456
Buch II,
Uebertreibung Statt Latte; denn in der gemäfsigten Zone,in den feuchten und warmen Erdstrichen des nördlichenAmerikas , zwischen dem Mississipi und den Bergen Aleg-hany, überschreiten die Bäume in zehn Jahren nicht einenFufs im Durchmesser *), und das Wachsthum der Pflan-zen ist daselbst im Ganzen nur um ein Fünftheil be-schleunigter als in Europa , wenn man selbst als Beyspieleden westindischen Platanus, den Tulipanenbaum und dieCupressus disticha nimmt, die neun bis fünfzehn FufsDurchmesser erreichen. In der Gegend von Cumanasahen wir auch zum Erstenmal, in dem Garten des guay-tjuerisohen Piloten, eine Guama ® ,f ), mit Blumen bela-den, und merkwürdig durch die aufserordentliche Langeund den silberfarbnen Glanz ihrer Staubfäden. Wir gin-gen durch die Vorstadt der Indianer, deren Strafsensehr geradlinig, und von kleinen und ganz neuen Häu-sern von freundlichem Anblick gebildet sind. Dies Quar-tier der Stadt war gerade neu gebaut, wegen eines Erd-bebens, das Cumana achtzehn Monate vor unserer An-kunft zerstört hatte. Kaum waren wir auf einer hölzer-nen Brücke, über den Flufs Manzanares gegangen, dereinige Bavas oder Crocodille von der kleinen Art ernährt,
*) Fünf Fufs von der Erde. Diese Messungen sind von einem vor-trefflichen Beobachter, Hrn. Michaux.
*’) Inga Spuria, die man nicht mit der gemeinen Inga oder Ingavera, Willd. (Mimosalnga, Lin.) verwechseln mufs. Die weifsenStaubfäden, in der Zahl von sechszig bis siebenzig, sitzen aufeiner grünlichen Corolle , haben einen Seidenglanz, und endigenmit einer gelben Anthere. Die Blume der Guama hat 18 LinienLänge. Die gewöhnliche Höhe dieses schönen Baums, der feuchtePlätze vorzieht, ist von 8 bis 10 Toisen. (Ich bemerke bey die-ser Gelegenheit, dafs" man in diesem Werk die Namen der neuenPflanzen, die Hr. Bonpland und ich sammelten, durch Cursiv-Schrift unterschieden hat.)