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ZWEITER ABSCHNITT. DIB I.EIIRE VON DEN GKSICIITSEMPFIXDUNGEN.
§• 10 .
dafür gewählt mit Rücksicht auf die Bezeichnung cyaneum hei Newton für diegrünlich hhmen Töne des Spectrum. Zur Bezeichnung des Farbentons :dleinwürde auch der Namen Wasserhlau gut passen, denn grosse Massen sehrreinen Wassers fGenfer See, Gletschereis) zeigen in ihrem Innern in der Thatdiese Farbe. Hat man z. B. längere Zeit in das Wasser des Genfer Sees aneinem hellen Tage gehlickt, und sieht zum Himmel auf, so erscheint dieser imGontrast violett, oder seihst rosnroth. Da indessen die Farbe der gewöhnlichgesehenen Wassermassen sehr weisslich ist, mit Ausnahme etwa tiefer Eis-spalten, so ziehe ich vor, den Namen Wasserhlau nur für die weisslichenAbstufungen des Cyanblan anzuwenden. Unter den Farbstoffen entsprichtdas Berliner Blau (Eisencyaniircyanid) dem Cyanblau, das Ultramarin demIndigblau,
Jenseits der Linie G bis nach II oder /, folgt Violett (Farbe der Veilchen);cs ist von manchen Schriftstellern auch l’urpur genannt worden. Violett undPurpur bilden den Uebcrgang der Farbentöne von Blau und Roth. Wir wollen,wie gesagt, den Namen Purpur nur auf die röthlicheren Farbentöne diesesUebergangs anwenden, welche im Spectrum nicht Vorkommen.
Schliesslich folgt als Ende des Spectrum auf der brechbarsten Seite dasUltraviolett, Dieser Theil von /, bis zum Ende bei li kann nur gesehenwerden, wenn die bisher beschriebenen helleren Theile des Spectrum sehr sorg-fältig abgeblendet sind. Die Anwesenheit von Lichtstrahlen besonderer Art andieser Stelle lernte man zuerst durch die chemischen Wirkungen derselbenkeimen, und nannte sie deshalb unsichtbare chemische Strahlen. In Wahrheitsind diese Strahlen aber nicht unsichtbar, wenn sie auch allerdings das Augeverhiiltnissmässig viel schwächer aflicircn, als die Strahlen des mittlerenleuchtenden Theils des Spectrum zwischen den Linien II und II. Sobald mandie letzteren durch geeignete Apparate vollständig entfernt, sind die ultraviolettenStrahlen dem Auge ohne Schwierigkeit sichtbar, und zwar bis zum Ende desSonneuspecti'um. Ihre Farbe ist bei geringer Lichtintcnsität indigblau, heigrösserer Intensität bläulich grau. Am leichtesten nachgewiesen wird die An-wesenheit dieser Strahlen durch das Phänomen der Fluorescenz. Beleuchtetman nämlich mit ultraviolettem Lichte eine klare Lösung von saurem schwefel-saurem Chinin, so geht von allen Punkten dieser Lösung, welche von demultravioletten Lichte getroffen werden, weiss bläuliches Licht nach allen Richtungenaus, welches etwa wie ein leuchtender Nebel erscheint, der die Lösung durch-zieht, Untersucht man dies weiss bläuliche Licht mit dem Prisma, so erkenntmau, dass es nicht ultraviolettes Licht ist, sondern gemischtes wcisslichesLicht mittlerer Brechbarkeit. Am einfachsten kann man die Erscheinung des-halb so beschreiben: So lange die ultravioletten Strahlen auf die Chiniulösungwirken, ist diese selbstleuchtend, und sendet gemischtes weisslich blaues Lichtvon mittlerer Brechbarkeit aus. Da nun das Auge für Licht der letzteren Artausserordentlich viel empfindlicher ist, als für ultraviolettes Licht, so nimmt cshei gewissen Graden der Lichtstärke von letzterem nicht das geringste wahr,bis es eine fluoreseirende Substanz trifft, und auf dieser wird dann das bisherunsichtbare Licht sichtbar. Zu den Körpern, welche das Phänomen der Fluore -