IZten und löten Jahrhundert waren in diesem Lande grofse Bogen und grofse Brü-chen ausgeführt; aber zu schmal und ohne Geschmack. Die mit grofsen Halbkreisengewölbten Brücken, als die ven Vielle- ßrioude, Ceret und einige andere, waren ihrerHohe wegen, in Städten nicht, anwendbar, und man war, bey dieser eo gen form, derniedrigen Lage der Ufer wegen, genötbigt, die zahl der BÖgen zu vervielfältigen.Erst bey der Brücke von Toulouse wählte man einen gedruckten oder Iiorbbogen,um auch bey Städten gröfsere Brückengewolbe aufzuführen. Diese Form wurde spä-terhin allgemeiner und im l8ten Jahrhundert zu einer grofsen Vollkommenheit ge-bracht, selbst bey BÖgen von 12 0' Weite, (bey der Brücke von Neuilli) angewendet.Auch kam man in dieser zeit zu den flachen Kreisstücken zurück, weil sie, beyBrückenbögen, alle Vortheile vereinigen, wenn sie hoch genug anfangen, und ihreHöhe eher gröfser als geringer wie f- der oeffnung ist.
4 Endlich bedürfte es, zur Vervollkommung des Brückenbaues, nur noch einesAnlasses ; nämlich Männer von Kenntnissen und Genie, so wie für das Grofse undNützliche empfängliche minister, um die Erückenbauhunde auf eine hohe stufe zustellen. Sie ist in Frankreich vorzugsweise von den Ingenieurs de la Hite, Cerceau,Mansard, Dause, Gabriel, Gautier, Fitrou, nupeau, Bayeux , Regemortes, Voglie, Li-may, de Moustier, Gavella, Advyne, le Giere, Ducros, Tardif, Gauthey, Garipuy,Cessart, Le sage, Chezy, Böistard, Grangent, saget, Bertrand, Lamande'und Beauprecultivirt worden. Das gröbste Verdienst um dieselbe hat aber, vor allen Ingenieurs,perronet; der Mann, welcher den Bau der steinernen Brücken zu einem hohen Gradevon Vollkommenheit emporhob, wie die von ihm erbauten Brücken, so wie dessenSchriften beweisen.
§. 10. Als die praktische Ausführung vieler grofsen Brücken in Frankreich bewerkstelligt ward, bearbeiteten auch die Theoretiker, die Lehre der Gewölbe, wie-wohl sie immer von der Erfahrung widerlegt wurde; ja es scheint: dafs man sieniemals zu einer genauen Uebereinstimmung mit dieser bringen werde. Diese ana-lytischen Calcule sind unglücklicherweise auf solche Hypothesen gebaut, die mitder täglichen Erfahrung im Widerspruche stehen, und es kommen bey grofsen Ge-wölben, als Brücken sind, so viele umstände zu erwägen, dafs eine mit der Erfah-rung übereinstimmende Theorie vielen Schwierigkeiten unterworfen ist.
Die Schriftsteller, welche den Druck und das Gleichgewicht der Gewölbe zuberechnen suchten, haben sich mit der Bestimmung und Figur der äufsern GewöJb-fläche (extrados), der Cirkelgewölbe , im Stande des Gleichgewichts, nicht begnügt,sondern auch die Dicke der senkrecht stehenden Widerlager, um dem Druck derGewölbe zu widerstehen, berechnet. Nach Vervollkommnung der Analyse hat mandie Theorien von der Lehre der Gewölbe aus einem allgemeinen Gesichtspunkte be-trachtet , und so wurde die Wissenschaft mit einer Menge rein speculativer Abhand-lu ngen bereichert, ohne für die Ausübung feste Maximen zu begründen. Die theo-