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Buch U. Kap. 1. §. 16.
§■ 16 .
Fragmente aristotelischer Phytologie, nach WimmersAusgabe derselben übersetzt.
I. Verwandtschaft des Thiers und der Pflanze.
1. So geht die Natur allmiilig über von den unbeseelten
Dingen zu den Thieren, so dass sich, wo die Grenze und wo dieWitte sind, in der Reihenfolge verbirgt. Denn auf die Gattungder unbeseelten Dinge folgt zunächst die der Pflanzen, und unterdiesen unterscheidet sich eine von der andern darin, dass die einemehr die andre weniger Antheil am Leben zeigt. Vergleicht manaber diese Gattung im Ganzen mit jenen andern Dingen, so zeigtsie sich offenbar wie beseelt, wenn mit den Thieren, wie unbe-seelt; und gleichwohl ist der Uebergang von ihnen zu den Thieren,wie gesagt, ununterbrochen. Denn bei einigen, die im Meerewohnen, möchte man zweifeln, ob sie Thiere oder Pflanzen seien.Sie sind nämlich angewachsen, und losgerissen kommen viele der-selben um. Ueberhaupt gleicht die ganze Gattung der Schal-
thiere den Pflanzen, wenn man sie gegen die beweglichen Thierehält, .... der Schwamm aber gleicht völlig den Pflanzen.
2. Die Austern unterscheiden sich ihrer Natur nach W'enisrvon den Pflanzen, doch sind sie thierhaf'ter als die Sclnvämme;diese haben ganz das Wesen einer Pflanze. Denn ununterbrochengeht die Natur über von den unbeseelten Dingen zu den Thierendurch diejenigen, welche zwar leben, doch noch nicht Thiere sind,so dass die einander nahe stehenden sich nur sehr wenig voneinander unterscheiden a ).
1) Ilislor. animal. VIII, cap. 1. pag. 588 b.
2) De parlib. animal. IV, cap. 5. pag. 681 a.
a) Im Griechischen bedeutet up', athmen, und dann überhaupt leben.Davon abgeleitet ist Cojtj, das Leben, und £u7ov, das Thier, so dass beideA\ Örter sich nur durch das grammatische Geschlecht und den Accent unter-scheiden. Das war wohl nicht ganz ohne Einfluss auf die Untersuchung desPflanzenlebens.