§. 17.
ACCOMMODATIONSPHOSPHEN.
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an seiner Eintrittsstelle gezerrt wird. Purkinje 1 sieht an der Eintrittsstelledes Sehnerven auch dauernd einen lichten Ring, wenn er das Auge stark nachinnen wendet, nach der Mitte des Gesichtsfeldes umgeben von concentrischenhellen Streifen, während bei mir die Erscheinungen nur immer momentan auf-tauchen. Stellt man den Versuch mit offenem Auge vor einer weissen gleich-massig beleuchteten Fläche an, so erscheinen bei starker Drehung des Augesdunkle Flecken dem Sehnerveneintritt entsprechend, die, wie Czermak bemerkt,beim Drehen nach innen leichter eintreten, und eine regelmässigere Kreisformannehmen als beim Drehen nach aussen. In dem rüthlichen Felde, welches diegeschlossenen und von aussen beleuchteten Augenlider geben, erscheinen diesedunkeln Flecke blau. Ich selbst erkenne übrigens auch in den dunkeln FleckenSpuren derselben Aehrenform, welche die Lichterscheinung im dunkeln Feldezeigt, während Czermak hervorhebt, dass bei ihm letzte Erscheinung nicht dasnegative Abbild der erstercn sei. Auch hier scheinen also die gereizten Nerven-fasern ihre Empfindlichkeit gegen äussere Reize durch die Zerrung zu verlieren.Als gereizt muss man in diesem Falle wohl die Fasern betrachten, die in un-mittelbarer Nähe des Sehnerven enden, da die Eintrittsstelle des Sehnervenselbst gegen Lichtreiz unempfindlich ist, und daher nicht zu erwarten ist, dassdort irgend welche der Lichtempfindung fähige Fasern enden, in deren Folgeeine Lichtempfindung gerade an diese Stelle des Gesichtsfelds verlegt werdenkönnte. Endlich ist hierher auch wohl das von Purkinje 2 und Czermak 3 beob-achtete Accommodationsphosphen zu rechnen. Wenn man im Finstern dieAugen fiir das Sehen in nächster Nähe einrichtet und dann plötzlich wieder fürdie F’erne accoinmodirt, so bemerkt man nahe an der Peripherie des Gesichts-feldes einen ziemlich schmalen feurigen Saum, welcher, ringförmig in sich selbstzurücklaufend, in dem Momente aufblitzt, wo man mit der fühlbaren Anstrengungfürs Nahesehen nachlässt. Purkinje sah die Erscheinung auch bei plötzlichemNachlass gleichmässigen Drucks auf das Auge. Ich selbst habe sie bisher nochnicht sehen können. Czermak erklärt sie dadurch, dass im Momente, wo derZug des Ciliarmuskels nachlässt, die erschlaffte Zonula sich wieder spannt,während die Linse noch in radialer Richtung verkürzt ist und dadurch eineplötzliche Zerrung des äussersten Randes der Netzhaut eintritt, dessen Endemit der Zonula verklebt ist.
Accommodire ich stark für die Nähe, während das Auge nach einer gleich-mä'ssig erleuchteten weissen Fläche gekehrt ist, so entsteht im Fixationspunkteein schattiger Fleck, am Rande braun abschattirt, von dem auch wohl brauneoder hell violette Streifen sich nach verschiedenen Seiten hinziehen. Dannpflegt sich das Gesichtsfeld schnell zu verdunkeln, während netzförmige Zeichnungenund Thcile der Aderfigur, dunkel auf weissem Grunde darin sichtbar werden.Bei Nachlass der Accommodation für die Nähe schwindet alles. Purkinje be-schreibt den braunen Fleck, sah aber dessen Centrum weiss. Hierher gehört
1 Beiträge zur Kenniniss des Sehens. S. 78.
2 Zur Physiologie der Sinne. Bd. I. 126. II. I16.* Wiener Sitzungsber. XXVII. 78.