547
gen sey, dies habe ich bereits §. 30. angezeigt, und wird hier bey dem wildbachecaprun recht anschaulich erwiesen !
Zur Begegnung der Einwürfe solcher Personen , die etwa in der Nähe der Glet-scher Gräsereyen, Blumen und vutterkräuter angetroffen haben , mufs ich bemerken,dafs auf den Gebirgen die gegen ihre Abhänge anprellenden Sonnenstrahlen wirksamsind , welche den Boden erwärmen, dafs das über diese Abhänge herablaufendeschneewasser noch rein und nicht mit nalktheilen, wie das wasser der wildbache,geschwängert ist, welches, indem diese wildbache in tiefe Thäler strömen, sehr kaltbleibt. Daher denn auch daselbst weder Gras noch Eutterkräuter wachsen , wo dieaus Gletschern tretenden wildbache eine Gegend oft überströmen. Eine Beobachtung,die jedermann in Tirol bestättigt finden wird. Als ich daher den ran dienten imrinzgauthale damit bekannt machte, dafs Jemand den Vorschlag gemacht habe, denwildbach caprun in die Sumpfbezirke zu leiten, so wollten sie dies nicht glauben,weil derselbe zu sonderbar sey; auch erklärten sie sich, die Ausführung desselbenauf alle mögliche weise zu hindern, und ihre Beschwerden vorzubringen, wenn siesähen , dafs es damit Ernst werde !
§. 133. Damit nun der capruner ■ wildbach den salzachflufs mittelst seinerfehlerhaften Ausmündung in seinem raufe nicht aufhalte , und die Hochgewässerdieses Baches nicht mehr in das Filzermoos einfallen mögen, so mufs dessen aus-miindung 1430 schuh abwärts, mittelst eines Faschinenbauwerkes, verlängert, undvon dem Salzachflusse getrennt, die Breite des letztem aber zu 100 Fufs gelassenwerden, als welche in diesem Bezirk die weite dieses Flusses in parallelen ufern,und in der geradelinigten Bahn ist. Diese Separation der zwey Gewässer wird dieGeschwindigkeit vermehren, indem sie die Neigung befördert, und den in §. 131.aufgestellten Maximen so wie den Lehrsätzen e. i. S. 218. entspricht. Sie mufs da-her zur Vertiefung des nettes, folglich zur Senkung der Oberfläche beyder Flüssebeytragen, d. i., einen Effect hervorbringen, der zur Trockenlegung der uferlandeein nothwendiges Erfodernifs wird.
$. 134. Insofern die wildbäche den Hauptrecipienten, das ist hier der salzach-flufs (während ihren Anschwellungen) alsdann gleichsam mit ihrem Material versto-pfen, wenn sie sich nicht unter einem sehr spitzen Winkel mit ihm vereinigen:so müssen von caprun an, flufsaufwärts, alle wildbäche unter einem spitzen Winkelmit dem salzachflufs , entweder mittelst Faschinen - Pfahlbauten, mit Steinverdammun-gen , oder endlich mittelst hölzernen schuttgerinnen (s. s. 242.) vereinigt werden,damit die Hochgewässer dieser wildbäche das von denselben abgeführte Material indem Bette der salzach fortwälzen, und die Geschwindigkeit seines Stromes nicht re-tardiren , folglich dessen Austritt über die ufer nicht erleichtern, sondern vielmehrzur Vertiefung der salzach mitwirken. Wo die schuttgerinne nothwendig sind, daszeigt jedes rocal , weil , sie über flaches Terrain geführt werden müssen.
44 *