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II. Band.
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II. Benzidinfarbstoffe.

In den Jahren 1885 und 1886 brachten zuerst die Aktien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation in Berlin , dann die Farben-fabriken vorm. Bayer und Co. in Elberfeld sowie die Firma Leonhardtund Co. in Mühlheim in Hessen nach und nach eine Beihe Farbstoffeauf den Markt, welche die Eigenschaft besassen, die Pflanzenfaser,also Baumwolle und Leinen, ohne jede Vorbeize direkt seifenecht zufärben. Ein solches Verhalten hatte man bis dahin noch an keinenkünstlichen Farbstoff beobachtet und nur vereinzelt bei den natür-lichen Farbstoffen wie bei Safflor und Orlean. Vach dem ersten be-kannt gewordenen Produkt nannte man diese FarbstoffeCongofarben.Eine treffendere Bezeichnung ist Benzidin-Farbstoffe, als alle Markensich aus diesem Grandkörper C 6 H 4 NH 2 und dessen Homologen

II

C«H 4 NH S

(Tolidin, Dianisidin, Diamidostilbendisulfosäure etc.) ableiten lassen.Sie färben ohne weiteren Zusatz Baumwolle, Seide und Wolle undlassen sich untereinander gemischt anwenden, wodurch eine grosseMannigfaltigkeit der Farbtöne erzielt wird. Es sind bis jetzt etwa7080 Benzidinfarbstoffe bekannt, deren Zahl noch täglich zu-nimmt. Die Farbtöne sind alle waschecht, widerstehen aber nur zumkleinern Theil der Einwirkung des Lichts und einige Farben sindauch sehr empfindlich gegen Säuren. Die gefärbte Faser besitzt als-dann die vortheilhafte Eigenschaft, für basische Farbstoffe als Beizezu dienen, sodass auf Chrysamin, Benzopurpurin und Azoblaugrundbeispielsweise Methylenblau, Safranin und Viktoriagrün zahlreicheweitere Farbtöne hervorbringen.*)

Anfangs konnten nur rothe und orange Farbstoffe dargestelltwerden, dann folgten wirklich braune Farbstoffe und zuletzt der ersteblaue Azofarbstoff, das Azoblau, welches bald durch Benzoazurin, Sulfon-azurin, Diaminblau verdrängt wurde. Trotz des verschiedenen Ver-haltens dieser Farbstoffe werden sie in vielen Fällen auf ein unddieselbe Weise, angewendet. Aber der Erfolg ist auch dementsprechendwenig zufriedenstellend. Walter M. Gardner hat deshalb in einergrösseren Abhandlung im Textile Manufacturer of Manchester 1890345, 448**) für einen jeden der direktfärbenden Farbstoffe diegünstigsten Färbebedingungen festgestellt. Bekanntlich hat sich der

*) Bull. d. Soc. ind. de Mulhouse 1886. 272. Chem. Industrie 1886. 79,253.

**) Leipziger Monatsschrift für Textil-Industrie 1891 Nr. 2.