Dritte Tafel.
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L i s s a.
größte und einzig ganz und vollkommen erhaltene von den vier bey Lissa (zwischen den Dörfern Strattowund Wustra, 4 bis 5 Meilen O.N.O. von Prag ) im Bunzlauer Kreise in Böhmen am 5.September 180 k,Nachmittags um halb 4 Uhr, gefallenen und im Falle beobachteten und aufgefundenen Steinen.
Er wiegt 5 Pfund li) Loth.
Es wurde derselbe von vier Augenzeugen, in deren Nähe er niederfiel, im Auffallen beobachtet, gleich aufgehobenund an das Oberamt zu Lissa abgeliefert, welches, nachdem es am 8 - September eine förmliche Untersuchung desFactums vorgenommen, und eine officielle Anzeige davon an das königl. Krciöamt zu Bunzlau erstattet hatte, densel-ben bis zu der in Folge des kreiöämtlichen Berichtes, von Seite des königl. Böhmischen Landes - Guberniumö veran--laßten wissenschaftlichen Untersuchung, welche am 17. November Statt fand, aufbewahrte, und dann an die Untersu-chungö-Commission abgab, von welcher derselbe mit den dießfälligen Berichten nach Wien eingesendet wurde (1).Dieser Stein ist, bis auf einige kleine Stellen an den schärfen. Kanten, wo die Rinde etwas abgestoßen ist, und zweyEcken, wo ursprünglich ein Stück abgeschlagen worden war, doch so, daß die Form des Steines keineswegs gelitten,und der Verlust der Masse kaum 5 bis 6 Loth betragen haben mag, vollkommen ganz und durchaus mit der gewöhn-lichen Rinde bedeckt.
Seine Gestalt ist nicht minder auffallend regelmäßig als jene der beschriebenen Steine von Tabor und vonL'Aigle , und noch mehr die Aehiilichkeit, die hierin zwischen allen dreyen Statt findet.
Er bildet nähmlich ebenfalls eine deutliche, verschoben und ungleichseitig vierseitige, stark abgestumpfte, niederePyramide, die nur etwas mehr als an den beyden vorigen in die Breite gezogen ist, so daß die beyden Endflächen einmehr läuglichtes Viereck bilden.
Die größere End- oder Grundfläche (2) hat über 6 Zoll im längcrn, und -j- Zoll im schmälern Durchmesser,die kleinere oder obere Endfläche stH- zu 5 Zoll, und die Seitenflächen haben 3Z- Zoll Höhe.
li) Bruchstücke von Steinen, als Belege dieser Begebenheit neuester Zeit, möchten wohl zu den seltensten und am schwersten zu er-haltenden 'gehören. Denn fürS erste war der Steinfall von sehr geringer Bedeutung, es sielen nähmlich nur vier Steine,die zusammen kaum »9 Pfund wogen, und wenngleich unter den gewöhnlichen tumultuarischen Erscheinungen, doch ohne gro-ßes Aufsehen zu erregen, und nur vor wenigen Augenzeugen; so wie denn auch die ganze Begebenheit schwerlich beachtet wor-den, noch weniger zur öffentlichen Notiz gekommen seyn würde, wenn nicht, erst drey Monathe früher, und zwar kaum aufso Merken Entfernung, eine ähnliche, der Steinfall bey Stannern, Statt gehabt, oder vielmehr, wenn nicht diese voraus-gegangene Begebenheit durch die veranlaßten ämtlichen Untersuchungen, die selbst zu jener Zeit noch im Gange waren, undsich sogar, einiger Nebenerscheinungen wegen, über die Gränzen Böhmens erstreckten, die Aufmerksamkeit der Local-Behör-den , und selbst des Landvolks in jener Gegend aufgeregt gehabt hätte. Andererseits wurden die gefallenen Steine nur wenigzerstückelt, und erhielten bald eine fixe Bestimmung. II. k. k. HH. die Erzherzoge Rainer und Johann erhielten großeBruchstücke für Höchstderen Sammlungen, eben so Se. Excellenz Herr Graf v. Wrbna; kleine Stücke blieben zum Angedett-ken im Kloster zu Liffa, in den Händen einiger Beamten, und im Besitze des Hrn. I>. Reust von Bilin . Diese möchten,mit den beyden Stücken der kaiserl. Sammlung, allein schon über 10 Pfund am Gewichte betragen. Von dem Reste be-finden sich, meines Wissens, kleine Fragmente in den Sammlungen Chladni's, Klaproth's und De Drve's, und einBruchstück von etwa 7 Loth in der Sammlung der mineralogischen Gesellschaft zu Jena .
<2) Den Stein von dieser Ansicht und bey dieser Haltung betrachtet, in welchen sich nähmlich dessen Regelmäßigkeit und die Aehn-ltchkeit mit einer geometrischen Figur am auffallendsten ausspricht und am deutlichsten beschreiben und darstellen läßt.
Herr Bergrath Reust, welche,» bey Gelegenheit der wissenschaftlichen Untersuchung deS Factums, zu welcher derselbe be-auftragt wurde, und bey Ansicht dieses Steines die Regelmäßigkeit der Form desselben nicht entgangen war, ob er gleichdurch keine ähnliche Beobachtung aufmerksam gemacht worden zu seyn scheint, betrachtete den Srein krystallologisch, folglichin einer andern Haltung, nähmlich der Länge nach, die beyden Endflächen als Seitenflächen nehmend, und beschreibt ihn dem-nach — krystallographisch (in Gehle „'s Journal für Chemie, Physik und Mineralogie, B. 8. S. 447, iLoy) als eine un-regelmäsiige fünfseitige Säule (die beyden Abstumpfungsflächen der Grundkanten als einzelne Seitenflächen betrachtend), mitsehr ungleichen Seitenflächen, und an welcher eine Endfläche schief angesetzt (eine der schmälern gewölbter»Seitenflächen), die
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