer selbst ge-gen diese Ausführung „vom morphologischen Gesichtspunkte aus” keineEinsprache thut.
III.
Wenn ich nun endlich über die Frage mich aussprechen soll, ob dieFortpflanzungsapparate der Cryptogamen als Bliithen zu be-trachten sind, oder nicht, so mufs ich zunächst bemerken, dafs dieFrage sich nicht um einen blofsen Wortstreit dreht. Ich gebe gern zu,dafs es in Ermangelung einer genügenden Terminologie für die Fortpflan-zungsverhältnisse der Cryptogamen bequem ist in gewissen Fällen, besondersbei den Moosen, den Ausdruck Blüthe von den Phanerogamen zu entlehnen,ja noch mehr, ich stelle nicht in Abrede, dafs bei den höheren Cryptoga-men noch einige der Blüthe der Phanerogamen vergleichbare Verhältnisse