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Buch II. Kap. 1. §. 16.
Materie, gleichsam als Samen aller Geschmäcke beiwohnen, undalles aus dem Wasser, doch aus verschiedenen Theilen desselbenwerden, oder endlich, wenn das Wasser gar keine Unterschiedehat, so könnte man etwa die Wärme oder die Sonne für die be-wirkende Ursache halten. Die Unrichtigkeit dessen, was Empe-dokles sagt, ist sehr leicht einzusehen. Denn setzt man dieFruchthüllen der Sonne oder dem Feuer aus, und verändert sichdadurch ihr Geschmack: so sehen wir ja, dass das nicht geschieht,weil sie aus dem Wasser etwas an sich ziehen, sondern dass dieVeränderung in ihnen selbst vor sich geht; und getrocknet sehenwir sie mit der Zeit aus dem Süssen ins Herbe und Bittere u. s. w.,und gekocht, ich möchte sagen in alle Arten des Geschmacksübergehen. Eben so wenig kann das Wasser die Materie der vielenSamen in sich enthalten a ); denn aus derselben Sache sehen wir,wie aus derselben Nahrung verschiedene Geschmäcke entstehen.Es bleibt also nur übrig, dass das Wasser eine Veränderung er-leide b ). ... Das Feuchte, wie alle (einfachen Körper), pflegt vonseinem Gegensatz afficirt zu werden; sein Gegensatz ist aber das
Trockene. Wie sich nun, wenn man Farben oder Geschmäcke
in Wasser abspült, diese dem Wasser mittheilen, so ertheilt dieNatur selbst, indem sie das Trockne und Erdige und durch einTrockenes und Erdiges durchseihet und vermöge der Wärme be-wegt, dem Feuchten eine gewisse 'Wirksamkeit. Und das ist derGeschmack, der durch das genannte Trockne im Feuchten be-wirkte passive Ucbergang des der Möglichkeit nach Schmeckbarenin ein wirklich Schmeckbares.
a) Im Text steht ohne alle Varianten sein statt in sich enthalten.Dass aber das Wasser die Materie des Geschmacks nicht ist, ward bereitsgezeigt; jetzt soll gezeigt werden, dass sie auch nicht in ihm enthalten sei,v/.rjv TOtnvTtjV firj h’tTvtu. Es muss also statt tlvca zo viftop notliwendig lytTvatzoj vtfrtTi oder etwas der Art gelesen werden. Denn unmöglich konnte Ari-stoteles dasselbe W 7 ort vhj in derselben Gedankenreihe einmal in der Be-deutung von Stoff, und das andre mal in der von Träger eines Stoffes (con-stituens) gebrauchen.
b) Zu der hier ausgelassenen Stelle gehört der ganze unter Nr. 102 ge-gebene Satz, der sich dem hier folgenden unmittelbar anseliliesst.