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Technisches Handbuch des Eisenbahnwesens : eine kritische Zusammenstellung der meisten bis jetzt bekannt gewordenen Erfahrungen im Eisenbahnwesen ... / Nepomuck Steinle
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Ueber die atmosphärische Bahn.

den Seilzug konsumirt werden. Stephenson sagt ferner:Die Vergleichungen, inwelche wir eingingen, zeigten uns, daß für die Euston Rampe das Seil ein vielwohlfeileres Fvrtschaffungsmittel ist, als die Vakuumröhre; würde aber die Rampeauf 3 bis 4 Meilen fortgesetzt, so wäre dieß sehr in Frage zu stellen, weil der vonder Reibung des Seiles herrührende Kraftverlust genau im Verhältnisse der Längezunimmt; beim atmosphärischen System aber nimmt der Verlust durch das Leckwer-den nicht so schnell zu, weil ein großer Theil desselben von dem Kolben der Luft-pumpe und Röhre herrührt, und für alle Längen der Röhren sich gleich bleibt."Dieser Satz ist so, wie ihn Stephenson hin stellt, nicht in seiner ganzen Ausdehnungrichtig; denn die Reibung der Dampfmaschine selbst und jene der TranSmissionSma-schinerie mit einander sind auch eine durch die Belastung nicht sehr veränderlicheGröße, welche aber allerdings nicht so bedeutend ist, als der Verlust an den Pumpenund Treibkolben deö atmosphärischen ApparateS.

Es mag seyn, daß nach Stephensons Behauptung die Kosten der Beweg-kraft eines atmosphärischen Apparates bei einer 2 3V- engl. M. langen Bahngeringer sind, als jene einer Seilbahn; doch halte ich es für höchst wahrscheinlich, daßselbst bei hohen Feuerungöpreisen diese Differenz durch die größer» Reparaüonskostender Vakuumröhre lind ihres Zubehöres so wie durch die für die höhern Anlagskostendes atmosphärischen ApparateS in Rechnung zu stellenden jährliche Kosten mehr alsausgewogen wird. Ich glaube also nicht, daß es ein Verhältniß giebt,unter welchem ein atmosphärischer Betrieb wohlfeiler ist, als einSeilzug mit unendlichem Seile, vom Systeme Beyse ganz abgesehen. Stephensongab obiges Urtheil schon 1843 an, in einer Zeit, in welcher der Betrieb der Dublin Dalkey Bahn erst begann und die wirklichen Kosten ihres Betriebes noch nicht öf-fentlich bekannt waren. 1848 möchte Stephensons Urtheil wohl anders ausfallen.

971. Der einzige Fall in welchem, oberflächlich betrachtet, eine atmosphärischeBahn aus Steigungen von mindestens 1 : 12 sich statt einer Seilrampe zu em-pfehlen scheint, wäre ein sehr langes, von den steilsten Wänden eng einge-schloßnes, in den schärfsten Krümmungen steil aufsteigendes Gebirgsthal, eine Streckevon idealer Ungünstigkeit, auf welcher der Seilzug der vielen scharfen Ecken wegennoch größer» Kraftverlust und theuerere Konstruktionen der Seilrollen hervorriefe.Doch dürfte dieses Thal von starken Schneewehen und kleinen Lawinen nicht heim-gesucht sein, indem solche dem Verschlüsse der Vakuumröhre noch viel ungünstigerwären, als dem Seilzuge. Es wäre in einem solchen Falle bei so enormen stati-schen Momenten, wie hier vorkommen dürften, die geringere Bewegkraft, welche denAusschlag für die atmosphärische Bahn geben würde. Dieß kann aber nur dannseyn, wenn die Bewegkraft sehr theuer ist, wenn nicht ein natürliches Gefälle odereine Windwassermaschine, sondern wegen Mangel an Wasser nur Dampf angewen-det werden könnte. Jede derartige Anwendung der atmosphärischen Bahn könnteaber überhaupt nur dann versucht werden, wenn es einmal gelungen ist, den Be-trieb der atmosphärischen Bahn zuverlässig zu machen, wozu aber durchauskeine Aussicht vorhanden ist trotz der zahlreichsten Bestrebungen. Wenn auf derCroydon Bahn von 1 : 50, auf der St. Germain Bahn von 1 : 28,6 der Apparat