Band 
Dritter Band mit zwey und dreyssig Kupfern.
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Öffnung machen, wenn der pfeiier (in Nothfällen) als Widerlager dienen mufs. Beyvollen Halbkreisen und der verkehrten JEllypse und wo die pfeiier niedriger als io'sind, betrage dieses verhaftnifs f> bey weniger als ■§■ gedruckten Korbbögen undKreisstücken deren gröbste nöhe f bis f der oeffnung ist, sey die pfeilerdicke T 3 5 5 g-der oeffnung. Wir sehen nämlich aus der Erfahrung: dafs bey diesem Verhältnifs derBrücken, wovon einige BÖgen einstürzten, dennoch die übrigen Pfeiler, die stelle derWiderlager vollkommen ersetzten; so waren bey der Brücke von Tours die pfeiier hin-reichend stark, wiewohl ihre sogen aus drey Mittelpuncten beschrieben, folglich mehrauf die pfeiier als ein Halbkreis drücken; ihre Dicke verhält sich nämlich zur oeff-nung des Bogens nur wie 1 : 5 . Als nämlich einige Bogen defswegen eingestürztwaren, weil die pfeiier unterwaschen wurden, so blieben die übrigen Bögen stehen,deren pfeiier eine gute Gründung hatten.

Aus allen bis jezt vor uns liegenden Erfahrungen geht demnach hervor: dafsich die Stärke der Brückenpfeiler in beyden Fällen, wenn sie nämlich als Widerlagereines Bogens dienen oder nicht dienen sollen, hinreichend stark festgesetzt habe, unddafs mehrere Brücken vorhanden sind, deren wirklichen Widerlagern, diese von mirfestgesetzte stärke nicht einmal gegeben worden ist

$. 390. Da die Tragkraft der steine bey allen solchen pfeffern , welche nichtals Widerlager dienen, die Stärke oder Dicke dieser pfeiier bestimmt, so ist es noth»wendig , darüber genaue versuche anzustellen. Man berechne also in Beziehung aufdie schwere derer zu den Gewölben und den Schenkeln zu nehmenden steine, unddes auf den Pfeiler aufgeführten Gemäuers, wie von dem Pflaster die Last von zweyHalbbögen; sehe, wie viel auf den Quadratfufs des Pfeilers von dieser gesammten Lastkömmt, wie viel der Quadratfufs des zum pfeiier anzuwendenden Steins tragen könne,wenn man die versuche mit kleinen Würfeln von 27 Cubicfufs angestellt hat, undnehme hievon ^ (anstatt bey Perronet an , um mit gröfster Sicherheit zu ver-fahren. Wir wollen deswegen die Resultate einiger bey München von dem ober-In-genieur von wiebeking mit den zur neuen Brücke (Tab. 133.) anzuwendenden stei-nen bewirkten versuchen, unten mittheilen.

Der Ingenieur cauthey war der erste, welcher über die Tragkraft der steineeinige Versuche anstellte; er hat die dazu gebrauchte Vorrichtung in seinem rraitedes ponts p. 2Ö7 beschrieben*), und da sie zweckmäfsig ist : so wurde zu diesen Ver-suchen eine ähnliche in Fig. 9. Tab. 133. dargestellte verfertigt. Ihr Hebelsarm a bbestand aus zwey eichenen 1Ö zoll hohen Balken, dessen beyde Endetheiie sich (ineisernen Bändern) übereinander schieben liefsen; folglich konnte der Hebel verlän-gert oder verkürzt werden. Dessen äufserste Enden drehten sich um einen vier zoll

*) Souflot liefs eine ähnliche Vorrichtung aus Eisen verfertigen , nachdem der Architect Patte behaup-tet hatte, dafs die Grundflächen der Pfeiler van st. Geaieve zu klein waren, um den Dohm unddie Kuppel zu tragen.