Buch 
Polyembryonie und Keimung von Caelebogyne : ein Nachtrag zu der Abhandlung über Parthenogenesis bei Pflanzen / von A. Braun
Entstehung
Seite
238
JPEG-Download
 

238

auch Radlkofer ursprünglich die Aufgabe in diesem allgemeinen Sinnegefafst hat( 4 ) und erst später ( 2 ) zum Beludder Aufrechthaltung des einmalgegebenen Schemas auf den Gedanken zweier gleichberechtigter Auf-fassungsweisen, je nach Einhaltung des morphologischen oder physiologi-schen Gesichtspunkts, gekommen ist. Wäre diese Unterscheidung begrün-det, so müfste nothwendig über beiden einseitigen Auffassungen noch einedritte, beide vereinigende und berichtigende liegen, und diese, glaubeich,haben wir beide gesucht und gewollt. Der Unterschied unserer Darstellun-gen liegt sicherlich nicht blofs in der relativen Hervorhebung des physiolo-gischen oder morphologischen Princips, denn es ist ohne specielle Nachwei-sung augenfällig, dafs die von Radlkofer in Parallele gestellten Lebensab-schnitte ebensowenig eine durchgreifende physiologische, als die von mir inParallele gestellten eine durchgreifende morphologische Übereinstimmungerkennen lassen ( 3 ), und Manches in Radlkofers Darstellung erscheint,ungeachtet der von ihm gegebenen neuen Erläuterungen (Abschnitt 111,S. 43 u. f.), gerade vom rein physiologischen Standpunkt am wenigstenbegreillich ( 4 ).

(') Der ISefrucbtungsprocefs im Pilaiizenreielie, Abschnitt III., S. 84 u. f. Nur einmal,nämlich hei Retrachlung des Verhältnisses der Moose zu den Farnen (S. 90-93), schwanktRadlkofer zwischen einermehr morphologischen undmehr physiologischen Auffassungs-weisc, von denen die erstere in Tabelle II, die letzlere in Tabelle I ihren Ausdruck findet.Die Entscheidung, welche von beiden den Vorzug verdiene, üherläfsl er dem künftigen Ge-richte der Wissenschaft (S. 93).

Über das Verhällnifs der Parthenogcnesis zu den anderen 1 ortpHanzungsarlen S. 34.

( s ) In Radlkofers Tabelle I steht z. R. in gleicher Linie der Keimling der Phanero-gnmen und die sporenbildende Mooskapsel nebst dem aus den Sporen sieh entwickelndenProtonema. Giebt cs physiologisch Verschiedenartigeres ?

( , ) So z. R. die verschiedene Stellung, welche den Sporen der Moose und Farne ange-wiesen wird, oh sie gleich auf ähnliche Weise erzeugt und ausgesäht werden, unter ähn-lichen Redingungen sich schlafend erhalten und unter ähnlichen keimen und endlich in ähn-licher Weise der Erhaltung und Verbreitung der Art dienen, welches doch wohl alles phy-siologische Übereinstimmungen sind. Dafs das aus der Spore sich entwickelnde Protonemader Moose nicht unmittelbar Autheridien und Archegonien trägt, wie das Prothallium der Farne,berührt die physiologische Aufgabe, die die Spore seihst erfüllt, nicht im geringsten. Wenndaher 1\adlkofer dennoch Gründe hat die Spore der Moose und die der lfarne nicht als ent-sprechende Glieder im Lcbenscyclus dieser Pilanzen zu betrachten, so können diese Gründeeben keine im engeren Sinn physiologischen sein, sondern müssen einem höher liegendenGesichtspunkte angehören.