retischen Schrifsteller nahmen die Gewölbe als durchaus glatte Gewölbsteine an,die also ohne Widerstand oder Reibung zu erfahren, übereinander weggleiten wür-den, wenn die Stabilität des Gewölbes nicht eine üeberwucht ausübte. . Auf dieseWeise hat die Ausübung aus der Theorie noch nicht den vortheil gezogen, den siehätte ziehen können, wenn die Theoretiker, die vorhandenen vorzüglich gut con-struirten Brücken, die Verhältnisse ihrer Theile untereinander erforscht, so wiedie Zusammensetzung der einzelnen Theile der Gewölbe und die Erfahrungen be-rücksichtigt hätten. Ich habe daher die mir viele Untersuchungen und Zeit kostendeMühe übernommen ; von den merkwürdigsten Brücken Europens, diese. Verhältnisse,in Tabellen darzustellen , die ich im III. Kapitel mittheile; welche ohne Zweifel vonWichtigkeit für die Wissenschaft sind. . Diese Resultate geben eine uebersicht vonden Fortschritten der practisehen Brückenbaukunde; sie geben das darin herrschendeUngewisse zu erkennen, und zeigen: wie Manche, zu geringe Dimensionen, die Mei-sten aber zu grofse angewendet haben, ohne zu bedenken, dafs die Festigkeit derBrücken wesentlich von einer vorsichtigen Fundation, der Härte der Gewölbsteine, undihrer sorgfältigen Bearbeitung, so wie von den durch weite Bogen bewirkten freyenAbflufs der Hoehgewässer, des Treibholzes und der Eismassen, abhängt.
§. 11 . Wir sehen aus dein Gesagten, so wie aus der Vervollkommnung dereisernen und hölzernen Bogen zu Brücken dafs die Brückenbaukunde im Allgemei-nen noch im Steigen begriffen ist, es blos mehrern Ingenieurs an Gelegenheit fehlte,ihre Einsichten und Erfahrungen anzuwenden, und es nur von dem Vorsatze einesRegenten oder einer Nation abhängt: dem Lande die Früchte dieser Kenntnisse zuzu-wenden, so wie durch grofse Brücken aller Art das Nützliche und Schöne zu beför-dern; auf diese Weise die Dankbarkeit des Volkes in Anspruch zu nehmen, und des-sen Sinn und Gemüth, durch den Anblick solcher Werke, zu erheben. Was. ist esdenn : hundert grofse Brücken zu erbauen ? Sie erfordern kaum den Aufwand voneinem oft verderblichen Kriege eines iionaths ,. wozu überall das Geld beygeschaftwerden mufs, der die Jugend der Nation dem Tode opfert, und dem Bürger die infünfzig Jahren mühsam gemachten Ersparnisse vernichtet. Zum Brückenbau darf nurein mäfsiges Brückengeld aufgelegt werden, wogegen sieh Niemand mit Grund beschwe-ren kann, weil die Auflage gerecht ist, so hat man alle Mittel dazu. Ueberdiefs.werden von demselben eine Menge Arbeiter dem Müfsiggange entzogen, und zumRuhm der Nation beschäftigt. Bedächten dies die Männer, denen die zügel der Re-gierung anvertraut sind, und hätten sie Sinn für das allgemeine Befste und ihreneigenen r.uhm , so würden sie dem Brückenbau die nöthigen, so leicht her heyzuschaf-fen den Mittel, nicht entziehen, noch die mit der Direction des Brückenbaues beauf-tragten Ingenieurs einen beständigen Kampf mit den Ränkeschmiedern und Nichtwür-digen Geschäfts - Pfuschern aussetzen, während sie zu lächerlichen Kleinigkeiten und.armseligen Eauten, die der Nachwelt von ihrem verdorbenem Geschmaeke oder ihrer
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