Band 
Dritter Band mit zwey und dreyssig Kupfern.
Seite
301
JPEG-Download
 

301

den, und dafs 5) wiewohl der aus einer hinreichenden Anzahl so gestellter und zu-sammen geleimter Bretter bestehende sogen ein hinreichendes Tragvermögen einzelnausübt, dennoch sich, der Elasticität der Bretter wegen, seitwärts nusbiegen inufs,wenn man die zwey gegenüberstehende HiingwerJke der Brücke nicht mit einem Dach-stuhl verbindet : denn eines rheils, wirkt der wind auf ein solches Hängwerk, dasman, um es vor Nässe zu bewahren, mit Bretter verschaalen mufs, wodurch einegrofse Wand entsteht, andern Theils, trocknet die sonne eine Seite des Hängewerksmehr, als die andere aus, je nachdem die Brücke einer Weltgegend entgegen steht,Ohne Daehstuhl ist aber ein grofses aus Brettern (welche man auf die hohe Kantestellt) bestehendes nängewerh eben so wenig als ein Sprengvverk, seiner eigenenSpannung, so wie dem Druck und Stofs des Windes zu widerstehn im Stande; sie müs-sen daher .seitwärts aus der Vertical- Ebene weichen. Ich würde defswegen anrathen:niemals auf die hohe Kante gestellte Bretter zu den Bogen zu wählen, die man über-dies , wie gesagt, nicht biegen, sondern nur bogenförmig ausschneiden kann. Diekleinen so gebauten Brückenöffnungen von einigen vierzig Schuhen, welche man alsBeispiele anführen könnte, sind zu unbedeutend, als dafs sie für den Werth dieserConstruction sprächen. Was man bey den Gartenbrücken oder kleinen Brückenöff-nungen und bey den Bedachungen anwendet, ist nicht bey grofsen für schwere Fuhr-werke bestimmten Brücken ausführbar, und Brücken der Art, die nur 20 bis 40 Fnfsweite Jochfelder haben, verdienen gar nicht angeführt zu werden, da man, zurUeberspannung so geringfügiger weiten, gar keine Bögen gebraucht, sondern nurBalken darüber legen darf.

§. 5Q. Wiewohl die Zimmerungen, hey denen die Bohlen auf die hohe Kantegestellt werden, beym Bau grofser Brücken, keine nützliche Anwendung finden: soverdienen sie doch in der Baukunde die gröbste Aufmerksamkeit : besonders bey denDächern, so wie bey den Kuppeln der Kirchen und Kirchthürmen, bey Theatern,Kornhallen , Reitbahnen, Kornspeichern, Waarenlagern , Scheunen, Sälen und Schaaf-ställen ! Sie ist übrigens weit älter als die Schrift von de forme, welche ailly über-setzt hat. So sind sie z. b. bey den zwey Kuppeln der f rauenkircke zu München ,bey der Kuppel der Kirchen maria de salute und st. Marcus zu Venedig angewen-det worden; ja! bey der vorletzten Kirche bat man 8 zoll starke Holzer zusammengeschiftet, als Curven ausgehauen, und sie aufwärts gestellt, so dafs sie sich nachoben kuppelförmig nähern. Indessen kann man diese Constructionen; mit gekrümm-ten Balken, nach meiner Methode, nicht nur ersetzen, sondern ganz entbehrlichmachen , und wer sich mit meinen Bogenbrücken bekannt gemacht hat, dem wirdes leicht seyn, die Kuppeln und Dächer der gröbsten Gebäude, aus Hängewerken vonCurven zu conslruiren.

§. 6o. Nachdem ich die Maximen : über die Bogenhöhe der Tragbögen undSpannträger, über die Anzahl ihrer Curven, vorgetragen habe, werde ich diese Be-