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Erster Band.
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159
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Buch II. Kap. 2. §. 19.

159

§.

Des Theophrastos Geschichte der Pflanzen.

Wer den Inhalt dieses Werks, ohne es selbst zu lesen undzu studiren, einigermassen will kennen lernen, den verweise ichauf das 'Argumentum librorum de historia plantarum, welches Wim-mer in seiner Ausgabe dem Text vorangeschickt hat, von pag.XXXI. bis XL1V. Man findet hier von Buch zu Buch, von Ka-pitel zu Kapitel, ja von Paragraph zu Paragraph die Angabe desHauptinhalts und der dem Gange der Untersuchung zum Grundeliegenden Disposition, mit einer von keinem seiner Vorgänger er-reichten Genauigkeit und Uebersichtlichkeit. Ich werde mich aufdie Hauptpunkte beschränken, und diese, so weit es nüthigscheint, erläutern.

Das erste Buch handelt von den T hei len der Pflanzeund deren V e r s c h i e d e n h ei t en im Allgemeinen.

Hier drängt sich gleich eingangs die Frage auf, was dennTh eile oder, wie wir sagen würden, wesentliche Theile der Pflanzesind? Kein Theil kommt allen Pflanzen ohne Ausnahme zu, keinerdauert bei allen Pflanzen, die ihn haben, so lange fort wie sieselbst; die Pflanze ist, wie wir sagen würden, mit einem Wortkein Individuum. Aber lebendig, sprossend ist sie überall und,wie es an einem andern Orte ') heisst, jeder Trieb des Baums istgleichsam eine Pflanze für sich, die auf ihm wie auf ihrem Bodenwurzelt. Die Untersuchung streift also ganz nahe an den Ge-danken hinan, dass die wandelbare Pflanze nur Bestand hat indem Gesetz ihres ewigen Wandels; doch erfasst sie ihn nicht; ihnwirklich zu gewinnen, bedurfte es noch zweitausendjähriger An-strenwunor. Daher das Schweben und Schwanken dieser ganzen,am Ende eigentlich zu nichts führenden Untersuchung, als zu demGeständniss, man müsse es mit dem Begriff der Theile bei denPflanzen nicht zu genau nehmen. Das ward dem Theophrastosoft zum Vorwurf gemacht; mir scheint es ihm weit mehr Ehre zu

I) Theophrasf. de causis plantaoe. J, eap. 71. serf. 4.