570
Neuntes Kapitel. Ueber die atmosphärische Bahn.
versagt, kann man sich mit Lokomotiven helfen. Auf Steigungen von 1 : 10 bis 12hilft aber Nichts mehr, hier muß man den Betrieb einstellen. Selbst ein doppelterApparat hilft nicht immer, indem durch Elementarereignisse beide Röhren unbrauch-bar werden können. Also fällt jede Möglichkeit einer günstigen Anwendung der at-mosphärischen Bahn weg.
972. UebrigenS hat das atmosphärische System außer seiner Unverläßigkeit und
Theuerung noch verschiedene andre geringere Nachtheile im Betriebe: 1.)Kann zwischen 2 Stationen nur Ein Train auf den Schienen seyn. 2.) Ist zwi-schen ihnen kein AuSweichplatz denkbar, waS bei etwas bedeutender und unregelmäßiger
Frequenz, wie auch schon die Erfahrung bewiesen, ein zweites Geleise nöthig macht.3.) Kann der Train nur langsam halten, was bei Unglücksfällen von Wichtigkeitist. 4.) Braucht man zum schnellen Halten einen Hahn im Kolben, um Luft einzu-lassen und so den atmosphärischen Druck zu mindern und aufzuheben. Hiedurchkann ein Train nach dem Halten nicht sogleich wieder in rasche Bewegung kommen,weil erst ein hiezu hinreichendes Bakuum geschaffen werden muß. 5.) Kann derTrain nicht zurückgehen, was im Betriebe viele Nngelegenheit veranlaßt.
973. Man hoffte auch einst mit dem atmosphärischen Principe größere Ge-schwindigkeiten zu erreichen, als mit der Lokomotive. Ich bezweifle nicht,
daß dieß richtig ist, weil man hier nur dem Train selbst die Geschwindigkeit mitthei-len muß, nicht aber, wie beim Lokomotivbetriebe, auch der bewegenden Maschine,deren Schwere überdieß noch mit jeder Steigerung der Geschwindigkeit zunimmt.Faktisch aber ist die größte mit einer Lokomotive erreichte Geschwindigkeit 90, jeneauf der atmosphärischen Bahn 60. Wird nun mit solchen Geschwindigkeiten gefahren?Nein, auf der Dalkey Bahn fährt man zu Berg mit 26,5, zu Thal mit 18 M. Ge-schwindigkeit. Warum? Weil größere Geschwindigkeiten nicht ökonomisch sind (8-647).
974. So wenig das atmosphärische System auch unmittelbar für das Eisenbahn-wesen geleistet, so sehr haben die Debatten über selbes, die zahlreichen Versuche mitselbem, die unermüdlichen mit einer kaum je vorgekommenen Beharrlichkeit durchge-führten Bestrebungen, den Mängeln deS atmosphärischen Systems abzuhelfen, dieWissenschaft bereichert, besonders in Bezug auf pneumatische Maschinen.
Schlußresultat.
975. DaS atmosphärische Princip eignet sich wegen seiner Unver-läßigkeit, seinem theuern Betriebe und mehreren anderer kleinerBetriebsnachtheile unter keinerlei Umständen für den Eisenbahn-betrieb. Die nächste Hauptursache seiner Unverläßigkeit und seines theuern Be-triebes bleibt immer die mangelhafte Dichtung deS Kolbens und deS Röhrenverschlu-ßeS, welcher der Natur der Dinge nach wohl nie so weit abgeholfen werden kann,um daS System ökonomisch anwendbar zu machen.