Band 
Lehrbuch der kosmischen Physik.
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Zweites Buch. Zweites Capitel.

von demjenigen dieser beiden Punkte, welcher bei richtiger Aufstellung des In-strumentes auf der Ostseite liegt, sind die Stunden von 6 weiter gezählt biszum obersten Theilstrich der Theilung, welcher mit 12 bezeichnet ist; auf dem fol-genden Quadranten von 12 bis zum westlichen 6 sind dann die Nachmittags-stunden 1, 2, 3 u. s. w. aufgetragen.

Da aber die Sonne im Sommer vor 6 Uhr Morgens auf- und erst nach6 Uhr Abends untergeht, und da man den Polarisationszustand des Nordpolsdes Himmels schon in der Morgen- und Abenddämmerung beobachten kann, ehenoch die Sonne selbst über dem Horizont steht, so beginnt die Theilung auf derOstseite des Kreises auch schon um einige Stunden vor 6 Uhr Morgens undist bis auf einige Stunden nach 6 Uhr Abends fortgesetzt.

Die Neigung des Rohrs ab gegen die Horizontale läßt sich beliebig än-dern und die Größe dieser Neigung läßt sich auf dem Gradbogen Im ablesen.

Das Instrument wird nun so aufgestellt, daß die Verticalebene des Roh-res in den Meridian des Beobachtungsortes fällt, und dann das Rohr so ge-neigt, daß der Winkel, welchen es mit der Horizontalen macht, gleich ist derPolhöhc des Beobachtungsortes; kurz, man stellt es so auf, daß das Rohr abgerade gegen den Nordpol des Himmels gerichtet ist. Nun wird das Rohr abum seine Axe innerhalb der Hülse df umgedreht, bis das Gypsblättchen seinMarimum von Farbcnglanz auf dunklem Grunde erreicht hat, und dann dieentsprechende von dem Zeiger angedeutete Zeit aus dem Stundenkreise abgelesen.

Bei bewölktem Himmel ist natürlich eine solche Polaruhr nicht anwendbar;wenigstens muß die Gegend um den Nordpol des Himmels wolkenfrei sein.

Was die Stärke der Polarisation des blauen Himmels anlangt, so ist die-selbe keineswegs überall gleich; sie ist ein Marimum in einem Abstände von 90°von der Sonne.

119 Die Dämmerung. Wenn die Luft absolut durchsichtig wäre, so müßtegleich nach Sonnenuntergang eine vollständige Finsterniß eintreten; allein vorSonnenaufgang sowohl als auch nach Sonnenuntergang wird über die Erd-oberfläche eine namhafte Zeit hindurch eine ziemliche Helligkeit verbreitet,welche lediglich von einer Reflexion und Diffusion des Lichtes in der Atmosphäreherrührt.

Man rechnet gewöhnlich die Dauer der Abenddämmerung von Sonnen-untergang bis zu der Zeit, zu welcher man aus Mangel an Helligkeit die Ar-beiten im Freien einstellen muß, oder bis zu dem Zeitpunkt, in welchem man ineinem ziemlich freiliegenden Hause die Kerzen anzuzünden pflegt. Es ist diesder Fall, wenn die Sonne ungefähr bis zu 6° unter den Horizont hinabgesunkenist. Die astronomische Dämmerung dauert aber länger als die eben defi-nirt« vürgerliche; sie dauert nämlich bis zu der Zeit, in welcher der letzteSchein der Helligkeit am westlichen Himmel verschwindet, und dies ist so ziemlichder Fall, wenn die Sonne bis zu 18° unter den Horizont hinabgesunken ist.

Fig. 170 stelle einen centralen Durchschnitt der Erde und ihrer Atmo-sphäre dar; ac und rk/ seien Sonnenstrahlen, welche den festen Erdkern in zwei