Huch II. Kap. 1. §. in. 99
21. Daraus ergiebt sich,. . . . warum die Pflanzen nicht em-pfinden, obgleich sie einen Tlieil der Seele haben, und von Ein-wirkungen afficirt werden, z. B. kalt oder wann werden. DerGrund davon ist, sie haben weder das Vermittelnde®), noch einPrincip, fällig die Eindrücke der sinnlichen Dinge aufzufassen,sondern sie werden nur stoffartig afficirt.
22. Für alles Berührende ist die Berührung das Vermittelnde,und das Auffassende das Sinneswerkzeug, nicht bloss für so vielVerschiedenheiten der Erde, wie es giebt (das heisst, nicht blossfür die vier sogenannten Wurzeln der Dinge, wie Empedokles behauptete), sondern auch für 'Wärme und Kälte und alles sonstnoch Berührende; und wiewohl wir von Erde sind, empfinden wirdoch nicht mit den Knochen Haaren und dergleichen Theilen;und wiewohl sie von Erde sind, haben die Pflanzen doch garkeine Empfindung.
23. Nimmt man von einer Zahl eine Zahl oder Einheit weg,so bleibt eine andre Zahl. Die Pflanzen dagegen und viele Thiereleben fort, wenn man sie theilt, und scheinen der Art nach die-selbe Seele zu haben.
gehenden Summern, dass nach Aristoteles nicht das Empfindende, sonderndas Ernährende Princip der Zu - und Abnahme ist, dass aber das Empfindendeeben Princip des Triebes , der Ortsbewegung ist. Es scheint demnach hinterden Worten — wie bei den Pflanzen — ausgefallen zu sein — ist dasErnährende; und die Worte — ist das Empfindende — scheinen mitdem folgenden — das des Triebes — in Verbindung gestanden zu haben.Doch überlassen wir das den Philologen.
a) Im vorangehenden Kapitel hatte Aristoteles nachzuweisen gesucht,dass die Sinneswerkzeuge von den sinnlichen Gegenständen nicht unmittel-bar, sondern durch Vermittelung eines Zwischenkörpers afficirt würden. BeimGesicht und Gehör betrachtete er die Luft oder auch das A\ asser als dasVermittelnde, beim Gefühl, dessen Sitz er in den Muskeln suchte, die dasThier umkleidende Haut. Die Behauptung, den Pflanzen fehle das Ver-mittelnde, ist also etwas spitzfindig. Besessen sie Empfindung, so würde erein Vermittelndes bei ihnen nicht vermisst haben.
22 ) De anima III , cap. 13. pag. 435 a.
23 ) Ibid. I, cap. 6. pag. 40!) a.