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Buch II. Kap. 1. §. 16.
11. Ernährend nennen wir den Theil der Seele, deren auchdie Pflanzen theilhaftig sind.
12. Der ernährenden Seele bedarf nothwendig Alles, was dalebt und Seele hat, von seiner Entstehung an bis zu seinem Unter-gänge. Denn nothwendig ist bei allem Entstandenen Zunahme(Gipfel, cr/.in]) und Abnahme, was ohne Ernährung unmöglich.Nothwendig muss daher die ernährende Kraft allem beiwohnen,was da wächst und vergeht.
13. Verwandelung (ui./.oi'taat^) ist die Veränderung nach derQualität. Die Zustände und Beschaffenheiten der Qualität ent-stehen aber nicht ohne Veränderung im Erleiden, z. B. Gesundheitund Krankheit' 1 ). Alle Naturkörper aber, die sich dem Erleidennach (durch äussere Affectionen) ändern, sehen wir Zu - und Ab-nahme haben, wie die Körper und Körpcrtheile sowohl der Thierewie der Pflanzen.
14. Die ernährende Seele waltet auch in den andern (nichtbloss in den thierischen Organismen), und ist die erste und all-gemeinste Kraft der Seele, vermöge welcher das Leben in allenwaltet. Ihre Werke sind 'Zeugen und sich Ernähren; denn dasnatürlichste Werk aller Lebendigen, die voll ausgebildet, nichtverstümmelt sind, und keine spontane Entstehung (generatio aequi-voca) haben, ist ihresgleichen hervor zu bringen, das Thier einThier, die Pflanze eine Pflanze, um, so viel sie vermögen, amEwigen und Göttlichen Theil zu nehmen; denn darnach strebt
11) De anima II, cap. 2. pag. 41!) b.
12) Ibid. 111, cap. 12. pag. 4.14 a.
13) De coelo 1, cap. -1. pag. 270 a.
a) An einer andern Stelle, de generatione et corrnptione 1, cap. 4. pag. 319 a,erklärt Aristoteles die verschiedenen Arten der Bewegung oder Veränderungso: „Erfolgt nun der Umtausch des Gegensatzes der Quantität nach, so ist esZu- und Abnahme, wenn aber dem Ort nach, so ist es Trieb ( ifogei , — ichkenne kein anderes deutsches Wort, was zugleich das passive Getrieben-werden und active sich selbst Treiben ausdrückte), wenn aber der Erleidungund Qualität nach, so ist es Verwandelung.“
„ 14) De anima II, cap. 4. pag. 415 a.
Meyer, Gesell, d. Botanik. I. i